Weihnachtsmarkt Friedrichsdorf Screenshot
Screenshot der Internetseite des Friedrichsdorfer Weihnachtsmarktes Bild © Screenshot (www.weihnachtsmarkt-friedrichsdorf.de)

Nach dem Angriff mutmaßlicher Islamisten auf die Friedrichsdorfer Weihnachtsmarkt-Webseite hat der Verfassungsschutz Entwarnung gegeben: Es handele sich um einen wahllosen Cyberangriff, sagte Verfassungsschutz-Chef Robert Schäfer am Donnerstagnachmittag.

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Der Angriff auf die Homepage des Friedrichsdorfer Weihnachtsmarkts (Hochtaunus) sei nicht zielgerichtet gewesen, sagte Verfassungsschutz-Chef Robert Schäfer Donnerstag in Wiesbaden. Bei einem derartigen wahllosen technischen Angriff würde ohne konkretes Ziel nach Seiten im Internet gesucht, die technisch anfällig sind. Dafür spreche auch, dass sich die Botschaft der mutmaßlichen Islamisten nicht konkret gegen den Weihnachtsmarkt in der Taunusstadt gerichtet habe. Eine höhere Gefährdung liege auch auf anderen Weihnachtsmärkten in Hessen nicht vor.

Am Morgen hatte der Sprecher des Polizeipräsidiums Westhessen, Markus Hoffmann, dem hr den Hackerangriff bestätigt. Die Polizei hatte gemeinsam mit IT-Experten des Landeskriminalamts (LKA) die Ermittlungen aufgenommen.

LKA spricht von "Cybercrime-Delikt"

Der Sprecher des Landeskriminalamts, Max Weiß, sagte hessenschau.de, dass es sich um ein Cybercrime-Delikt handele. Die Ermittlungen seien aufgenommen worden, weil eine Internetseite gegen den Willen des Betreibers verändert wurde. Bislang gebe es keinen Hinweis, dass der Islamische Staat (IS) die Botschaft verfasst habe, sagte Weiß. Es sei beispielsweise kein Logo des IS zu finden. Der Text stelle vielmehr "eine Art Glaubensbekenntnis" dar.

Gegen 10 Uhr am Donnerstagvormittag wurde die Internetseite gesperrt. Man habe sie zunächst noch einige Stunden online gelassen, um weiter Daten zu sichern, erklärte Weiß.

Der Staatsschutz des Polizeipräsidiums Westhessen ermittelt wegen dieses Vorfalls, der eine Straftat aus dem IT-Bereich (Computersabotage) darstellt. Es werde im In- und Ausland nach den Urhebern gesucht. Die Ermittlungen sollen auch klären, ob die Seite ein weiteres Mal auftaucht.

"Wir sind nicht ISIS"

Statt Informationen über den Weihnachtsmarkt erschien auf der Internetadresse eine in schwarz gehaltene Seite mit arabischer Musik. Die angeblich Al-Qaida nahestehende Gruppe "Mujahidin Cyber Army" fordert in englischer Sprache dazu auf, Muslime in Syrien in Ruhe zu lassen.

Die Verfasser nennen sich "Gotteskrieger". In der nächsten Zeile war zu lesen: "Wir unterstützen nicht ISIS, wir lieben Al-Qaida". Die Hacker wünschen in ihrer Droh-Botschaft Assad, Putin, Obama, die USA, Russland, den Iran und Kuba "zur Hölle".

IT-Experte: Angriff von "Sessel-Dschihadisten" häufen sich

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zum Audio Computerkriminalitäts-Experte Kai Laufen im Interview

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Nach der Einschätzung von ARD-Computerkriminalitäts-Experte Kai Laufen kommen solche Hacker-Angriffe häufiger vor. Ermittler würden in dem Zusammenhang auch von "digitalem Vandalismus" sprechen, verübt von sogenannten "Sessel-Dschihadisten", sagte Laufen am Donnerstag im Gespräch mit hr-iNFO.

Kennzeichnend sei, dass die Hacker den Kampf der Islamisten in erster Linie ideologisch über das Internet unterstützen. Dazu werden Internetseiten gezielt nach Sicherheitslücken gescannt, das Ganze mit relativ geringem technischem Aufwand. Im konkreten Fall könnte "eventuell eine Gruppe aus Syrien" hinter dem Angriff gesteckt haben, sagte Laufen.

Zuerst hatte die Frankfurter Rundschau über den Hackerangriff berichtet. Die betroffene Internetseite gehört dem Bericht zufolge der Kommunikationsagentur Carta Media in Friedrichsdorf, die den Weihnachtsmarkt organisiert. Die Geschäftsführerin der Agentur, Brigitte Globig, ist am Mittwoch über die Polizei von dem Hackerangriff informiert worden.

Die Webseite sei im Jahr 2010 eingeführt worden. Inzwischen gebe es aber eine neue Internetseite. Noch am vergangenen Sonntag wurde auf der offenbar gehackten Seite für den 2014er Weihnachtsmarkt geworben. Der Friedrichsdorfer Weihnachtsmarkt soll in diesem Jahr vom 18. bis 20. Dezember stattfinden.

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