Flüchtlinge in einer Turnhalle in Hanau.
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In Brensbach im Odenwald sollen ab Januar minderjährige Flüchtlinge betreut werden. Das ehemalige Jugendheim des Kreises Offenbach bietet Platz für bis zu 112 Kinder und Jugendliche. Die Anwohner nehmen das überwiegend wohlwollend an.

 Das künftige Heim für minderjährige Flüchtlinge liegt am Rande des Brensbacher Ortsteils Affhöllerbach – in Südhanglage umgeben von Wiesen und mit schöner Aussicht. Seit rund einem Jahr steht das ehemalige Kreisjugendheim des Kreises Offenbach in dem 200-Einwohner-Ortsteil leer. Die drei Landkreise Offenbach, Darmstadt-Dieburg und der Odenwald wollen dort nun gemeinsam die Flüchtlingseinrichtung betreiben.

112 junge Flüchtlinge auf rund 200 Einwohner

Bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend in Brensbach wollen die Bürger vom Landrat des Odenwaldkreises, Frank Matiaske (SPD), und den anderen Verantwortlichen genau wissen, was ab Januar 2016 in dem ehemaligen Jugendheim geplant ist.

Der erste Beigeordnete des Odenwaldkreises, Oliver Grobeis (SPD), versucht diesem Wunsch gerecht zu werden. Er sagt, dass von den 112 Heimplätzen 100 für männliche Jugendliche vorgesehen sind. Diese sollen auf die vier Wohnhäuser des ehemaligen Kreisjugendheims verteilt werden. In einem weiteren Gebäude werden 12 weibliche Jugendliche wohnen. Die Einrichtung hat eine Kantine und eine Turnhalle.

Durchschnittsalter liegt bei 16,3 Jahren

Das Durchschnittsalter der Flüchtlinge, die ohne Eltern kommen, liege bei 16,3 Jahren, ergänzt Klaus Ernst-Günzel von der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Die AWO soll das Heim betreiben und die Kinder und Jugendlichen mit gut 40 Mitarbeitern Tag und Nacht betreuen. "Kleinere Kinder brauchen mehr Schutz als größere" erklärt Ernst-Günzel. "Die werden eher in kleineren Einrichtungen untergebracht."  

Die Atmosphäre bei der Versammlung ist sachlich und offen. "Ich bin von Affhöllerbach und da interessiert mich das halt“, sagt einer der rund 200 Teilnehmer und fügt hinzu „ich finde das gar nicht so verkehrt. Das Gebäude ist da und warum soll man es nicht nutzen."

Pensionsbetreiber sorgt sich um Gäste

Ein Betreiber einer Ferienpension in direkter Nachbarschaft zum geplanten Flüchtlingsheim äußert dagegen die Befürchtung, seine Gäste könnten künftig wegbleiben. Er wollte wissen, an wen er sich wenden könne. Brensbachs Bürgermeister Rainer Müller (SPD) bietet an, mit ihm über seine Bedenken zu sprechen. Müller sagt: „Hier leben Menschen, die anderen Menschen helfen." Das sei ein guter Grund, dort Urlaub zu machen.

Die Bürger von Affhöllerbach sind es gewohnt, dass im Kreisjugendheim große Gruppen ortsfremder Kinder oder Jugendlicher untergebracht sind. Und viele erlebten das bisher offenbar als Bereicherung für ihren Ort. Und sie wünschen sich eine ähnlich offene Haltung gegenüber den jungen Flüchtlingen.

Bei der Bürgerversammlung wird klar, dass es dafür wichtig ist, Informationen zu bekommen, Ansprechpartner zu kennen und Kontakte aufzubauen. Brensbachs Bürgermeister Müller will ein Forum einrichten für Menschen, die ihre Hilfe anbieten wollen. Nach der Bürgerversammlung haben dafür mehr als ein Dutzend Menschen ihr Interesse angemeldet.

 

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