Bernd Kirchner Flüchtlinge
Bernd Kirchner fotografiert Flüchtlinge in Gießen Bild © Bernd Kirchner

Viele Menschen in Hessen engagieren sich für Flüchtlinge, helfen ihnen – allen Debatten und Vorurteilen zum Trotz. Hier stellen wir fünf von Ihnen vor.

Bernd Kirchner fotografiert Flüchtlinge

Wer in Gießen wohnt, kommt um das Thema Flüchtlinge gar nicht herum, schließlich befindet sich dort die große Erstaufnahmeeinrichtung. Dem Hobbyfotografen fiel aber auf, dass fast nur negative Meldungen und Meinungen über die Menschen dort kursieren. So fing er an Einzelporträts von Flüchtlingen zu fotografieren, um "dem Menschen hinter dem Thema ein Gesicht zu geben". Für sich selbst konnte er die schlechten Klischees widerlegen. "Ich hatte noch nie ein einziges negatives Erlebnis. Im Gegenteil: Es ist großartig." Seine Fotoprojekt "Refugees in Gießen" veröffentlicht er bei Facebook, das Interesse daran ist groß.

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hessenschau.de: Was wollen Sie anderen Menschen mitgeben?
Bernd Kirchner: Ich will zeigen, dass Flüchtlinge nicht anders sind als wir. Es sind auch nur Väter, Töchter, Söhne, Brüder und Schwestern. Nur hatten sie halt das Pech, in Ländern mit Krieg, Armut und Elend aufzuwachsen.

hessenschau.de: Was ist Ihr größter Wunsch?
Bernd Kirchner: Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen und eine Willkommenskultur pflegen, sollen gestärkt werden und eine Stimme bekommen. Wir brauchen ein Gegengewicht gegen die Ablehnung, die so oft vorkommt.

hessenschau.de: Warum engagieren Sie sich?
Bernd Kirchner: Es ist mir ein Bedürfnis. Rassismus und Ausländerfeindlichkeit möchte ich in Deutschland nicht haben. Ich finde, jeder kann sich irgendwie engagieren, das ist das Schöne an der Demokratie.

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Marvin Mendel organisiert Fußballschuhe

Das Fußballteam mit neuen Fußballschuhen
Gruppenfoto mit neuen Fußballschuhen. Rechts der Organisator Marvin Mendel Bild © Marvin Mendel

Der Student aus Frankfurt begeistert sich für Fußball. Seine Idee: Er wollte für eine Gruppe von 18 Flüchtlingen, die sich regelmäßig zum Fußballtraining trifft, Fußballschuhe organisieren. Über Twitter und seinen Blog mobilisierte er Spender. "Bei Beendigung der Spendenaktion kamen sage und schreibe 520 Euro zusammen", erzählt Mendel. Knapp 20 Menschen hätten mitgemacht und Summen zwischen 8 und 50 Euro gespendet – genug für 18 Paar Schuhe und einen guten Ball.

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hessenschau.de: Was wollen Sie anderen Menschen mitgeben?
Marvin Mendel: Wenn man sich engagieren will, sollte man sich nicht entmutigen lassen. Wenn man die Idee vorantreibt, bekommt man sicher positives Feedback. Man muss es nur einfach probieren. Jede Hilfe zählt.

hessenschau.de: Was ist Ihr größter Wunsch?
Marvin Mendel: Mein größter Wunsch ist, dass die Gemeinschaft Flüchtlinge besser integriert und dass wir es schaffen, eine Willkommenskultur zu schaffen. In Frankfurt ist das schon sehr gut.

hessenschau.de: Warum engagieren Sie sich?
Marvin Mendel: Weil wir das Glück haben, in Deutschland geboren worden zu sein. Das hätte ja auch anders laufen können. Wir sollten versuchen, dieses Glück auch weiterzugeben. Es passiert viel Negatives in Deutschland. Meine Freunde und ich wollen dagegen ein Zeichen setzen.

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Annalina Böcher gibt Deutschunterricht

Annalina Böcher unterrichtet
Annalina Böcher bringt Flüchtlingen Deutsch bei Bild © Teachers on the road

Die Studentin aus Frankfurt engagiert sich bei "Teachers On The Road". Der Name ist Programm, das Ziel ist, Flüchtlingen Deutsch beizubringen und ihnen so einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Das Projekt läuft seit 2013 in Frankfurt, Oberursel, Mainz, Ludwigshafen und Darmstadt. Viele der Schüler kommen fünfmal in der Woche zum Unterricht „Das Interesse und der Bedarf sind riesig“, so Böcher. Sie und ihre Mitstreiter übernehmen jeweils eine Unterrichtseinheit pro Woche. Das Unterrichtskonzept erarbeiten sie gemeinsam, täglich wird eine Übergabe geschrieben, wie weit die Gruppe ist. Zehn verschiedene Nationen sitzen derzeit in einem Kurs. "Wir haben uns inzwischen alle echt lieb gewonnen", so Böcher. Viele Schüler kämen nach Jahren immer noch, obwohl man ihnen gar nicht mehr viel beibringen könne.

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hessenschau.de: Was wollen Sie anderen Menschen mitgeben?
Annalina Böcher: Jeder kann sich einbringen. Wenn jeder ein bisschen was macht, wäre den Flüchtlingen viel geholfen. Flüchtlinge sind Menschen, wie alle anderen auch und es ist leicht, in Kontakt zu kommen. Und es macht viel Spaß.

hessenschau.de: Was ist Ihr größter Wunsch?
Annalina Böcher: Mir ist es sehr wichtig, dass sich mehr Leute engagieren und sich die rassistischen Strömungen abbauen. Und der Staat sollte auch noch mehr tun. Und ich wünsche mir für meine Schüler, dass sie in Deutschland bleiben dürfen. Oder noch besser: Dass sie in ihre Länder zurück können, weil sich dort alles beruhigt hat.

hessenschau.de: Warum engagieren Sie sich?
Annalina Böcher: Ich glaube, dass es wichtig ist, Menschen zu integrieren. Wir können das leisten und ich möchte das auch. Das Bild der "riesigen Flüchtlingsproblematik" stimmt einfach nicht.

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Gabi Buchhholz macht Einzelbetreuung

Gabi Buchholz und Oliver
Gabi Buchhholz begleitet Oliver durch den deutschen Alltag Bild © Gabi Buchholz

Gabi Buchholz begleitet seit zwei Jahren einen Lampedusa-Flüchtling durch den deutschen Alltag. Kennengelernt haben sich die Sekretärin und der Nigerianer bei einer Hilfsaktion "Wir für 22", als die Cantate-Domino-Gemeinde in Frankfurt die 22 Flüchtlinge wörtlich unter einer Brücke weggeholt hat. Der 43-Jährige hat eine Arbeitserlaubnis, Buchholz hat geholfen einen Job für ihn zu finden. "Ich bin Beraterin, Ansprechpartnerin und Motivatorin", sagt Buchholz. Oft ernte sie Unverständnis, warum sie sich so für einen Flüchtling engagiere. "Aber das motiviert mich nur noch mehr."

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hessenschau.de: Was wollen Sie anderen Menschen mitgeben?
Gabi Buchholz: Wenn man die Chance hat, sollte man auf Flüchtlinge zugehen. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, und zu fragen: Was sind das denn für Menschen? Und was wollen sie? Diese Menschen sind keine Bedrohung.

hessenschau.de: Was ist Ihr größter Wunsch?
Gabi Buchholz: Menschen, die bei uns arbeiten wollen, sollten auch arbeiten dürfen. Und jeder Flüchtling muss ein Gesicht bekommen. Nur so können die Stammtischparolen endlich ein Ende haben.

hessenschau.de: Warum engagieren Sie sich?
Gabi Buchholz: Ich bin zufällig reingeschlittert und bin sehr froh darüber. Ich möchte diese starken Persönlichkeiten unterstützen. Und ich konnte meinen Horizont erweitern. Ich habe sogar schon mit Olivers Frau und seinen Kindern in Nigeria telefoniert.

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Christa Hengsbach macht Theater mit Flüchtlingen

Christa Hengsbach
Christa Hengsbach, Interkulturelle Werkstatt Frankfurt e. V. Bild © Christa Hengsbach

Zusammen mit einem Choreografen und einer ghanaischen Band bringt die Theaterpädagogin ein Tanztheater auf die Bühne. Thema: "Das Eigene und das Fremde." Mit dabei sind Flüchtlinge und auch Migranten, die schon lange in Deutschland leben. "Der Hauptakzent unseres Engagements liegt auf der kulturellen Begegnung", sagt Hengsbach. Auch Theater- und Kunstprojekte hat sie mit der Interkulturellen Werkstatt Frankfurt e.V. mit Flüchtlingen schon gemacht.

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hessenschau.de: Was wollen Sie anderen Menschen mitgeben?
Christa Hengsbach: Eine solche Arbeit hilft, Vorurteile abzubauen. Das habe ich bei mir selbst gemerkt. Man muss sich trauen und die Menschen kennenlernen.

hessenschau.de: Was ist Ihr größter Wunsch?
Christa Hengsbach: Es wäre so wichtig, dass unsere Flüchtlinge einen Bleibestatus bekommen. Und politisch sollte Einfluss auf die Regionen genommen werden, aus denen die Menschen flüchten.

hessenschau.de: Warum engagieren Sie sich?
Christa Hengsbach: Ich finde es einfach wichtig. Und die Begegnungen mit diesen Menschen sind eine absolute Bereicherung. Wir können den Flüchtlingen sehr viel helfen, aber wir bekommen auch sehr viel zurück. Das geht in beide Richtungen.

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