Teilnehmer der Pulse of Europe Kundgebung am Fastnachtssonntag
Bei der "Pulse of Europe"-Kundgebung durften auch Verkleidungen am Sonntag nicht fehlen. Bild © hessenschau.de

Die Angst vor dem Niedergang des europäischen Gedankens treibt seit Wochen Tausende in Frankfurt auf die Straße. Am Fastnachtssonntag versetzte der "Pulse of Europe" dem bunten Treiben eine ernste Note.

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Am Sonntag standen die Europafreunde bei bestem Frühlingswetter ein wenig im Schatten der Frankfurter Karnevalisten. Der traditionelle Fastnachtsumzug lockte Zigtausende in die Innenstadt, die blaue Menschentraube auf dem Goetheplatz ging inmitten des Trubels beinahe unter. Dennoch verschafften sich mehr als tausend Teilnehmer so gut es ging Aufmerksamkeit - viele von ihnen trugen Europa-Fahnen. "Es ist wichtig, dass wir auch heute hier stehen", rief Mitveranstalter Jens Pätzold der Menge zu.

Die "Pulse of Europe"-Bewegung hat mittlerweile ihren festen Platz in Frankfurt. Bereits zum siebten Mal trafen sich die Teilnehmer nun schon in der Stadt. Alles fing nach einem Aufruf im Bekanntenkreis der Initiatoren Sabine und Daniel Röder mit etwa 200 Interessierten an. Mittlerweile schwappte die Bewegung auch in 20 andere Städte über: In Wiesbaden, Berlin, München und neuerdings sogar auch in Paris geht es jeden Sonntag um 14 Uhr für die europäische Idee auf die Straße. Und damit soll noch lange nicht Schluss sein.

Bewegung nimmt in ganz Europa an Fahrt auf

"Wir sind mitten im Schwung, haben so viele Städte in den Startlöchern", sagt Sabine Röder hessenschau.de. Derzeit stünde sie mit mindestens 15 weiteren Städten unter anderem aus Österreich, Portugal und Großbritannien in Kontakt, die "Pulse of Europe"-Kundgebungen planten. Auch im Osten der Republik sollen an den kommenden Sonntagen erste Veranstaltungen stattfinden.

Für das in Frankfurt lebende Ehepaar Röder ist die Organisation der Bewegung, an der am Goetheplatz stets mehrere hundert Menschen teilnehmen, ein Rund-um-die-Uhr-Job neben dem eigentlichen Beruf. Sie verrichten ihn trotzdem gerne, denn "die Rückmeldungen von den Menschen sind so großartig", wie Daniel Röder sagte. "Alle kommen, alle wollen helfen."

Ein Puls gegen den Rechtsruck

Tatsächlich ist es ein Querschnitt der Bevölkerung, der Woche für Woche dem Aufruf der Röders und ihrer Mitstreiter folgt, die mit dem "Pulse of Europe" einen "Beitrag für ein vereintes, demokratisches Europa" setzen wollen. Gerade mit Blick auf die anstehenden Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sei dies unerlässlich, so Sabine Röder.

Die Niederlande wählen im März ein neues Parlament. Dort werden dem Rechtspopulisten Gerd Wilders gute Chancen zugerechnet. Und in Frankreich könnte Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National im April zur Präsidentin gewählt werden.

Keine Reden, dafür gegenseitige Helaus

Zumindest bis zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich sollen Kundgebungen in ihrer derzeitigen Form fortgesetzt werden. Danach wollen sich die Initiatoren womöglich auf ein neues Format des "Pulse of Europe" einigen. Sabine Röder glaubt, dass "so eine Bewegung nicht folgenlos bleibt: Dass die Umfragewerte von Wilders in den Niederlanden dramatisch zurückgehen, ist super."

Viele politische Botschaften konnten die Initiatoren inmitten des Fastnachts-Trubels am Sonntag allerdings nicht transportieren. Stattdessen feierten die Teilnehmer ihre eigene Party in Europa-Blau. "Wir wollten bewusst kein Gegenprogramm zum Umzug starten", sagte Sabine Röder. "Trotzdem wollten wir ein Zeichen setzen, indem wir uns hier versammeln." Das wurde von den Fans der "fünften Jahreszeit" offenbar sehr positiv aufgenommen: "Viele haben uns von den Wagen aus zugerufen, dass wir weitermachen sollen. Es gab gegenseitige Helaus, das war sehr schön."

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Kundgebung von Pulse of Europe in Frankfurt

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