Lindenfels in der Fernansicht
Seit Freitag ohne Krankenhaus: Lindenfels im Odenwald Bild © Imago

"Gekämpft, gehofft und doch verloren": Nach 40 Jahren wird am Freitag das insolvente Luisenkrankenhaus in Lindenfels geschlossen. Belegschaft, Bürger und Lokalpolitik mühten sich vergeblich um eine Rettung.

Auf dem Wegweiser zum Haupteingang klebt ein schwarzer Trauerflor. Bettlaken hängen aus Fenstern: "Gekämpft, gehofft und doch verloren" steht auf einem der Tücher. Daneben, mit Filzstift gemalt, ist ein schwarzes Kreuz und das Kürzel "RIP" für Rest in Peace - Ruhe in Frieden - zu finden.

Dieses düstere Stimmungsbild erwartet Besucher am Luisenkrankenhaus in Lindenfels im Odenwald. Die vor 40 Jahren eröffnete Klinik stellt am Freitag um 12 Uhr endgültig ihren Betrieb ein. Nachdem ein Konzept für ein schlankeres stationäres Angebot an der Finanzierung gescheitert war, gab es für das Haus des insolventen südhessischen Klinikverbunds keine Rettung mehr.

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Versorgung für Lindenfels

Das Luisenkrankenhaus war in Lindenfels und Umgebung für die Versorgung von rund 70.000 Menschen zuständig. Die Bewohner in der Region des südlichen Odenwaldes müssen sich bei Bedarf nun andere Kliniken suchen. Die nächsten Krankenhäuser in Bensheim, Seeheim-Jugenheim oder Heppenheim sind von Lindenfels aus aber mindestens 18 Kilometer entfernt.

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Die Patientenzimmer sind bereits leer, die meisten Klinikflure dunkel. Viele der zuletzt noch gut 70 Betten wurden schon abtransportiert. Die letzte Handvoll Patienten hatte Chefarzt Joachim Wahlig Mitte dieser Woche in andere Kliniken verlegen lassen. "Für die Mitarbeiter ist das natürlich ganz schwer, wenn man Patienten abgeben muss, weil man schließt", sagt Wahlig.

Montagsdemonstrationen für "Luise"

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zum Audio Letzter Tag für "Luise"

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Zu wenig Patienten, zu viele Schulden, und das über Jahre hinweg - das Ende des Luisenkrankenhauses hatte sich lange abgezeichnet. Dennoch hatte der Chefarzt zusammen mit den gut 100 Beschäftigten des Krankenhauses für die "Luise" gekämpft. Auch viele Einwohner von Lindenfels hatten sie unterstützt, unter anderem bei zahlreichen Montagsdemonstrationen. Doch während zwei weitere Häuser des insolventen Südhessischen Klinikverbundes – das Heilig-Geist-Hospital in Bensheim sowie das St. Marienkrankenhaus in Lampertheim – an neue Betreiber verkauft werden konnten, blieb eine Rettung in Lindenfels aus.

Chefarzt Wahlig hatte mit seinem Team sogar ein Rettungskonzept "Luise Light" erarbeitet. Eine Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung mit maximal 50 Betten. Das Ganze sollte unter dem Dach einer Genossenschaft von Bürgern, Ärzten, Kirchen und der Stadt stattfinden. Dafür habe es zwar Lob gegeben, sogar von der Politik aus Berlin, so Wahlig. "Weil das Problem, das kleine Krankenhäuser haben, hat nicht nur Lindenfels. Unser Modell war innovativ. Nur Lob allein reicht nicht, wenn dann keine Finanzen fließen."

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Thema im Landtag

Am Beispiel von Lindenfels diskutierte auch der Landtag Ende Juni das Thema gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum. Hier können Sie die Debatte noch einmal im Video verfolgen.

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Darlehen in Höhe von rund drei Millionen Euro wären notwendig gewesen. Am Ende überzeugte der Wirtschaftsplan aber offenbar weder Kirchen, noch den Landkreis oder das Hessische Sozialministerium. Die notwendigen Bürgschaften wurde verwehrt, "Luise Light" für gescheitert erklärt.

"Tragweite noch nicht bewusst"

Was bleibt, sind Trauer und Wut bei den Beschäftigten. Auch bei Manuela Ganz, die im Luisenkrankenhaus bis zuletzt den Patientenservice geleitet hat: "Es ist einfach unglaublich, wie wenig Wertschätzung von der Politik, aber auch von den Kirchen, der Gesundheitsversorgung der Menschen in unserer Region entgegen gebracht wird. Ich glaube, dass die Tragweite der Entscheidung noch nicht bewusst ist."

Symbolisch will Chefarzt Wahlig um die Mittagszeit die Haupteingangstür abschließen und dann zum letzten Mal mit seinen Mitarbeitern zusammenkommen: "Wir werden uns um 13 Uhr zu einem kleinen Stelldichein treffen und Abschied nehmen von diesem Haus."

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