Änis Ben-Hatira: Der Bundesliga-Profi von Darmstadt 98 wirbt für den Verein "Ansaar"
Änis Ben-Hatira: Der Bundesliga-Profi von Darmstadt 98 wirbt für den Verein "Ansaar" Bild © Imago, Screenshot: ansaar.de

Der Bundesligaspieler Änis Ben-Hatira hat Stellung zu den Recherchen von hr-iNFO genommen, wonach er Werbung für eine salafistische Hilfsorganisation macht. Sein Verein Darmstadt 98 veröffentlichte ein Interview, in dem der Profifußballer sein Engagement rechtfertigt.

Mit dem Verein Ansaar International käme er an Orte, an denen er dann mit seiner eigenen Foundation helfen könne, sagte Ben-Hatira im Gespräch mit seinem Verein Darmstadt 98. So habe er Hilfe für Gaza und in Ghana auf den Weg gebracht. "Zunächst einmal macht es mich traurig, dass meine sozialen Projekte, mit denen ich nachweislich schon vielen Bedürftigen geholfen habe, damit in ein schlechtes Licht gerückt werden", sagte er. Ansaar betont laut Ben-Hatira, dass die Arbeit der Völkerverständigung diene.

Ansaar International wird vom Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen und Hessen der extremistischen Salafisten-Szene zugeordnet. Damit gehört die Organisation einer Strömung innerhalb des Islam an, die die Demokratie durch einen "Gottesstaat" ersetzen möchte.

Im aktuellen Jahresbericht des NRW-Verfassungsschutzes heißt es über den in Düsseldorf ansässigen Verein: "Er ist fest mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben." Und weiter: "Innerhalb Deutschlands verfügt die Organisation über mehrere sogenannte 'Ansaar International Teams', die im Namen des Vereins Spenden sammeln, Werbeaktionen durchführen und im Internet mit eigenen Facebook-Auftritten für sich werben."

Mitglieder würden regelmäßig an Informationsständen zum Islam und bei Aktionen zur Verteilung des Korans in Erscheinung treten. Der Verein hat laut Verfassungsschutz Hessen auch eine Aktivisten-Gruppe im Rhein-Main-Gebiet.

Ben-Hatira unterstützt mehrere Projekte

Auf der Internetseite des "Ansaar International e.V." ist Ben-Hatira mit dem Logo der Hilfsorganisation abgebildet. Zu dem Logo gehört der Werbespruch "Sehen wie die Spende ankommt". Laut Ansaar versorgt der 28-jährige Deutsch-Tunesier durch seine Spende monatlich 4.300 Palästinenser mit Trinkwasser.

In einem weiteren Projekt unterstützte Ben-Hatira laut Ansaar den Bau eines Brunnens in Ghana mit 2.000 Euro. Von dem Wasser würden Christen und Muslime profitieren, heißt es in einem Werbevideo auf YouTube:

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Kein Kommentar vom DFB und dem SV98

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Änis Ben-Hatira mit einem Trikot von Darmstadt 98

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Der Bundesligaverein Darmstadt 98 hat bislang keine Stellung zu dem umstrittenen Engagement seines Spielers abgegeben. Bei Anfragen verweist der Verein auf das Interview. Auch beim DFB möchte man sich nicht näher auf den Fall einlassen: "Am besten nehmen Sie in dieser Sache Kontakt mit dem Management des Spielers auf", hieß es auf Nachfrage. Ben-Hatira war als Jugendspieler 23 Mal für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen, inzwischen spielt er für Tunesien.

Ansaar bezeichnet seine Mitglieder als praktizierende Muslime. "Vom Verfassungsschutzbericht, in dem noch das Wort 'extrem' hinzugefügt wurde, halten wir genauso wenig wie Düsseldorfer Kriminalbeamte oder Integrationsbeauftragte", schrieb der Vorsitzende Joel Kayser in einer Stellungnahme.

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