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Der Darmstädter Doktorand bei seiner Videoansprache Bild © Screenshot: MemriTV

Ein Doktorand der TU Darmstadt soll in einem Facebook-Video offen den "Islamischen Staat" (IS) unterstützt haben. Der Verfassungsschutz ist alarmiert, die Uni prüft rechtliche Schritte. Der Syrer steht zu dem Video und sagt: "Ich liebe Deutschland."

Das in den USA ansässige "Middle East Media Research Institute" (Memri) dokumentiert das Video eines Mathematik-Doktoranden der Technischen Universität (TU) Darmstadt auf MemriTV als Fall von Propaganda für die IS-Terrormiliz. Das Hessische Landesamt für Verfassungsschutz hat den Syrer bereits im Visier: Das Amt spricht in einer Stellungnahme gegenüber hr-iNFO von "jihadistischem Propagandamaterial".

Die Überschrift des Videos, dessen Botschaft Memri aus dem Arabischen ins Englische übersetzt hat, lautet demnach: "Warum ich den Islamischen Staat unterstütze und verteidige."

In seiner Ansprache rechtfertige der aus Syrien stammende Promotionsstudent das Vorgehen des seit 2014 in Deutschland verbotenen IS in Syrien. Den USA und ihren Verbündeten, die weniger wert als Schweine seien, werde der Kampf gegen eine Gruppe von Muslimen vorgeworfen – gemeint ist der "Islamische Staat".

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Dokumentation von Islamismus und Antisemitismus

Das "Middle East Media Research Institute" (Memri)" mit Zentrale in der US-Hauptstadt Washington beobachtet den Nahen Osten und die arabische Welt, berichtet über Ereignisse und wertet Medien aus. Im Internet veröffentlicht das Institut auf "MemriTV" Fernsehausschnitte, andere Videos und Texte mit Übersetzungen vor allem ins Englische. Schwerpunkte sind Islamismus und Antisemitismus. Die Unterstützung von Reformern im arabischen Raum gehört zum erklärten Ziel. Kritiker werfen Memri zu große Nähe zur israelischen Regierung vor.

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Uni-Kollegen "sehr überrascht"

Man kenne das Video, es kursiere seit kurzem über die sozialen Medien im Internet, sagte Jörg Feuck, Sprecher der TU Darmstadt, auf Anfrage. Er bestätigte, dass der Urheber des Videos seit 2007 als Promotionsstudent der Universität angehört. Der Mann verfügt über eine E-Mail-Adresse der Uni und hat Zugang zu einem Büro mit Telefon.

"Man ist sehr überrascht. Er hat hier nicht offen mit dem IS sympathisiert", beschreibt Feuck die Stimmung unter den Kollegen des Syrers am Fachbereich Mathematik. Die TU prüfe nun rechtliche Schritte gegen den Doktoranden. Dazu zählt auch eine mögliche Anzeige bei der Staatsanwaltschaft, unter anderem wegen Gewaltverherrlichung. Eine sofortige Exmatrikulation sei nicht möglich, hieß es von der Uni. Aber das Betreuungsverältnis sei mit "sofortiger Wirkung ausgesetzt" worden. Auch der Asta der TU zeigte sich in einer Mitteilung "schockiert". Kulturreferent Philip Krämer sagte, die Veröffentlichung sei "ein weiterer Beleg dafür, dass der islamistische Terrorismus auch in Darmstadt ein ernstzunehmendes Problem ist".

Warnung an Deutschland

Der Promotionsstudent bestreitet das Video und seine Urheberschaft nicht. Er habe es Ende 2015 in Istanbul aufgenommen und auf seine Facebook-Seite gepostet. Die Seite sei seit Sonntag gesperrt. "Ich liebe Deutschland", erklärt er am Telefon. Er wolle hier seine Ausbildung zu Ende machen. Es sei aber sein Anliegen, Deutschland davor zu warnen, gemeinsam mit den USA gegen den IS zu kämpfen.

Noch habe der IS kein Problem mit Deutschland. Aber das werde sich ändern, wenn Deutschland mit den USA gegen den IS kämpfe. Gut möglich, dass der Promotionsstudent demnächst ein Problem mit der TU Darmstadt hat. Sie prüft, ihn zu exmatrikulieren. Das 18. Semester könnte dann sein letztes dort gewesen sein.

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