Hausbesetzer Kassel
Vermummte Besetzer vor der Villa Rühl in Kassel Bild © Aktion "Unsere Villa"

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei in Kassel ein besetztes Gebäude auf dem Universitätsgelände geräumt. Vier Aktivisten wurden angezeigt. Doch der Protest soll weitergehen, sagt eine Besetzerin.

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zum Video Besetzte Villa in Kassel geräumt

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Der Polizeieinsatz auf dem Gelände der Universität Kassel begann am frühen Montagmorgen. Beamte durchsuchten einige eigentlich leerstehende Gebäude auf dem Universitätsgelände, die von mehreren Hausbesetzern vorübergehend bewohnt wurden.

Anfang Juni waren Studenten in eines der baufälligen Gebäude eingezogen, um dort ein soziales Begegnungszentrum einzurichten. Die Universität hatte daraufhin Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung gestellt.

Zwei Männer leisteten Widerstand

Die Räumung verlief nach Angaben der Polizei weitgehend friedlich. Es seien 14 Männer und drei Frauen angetroffen worden, von denen die meisten das Gebäude nach Aufforderung durch die Beamten verlassen hätten. Von ihnen wurden die Personalien aufgenommen.

Ein Mann wollte das Feld nicht räumen und musste vom Grundstück getragen werden. Ein weiterer Mann versuchte später, an der Polizeiabsperrung vorbei wieder auf das Areal zu gelangen. Als ihm dies verwehrt wurde, leistete er nach Polizeiangaben Widerstand.

Eine der Frauen litt während der Durchsuchungsaktion unter Atemproblemen und wurde in ein Krankenhaus gebracht. Vier Personen bekamen eine Anzeige wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Die Initiative will "den Schwung mitnehmen"

In einer Stellungnahme sprach die Gruppe "Villa Kassel" von einer "gewaltsamen Räumung". Damit sei aber gemeint, dass jede Räumung gegen den Willen der Besetzer stattfinde und damit "per se gewaltsam" sei, erklärte Besetzerin Anna Goldmann. Die Schilderung der Polizei sei soweit korrekt.

Mit der Räumung soll die Initiative aber nicht beendet sein - die Gruppe habe viel Zuspruch erfahren, sagt Goldmann, und wolle jetzt den Schwung nutzen für zukünftige Projekte. Wie die genau aussehen sollen, sei aber noch nicht klar. "Wir müssen jetzt erst einmal die Reaktionen bewältigen", erklärte sie. Unter anderem die Linke-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, die Bildungsgewerkschaft GEW mit zahlreichen Uni-Angehörigen und der Kasseler Stadtjugendring hatten für Verhandlungen zwischen Besetzern und Universität geworben. Noch am Samstag hatte eine Solidaritätsdemo in Kassel stattgefunden.

Protest gegen Wohnungsnot

Mit der Hausbesetzung wollten die Studierenden nach eigenen Angaben ein Zeichen gegen die Wohnungnot in Kassel setzen und dagegen protestieren, dass es in der Stadt immer weniger Räume für freie Initiativen gebe.

Uni-Präsident Reiner Finkeldey stellte klar, dass die Universität die falsche Adresse für Forderungen nach niedrigeren Mieten und einem allgemeinen Stadtteil-Zentrum sei. In den Gesprächen mit den Besetzern sei deutlich geworden, dass es ihnen nicht um Belange der Universität gehe, die im Dialog geklärt werden könnten.

"Es werden ideologische Forderungen von außerhalb in die Universität hineingetragen. Unsere Hochschule wird da als Bühne missbraucht. Das lassen wir nicht zu", zeigte sich Finkeldey über die Räumung erleichtert.

Besetzerin Goldmann sagte dagegen, die Universität mache es sich mit dieser Haltung zu einfach.

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