Flüchtlinge mit Handy
Das Handy ist für Flüchtlinge die Verbindung zur Welt. Bild © picture-alliance/dpa

Handys sind für Flüchtlinge die wichtigste Verbindung zu Angehörigen - und ein hoher Kostenfaktor, weil freies WLAN in Notunterkünften meist fehlt. Ein Verein in Frankfurt spendiert nun Router. Doch damit allein ist das Problem nicht gelöst.

Vor einem Jahr kam Familie Al-Sagheer mit ihren fünf Kindern aus Syrien über das Mittelmeer nach Deutschland. Vieles haben sie zurückgelassen, nicht aber ihre Handys. In gebrochenem Deutsch zählt Mutter Oula auf, wobei ihnen die Mobiltelefone in Deutschland helfen: "Wir suchen auch eine Wohnung, und ich lerne auch Deutsch im Internet, und ich schaue auch News von Syrien." Nicht zuletzt bietet das Handy die einzige Möglichkeit, mit ihren Eltern und den vielen Verwandten in Kontakt zu bleiben.

Für Flüchtlinge ist das Handy ihre Verbindung zur Welt. In dem bisschen Besitz, den sie retten konnten, findet sich bei vielen daher wenigstens ein Mobiltelefon. Zum Problem werden aber schnell die Kosten für die Netzverbindung.

Router durfte erst nach zwei Wochen aufgestellt werden

In vielen Flüchtlingsunterkünften gibt es kein freies WLAN. Das zu ändern, hat sich der bundesweite Verein Freifunk vorgenommen. Der Piraten-Politiker Manfredo Mazzaro, einer der Freifunker in Frankfurt, sagt: "Ein guter Teil des Geldes, das Flüchtlingen zur Verfügung steht, geht fürs Handy drauf."

Abhilfe haben die Freifunker jetzt in der Notunterkunft in der Sporthalle Süd in Frankfurt-Sachsenhausen geschaffen. Dort leben bis zum Ende der Sommerferien rund 50 Flüchtlinge. Für 30 Euro besorgten die Freifunker einen Router und stellten ihn dort auf. In zehn Minuten hatten sie das Geld über Spenden zusammen, wie Mazzaro berichtet.

Doch bis die Flüchtlinge das WLAN nutzen konnten, vergingen noch einmal zwei Wochen. So lange brauchten die Freifunker nach eigener Aussage, um die Bedenken des Betreibers der Unterkunft zu zerstreuen. Das Deutsche Rote Kreuz habe sich um einen Missbrauch des freien Netzes durch illegale Downloads von außen gesorgt.

Lösung für Problem der Störerhaftung

Dieses Problem der sogenannten Störerhaftung lösten die Freifunker, indem sie den Datenverkehr über eigene Server laufen lassen und den Router schützen, wie der Frankfurter Vereinsvorsitzende Christof Schulze erklärt. Die Freifunker sind nach eigener Aussage im Gespräch mit dem Frankfurter Sozialdezernat, damit sie auch in anderen Flüchtlingsunterkünften in der Stadt freies WLAN einrichten können.

Über freies WLAN in ihrer Unterkunft hätte sich die Familie Al-Sagheer gefreut. Mutter Oula kommuniziert viel per WhatsApp, über 200 Nachrichten am Tag kommen da schon mal zusammen, sagt sie. Auch ihre Töchter informieren sich ständig im Internet. Das kostet. Vor kurzem ist die Familie in eine eigene Wohnung gezogen. Dort kann sie ein eigenes WLAN einrichten.

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