Alte Schwarzweißaufnahme der Landshut von 1977
Die "Landshut" 1977 in Mogadischu Bild © picture-alliance/dpa

Seit Jahren rottet die 1977 entführte ehemalige Lufthansa-Maschine "Landshut" in Brasilien vor sich hin. Ein kleiner Verein von Luftfahrt-Enthusiasten will sie jetzt nach Südhessen holen.

"Ich bin Jahrgang 1956. Das ist auch ein Stück weit meine Geschichte, unser aller Geschichte", sagt Burkhard Fiebig. Wenn es um die "Landshut" geht, dann brennt er geradezu. Er ist der Vorsitzende des Fördervereins August-Euler-Museum, der auf dem gleichnamigen Flugplatz in Griesheim bei Darmstadt ein Luftfahrtmuseum errichten will.

Ein auffälliges Museumsstück gibt es dort schon: den halben Rumpf einer Douglas DC-8. In seinem Innern beherbergt das Flugzeugteil ein multimediales Informationszentrum. Auch das Cockpit kann man besichtigen.

Fünf Tage währender Nervenkrieg

Aber jetzt sind Fiebigs Träume von einer ganz anderen Liebe wieder erwacht. Denn die Bundesregierung will die "Landshut" nach Deutschland holen, jenes Flugzeug, das 1977 auf einem Lufthansa-Flug von Mallorca nach Frankfurt von vier Palästinensern entführt wurde, um Terroristen der sogenannten Rote Armee Fraktion (RAF) aus deutschen Gefängnissen freizupressen.

Fünf Tage dauerte der Nervenkrieg, der als wesentlicher Teil des "Deutschen Herbstes" in die Geschichte einging und am 18. Oktober 1977 im somalischen Mogadischu mit der Erstürmung der Maschine durch die GSG 9 endete. Drei Terroristen starben, alle Geiseln wurden befreit - bis auf eine: Zwei Tage zuvor hatten die Entführer den Kapitän der Maschine, Jürgen Schumann aus Babenhausen (Darmstadt-Dieburg), erschossen.

2008 war für den Flieger Schluss

Die "Landshut" flog noch einige Jahre für die Lufthansa. 1985 wurde sie in die USA verkauft, wechselte mehrmals den Besitzer. Zuletzt nutzte sie die inzwischen aufgelöste brasilianische Airline TAF Linhas Aéreas.

Die "Landshut" heute auf einem Flughafen in Fortaleza
Die "Landshut" steht zurzeit auf einem Flughafen in Fortaleza Bild © picture-alliance/dpa

Das Flugzeug wurde 2008 wegen gravierender technischer Mängel ausgemustert. Seither rottet die Maschine im brasilianischen Fortaleza am Rande des Flugfelds mit anderen schrottreifen Maschinen vor sich hin. Der Lack ist ab, im Rumpf ist nichts mehr.

Vor 10 Jahren Helmut Schmidt angeschrieben

Schon einmal hatte Fiebig sich bemüht, die "Landshut" nach Deutschland zu bringen. "Als ich 2007 zum ersten Mal dran war, war sie noch flugtauglich", erklärt er. Damals habe er Helmut Schmidt (SPD) angeschrieben und um Unterstützung gebeten. Der Altkanzler wollte sich aus Altersgründen mit dem Projekt jedoch nicht beschäftigen, wie er Fiebig ausrichten ließ.

Nun will das Auswärtige Amt sich der Sache wieder annehmen. Denn der "Landshut" droht in Fortaleza die Verschrottung. Die Maschine zu retten, ist ein persönliches Anliegen von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). "Ich kann Ihnen sagen, dass der deutsche Außenminister mit Herzblut bei der Sache ist", versicherte sein Sprecher Martin Schäfer. "Weil es wirklich bewegende Zeiten gewesen sind."

Platz genug ist da

Fiebig hat an das Auswärtige Amt geschrieben. Der kaufmännische Vorstand einer Bad Vilbeler Jugendhilfe-Einrichtung glaubt, dass der Flugplatz in Griesheim, der als der älteste in Deutschland gilt, ein perfekter Standort für die "Landshut" wäre. Platz genug gäbe es. Gleich neben dem Flugfeld befindet sich auf ehemaligem Gelände der US Army ein betoniertes Feld vor einer Halle. Dieses sei bereits im Besitz des Bundes, weiß Fiebig.

Das Gelände am August-Euler-Flugplatz aus der Vogelperspektive
Auf dem betonierten Platz vor der Hubschrauberhalle könnte die "Landshut" stehen. Bild © Martin Stenger, Förderverein August-Euler-Museum

Sein 100 Personen starker Museumsverein könne sich darum kümmern, das geschichtsträchtige Luftfahrzeug zu einem Ort der Geschichtsvermittlung auszubauen und zu pflegen, sagt Fiebig. "Wir sind Luftfahrtfreaks. Wir haben das Know-How, wir haben die Manpower und wir haben die Leidenschaft." Es gehe auch darum, den "Deutschen Herbst" aufzuarbeiten.

"Wir sind in der engeren Wahl"

Burkhard Fiebig im Cockpit einer Convair
Burkhard Fiebig im Cockpit einer Convair Bild © privat

Fiebig weiß, dass es noch andere Bewerber gibt. "Aber ich habe gehört, dass wir in die engere Wahl gekommen sind." Noch steht nicht fest, ob die Rückführung überhaupt gelingen wird. Das Flugzeug müsste auseinander gebaut, verschifft und in Deutschland wieder zusammengesetzt werden.

Sollte Griesheim den Zuschlag bekommen, so will nach Worten Fiebigs auch Gabriele von Lutzau sein Projekt unterstützen. Der ehemaligen Stewardess der "Landshut", die selbst als "Engel von Mogadischu" in die Geschichte einging und die heute im Odenwald lebt, sei es ein besonderes Anliegen, dass die Maschine als Ganzes erhalten bleibe, betont der 60-Jährige. "Es wird Zeit, dass die 'Landshut' in sorgfältige Hände kommt", sagt er.

Das könnte Sie auch interessieren