Fulda Moschee
Die Sunnah-Moschee ist in eine frühere Lagerhalle in Fulda gezogen. Bild © Volker Siefert (hr-iNFO)

Eine Moscheegemeinde in Fulda radikalisiert nach Einschätzung des Innenministeriums junge Muslime. Sie sollen offenbar zum bewaffneten Kampf in Syrien bewegt werden. Im Fokus steht nach hr-iNFO-Recherchen ein der Moschee angeschlossener Verein.

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Gerade erst ist die Moscheegemeinde umgezogen - aus einer ehemaligen Bäckerei in eine frühere Lagerhalle in Fulda. Mit Tesa-Streifen ist der Zettel "Sunnah Moschee" auf die Mauer geklebt. Zum Freitagsgebet kommen etwa 50 Gläubige, darunter viele junge Männer, auch ein paar Teenager.

Dem Reporter wird zu verstehen gegeben, dass er nicht willkommen ist. Auch auf eine schriftliche Anfrage von hr-iNFO macht die Gemeinde keine konkreten Angaben.

Innenministerium: "Salafistisch beeinflusst"

Die Sunnah-Moschee ist auch dem Landes-Innenministerium ein Begriff. Es stuft die Gemeinde und den angeschlossenen Verein "Muslime Fulda e.V." als "salafistisch beeinflusst" ein. Der Vorstand des Vereins versucht demnach, Gemeindemitglieder mit salafistischem Gedankengut zu indoktrinieren.

"Letztlich wollen sie damit junge Muslime dazu bewegen, in den bewaffneten Jihad zu ziehen", erklärt ein Ministeriumssprecher. Allerdings sind den Behörden bislang keine Ausreisen nach Syrien aus dem Umfeld der Fuldaer Moscheegemeinde bekannt.

Koran-Verteilungen in der Innenstadt

Dafür sind die Gemeinde und der Verein in Fulda selbst umso aktiver. Die Facebook-Seite der Sunnah-Moschee verrät einiges über ihre Ausrichtung: So findet sich dort etwa ein Video eines einschlägig bekannten Predigers aus Berlin, der dort vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Auf ihrer Homepage bietet die Gemeinde Islamseminare und einen Kindertreff an. Schulklassen sind eingeladen, die Moschee zu besuchen.

Auch mitten in der Fuldaer Innenstadt werben die Moschee und der Verein für ihre Auslegung des Islam. Laut Innenministerium veranstalten sie seit 2011 Koranverteilungen im Rahmen der so genannten LIES-Kampagne. Die Verteil-Aktionen der bundesweiten LIES-Kampagne gelten als ein möglicher Weg in die Radikalisierung von Muslimen. Dem Bundesverfassungsschutz liegen Hinweise auf Menschen vor, die zunächst an Koran-Verteilaktionen in Deutschland teilgenommen hatten, um sich danach an den Kämpfen in Syrien zu beteiligen.

Verein weist Vorwurf zurück

Die Gemeinde nahm zu alledem bis zur Veröffentlichung dieses Berichts nicht Stellung. Per Mail kam die kurze Antwort, man wolle sich nicht äußern. Nach Veröffentlichung des Berichts am Montag teilte der Verein "Muslime Fulda" mit, der Vorwurf, man wolle junge Muslime zum bewaffneten Kampf in Syrien bewegen sei falsch. "Bei unseren Aktivitäten bewegen wir uns stets innerhalb des hier geltenden Rechts und gefährden dabei in keinster Weise die Ordnung, Sicherheit und Stabilität in diesem Land."

Die Stadt Fulda hatte auf hr-iNFO-Anfrage erklärt, sie habe keine rechtliche Möglichkeit, die Koran-Verteilstände des Vereins zu verbieten. "Sondernutzungen können nicht verboten werden, solange keine schwerwiegenden Gründe für eine Ablehnung vorliegen", heißt es. Letztmals wurde ein Stand im Januar 2016 genehmigt. In anderen Städten bewertet man das offenbar anders. So sind die Stände der LIES-Kampagne etwa in Frankfurt und Wiesbaden schon seit längerem nicht mehr genehmigt worden.

IS-Kämpfer kehrt nach Deutschland zurück

Die Radikalisierung junger Männer stellt die Sicherheitsbehörden vor große Herausforderungen. Erst am Freitag wurde am Frankfurter Flughafen ein 22-Jähriger festgenommen, der aus Syrien zurückkehrte. Er gilt als Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Sogar an Universitäten finden sich offenbar Unterstützer des IS. Ein Darmstädter Doktorand warb in einem Video für die Terrororganisation und wurde später festgenommen.

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