Thomas de Maizière (l.), Salomon Korn
Thomas de Maizière (l.), Salomon Korn (Archiv) Bild © picture-alliance/dpa

Wie sicher leben in Zeiten von Flüchtlingskrise, Rechtspopulismus und Islamismus Juden in Deutschland? Darüber hat am Dienstagabend Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) mit der Jüdischen Gemeinde Frankfurt diskutiert.

De Maizière trat Befürchtungen der Jüdischen Gemeinden vor einer wachsenden Islamisierung Deutschlands durch den Zuzug muslimischer Flüchtlinge entgegen. In Deutschland aufgewachsene Salafisten machten ihm weit mehr Sorgen als der islamische Einfluss durch Flüchtlinge, sagte der Bundesinnenminister am Dienstagabend in Frankfurt. Auch Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Jesiden, zwischen Afghanen und Syrern in den Erstaufnahmeeinrichtungen oder das Kurdenproblem beschäftigten ihn.

Dem hielt der Vorsitzende der Frankfurter Jüdischen Gemeinde, Salomon Korn, entgegen, dass die Zufluchtsuchenden zum großen Teil aus Ländern kämen, die - anders als die Türkei - keinen "aufgeklärten Islam" kennen würden. Viele Flüchtlinge seien in einem Umfeld von Antisemitismus und eines islamischen Missionierungsbedürfnisses groß geworden, sagte Korn.

Verständnis für Besorgnis

Der Minister äußerte aber auch Verständnis für Sorgen in der jüdischen Gemeinschaft: "Wir möchten in einem Land leben, in dem sich Juden sicher fühlen, auch ohne Polizei." De Maizière räumte ein, dass die Integration der Flüchtlinge mehrere Generationen dauern werde.

Deutschland müsse jedoch selbstbewusst auf sein freiheitliches Gesellschaftsmodell setzen. Zur Leitkultur in Deutschland gehörten nicht nur die Grundrechte. Auch die Bewältigung der Folgen des Holocaust, das besondere Verhältnis zu Israel und die Staat-Kirche-Beziehungen in der Bundesrepublik seien Teil davon.

Rechter Rand als Hauptproblem

Ein größeres Problem als die muslimischen Zuwanderer sei der erstarkende "rechte Rand" der Gesellschaft, sagte Korn. Derzeit drifteten viele aus der Mitte der deutschen Gesellschaft nach rechts ab.

De Maizière wies darauf hin, dass antisemitische Straftaten im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen leicht zurückgegangen seien. Dies gelte auch für Gewaltdelikte und sei eine insgesamt "gute Nachricht".

Die Diskussion hatte die Vereinigung Freunde und Förderer des Jüdischen Museums Frankfurt veranstaltet. Anlass waren nach Angaben der Veranstalter antisemitische Parolen bei Demonstrationen in Deutschland und Angriffe auf Juden in Frankreich.

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