Weil Flüchtlinge gratis mitlaufen dürfen, hat der Charity-Triathlon im mittelhessischen Büdingen einen Drohbrief erhalten. Die Veranstalter werden nichts am Konzept ändern – obwohl es nicht die erste Drohung ist.

"Kein Asylbetrüger Triathlon in Büdingen. Wenn die starten, gibt’s auf die Fresse" - steht auf dem Drohbrief.
Die Botschaft des Drohbriefs ist eindeutig. Bild © Markus Reutzel

"Kein Asylbetrüger Triathlon in Büdingen. Wenn die starten, gibt’s auf die Fresse."

In offenbar aus Zeitungen ausgeschnittenen Wörtern steht diese eindeutige Botschaft auf einem Brief, den Markus Reutzel am Freitag erhielt. Reutzel ist einer der Organisatoren des Spenden-Triathlons, der seit Jahren in Büdingen in der Wetterau stattfindet. Gesammelt wird für einen guten Zweck: Eine lokale Multiple-Sklerose-Selbsthilfegruppe und eine Kinderbetreuung profitieren von der Veranstaltung.

Doch warum gibt es nun fremdenfeindliche Drohungen gegen den Triathlon, der am 5. Juni stattfinden wird? Seit 2015 dürften Flüchtlinge gratis teilnehmen. Mit gemischten Staffeln soll ein sportlicher Schritt in Richtung Integration gelingen, wie Reutzel am Samstag zu hessenschau.de sagte. "Wir wollen die Leute in Kontakt bringen und Barrieren abbauen." Im vergangenen Jahr nahmen acht Flüchtlinge das Angebot an.

Drohanruf vor einigen Wochen

Das passt offenbar nicht allen Menschen, war der Brief doch schon die zweite Drohung, die Reutzel erhielt. "Vor fünf Wochen hatte ich schon einmal einen entsprechenden Anruf auf dem Handy." Außerdem habe es in den sozialen Netzwerken Kritik gegeben. Reutzel hatte sich noch am Freitag mit den anderen Organisatoren besprochen. "Wir haben diskutiert, ob wir überhaupt reagieren und uns dann dazu entschieden, offen damit umzugehen."

Der Brief wurde der Polizei übergeben, die sich aber am Samstag noch nicht zu dem Fall äußern konnten. Am Lauf und seinem Konzept wollen Reutzel und seine Kollegen nichts ändern. "Am 5. Juni sind genügend vernünftige Menschen vor Ort, um angemessen auf eventuelle Störungen zu reagieren."

Büdingen war zuletzt häufiger wegen rechter Tendenzen in die Schlagzeilen gekommen. Ein Fackelmarsch von Rechtsradikalen sorgte Ende Januar zunächst für Auseinandersetzungen vor Gericht und dann für eine Gegendemonstration mit 800 Teilnehmern. Bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag hatte die NPD 10,2 Prozent der Stimmen erhalten.

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