Konvertiten Islam Christentum
Bahram aus dem Iran (links) ist zum Christentum konvertiert. Tariq aus Afghanistan (rechts) hat in der Frankfurter Lukaskirche Kirchenasyl. Die Nächstenliebe beeindruckt ihn - vielleicht lässt er sich auch taufen. Bild © hr

Den Ostersegen in der evangelischen Lukaskirche in Frankfurt empfangen auch Shahin und Bahram, zwei Flüchtlinge aus dem Iran. Sie sind zum Christentum konvertiert - und haben damit ein großes Risiko auf sich genommen.

Shahin und Bahram waren bis vor kurzem Muslime (ihre Namen wurden geändert). Bei dem 19-jährigen Shahin ist die Taufe noch ganz frisch. Pfarrer Volker Mahnkopp von der evangelischen Lukaskirche im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen hat ihn erst vor fünf Monaten getauft. Beim 29-jährigen Bahram hingegen ist die Taufe schon anderthalb Jahren her.

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Die beiden jungen Männer sind aus dem Iran geflohen. Sie sind Freunde, sie teilen sich ein Zimmer in einem Hotelheim und warten, dass ihr Asylantrag bearbeitet wird. Sie wissen nicht, ob sie in Deutschland bleiben können - im Christentum aber haben sie schon eine Art Heimat gefunden. Doch genau das birgt für sie auch Gefahren. "Taufe ist auch ein Risiko", sagt Pfarrer Mahnkopp.

Das eigene Leben und das der Mutter in Gefahr

Und Bahram erklärt: "Wenn ich jetzt in den Iran zurückkehren würde und dort sage, dass ich Jesus liebe, sie würden mich umbringen." Auch seine Mutter, die noch im Iran lebt, würde massiver Gefahr ausgesetzt sein, wenn herauskäme, dass er in Deutschland getauft ist, sagt Bahram. Für ihn bedeutet die Taufe: Keine Rückkehr in den Iran, kein Wiedersehen mit seiner Mutter. Alles undenkbar ab jetzt.

Sechs Jahre lang war der heute 29-Jährige im Iran schon in einer christlichen Untergrundkirche aktiv, bis er floh. Die Bibel im Kleinstformat immer am Herzen in seiner Jackentasche. Auch im Iran haben sie Gottesdienst gehalten mit einem niederländischen Pastor. Von Woche zu Woche woanders, um die Miliz zu irritieren - bis es nicht mehr weiterging. Am Ende verlor der Buchhalter in einem Autokonzern seine Arbeit. Er musste fliehen.

"Der Islam war mir zu pessimistisch - ich habe nur geweint"

Früher sei er gläubiger Muslime gewesen, doch der Islam sei ihm zu pessimistisch, zu deprimierend gewesen. "Ich habe immer nur geweint", sagt Bahram. Als er die ersten Geschichten in der Bibel gelesen habe, sei er fasziniert von Jesus gewesen, sagt er, von diesem Jesus, der sogar auf seine Feinde zugeht, anstatt sie einfach zu töten. Bahram mag die Haltung, mit der Jesus Menschen begegnet. Er besucht jetzt jeden Sonntag den Gottesdienst in der Lukaskirche. Er fühlt sich wohl in der Gemeinschaft, hier werde er respektiert, hier könne er alle seine Probleme vergessen. sagt Bahram.

Shahins Wunsch: Dazugehören

Ähnlich ist es bei Shahin. Im vergangenen November sei er mit dem Wunsch getauft zu werden auf ihn zugekommen, sagt Pfarrer Mahnkopp. Zuerst sei er etwas irritiert gewesen, sagt der Pfarrer. In langen Gesprächen mit ihm habe er dann aber den besonders starken Wunsch der Taufe des 19-Jährigen und seine Ernsthaftigkeit verspürt. "Wenn ich das richtig verstanden habe, ist es der Wunsch, dazuzugehören", sagt Pfarrer Mahnkopp.  

Shahin will Fußballer werden - vielleicht damit auch sein Geld verdienen. Gerade hat er es zwar mit dem Meniskus zu tun, aber der Iraner gibt sich zuversichtlich. Über seine Taufe spricht er nicht so gerne. Er hat Angst, dass seine Schwester im Iran vielleicht eines Nachts auf offener Straße gekidnappt werden könnte - weil er jetzt getaufter Christ ist.

Die beiden jungen Männer nehmen ein großes Risiko auf sich. Für sich, für ihre ganze Familie. Ein Bekenntnis durch Taufe will also wohl überlegt sein.

Tariqs Geschichte: Erst Kirchenasyl, dann die Taufe?

Auch mit Tariq hat sich Pfarrer Mahnkopp lange unterhalten. Auch der 21-Jährige aus Afghanistan überlegt, sich taufen zu lassen. Eines Tages stand er vor der Lukaskirche und wusste nicht mehr weiter. Er bat Pfarrer Mahnkopp um das so genannte Kirchenasyl.

Kirchenasyl ist kein Rechtsbegriff, sondern es bezeichnet eine Art Stillhalteabkommen zwischen einer Kirche und dem Staat. "Wir, die Kirche, haben ein anderes Verständnis von Schutz als der Staat, gerade aufgrund unserer Vergangenheit in Nazi-Deutschland", sagt der Pfarrer.

Alternative: Abschiebehaft

Seit vier Monaten hat Tariq Kirchenasyl in der Lukaskirche. Die Alternative für ihn wäre: Abschiebehaft. Tariq wohnt in einem kleinen Zimmer, kann sich in der Kirche zwar frei bewegen, aber verlassen darf er sie auf gar keinen Fall. Nicht einen Schritt über die Schwelle der Kirche darf er machen. Denn dann kann er sofort festgenommen werden.

Nach zwölf Monaten Kirchenasyl könnte sich das für ihn verändern. Dann hat er die Möglichkeit, in Deutschland Asyl zu beantragen.

Von christlicher Nächstenliebe überwältigt

Die Gemeinde kümmert sich um Tariq. "Ich habe allein drei Lehrer, die mir Deutsch beibringen", sagt er. "Ich bekomme häufig Besuch. Mir geht es gut. Ich fühle mich sehr wohl hier." Gemeindemitglieder kommen mehrmals täglich, um ihn zu versorgen, bringen Kuchen, spielen Tischfußball mit ihm.

Tariq ist überwältigt von der Zuwendung, die er hier in der Maria-Magdalena-Gemeinde erfährt. Was ihm am Christentum so gefällt: die Nächstenliebe. Die hat er so noch nicht erfahren, sagt Tariq.

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