Rassisten-Symbol auf dem Deportations-Mahnmal am EZB-Gelände
Rassisten-Symbol auf dem Deportations-Mahnmal am EZB-Gelände Bild © Martin Kliehm

Spray-Attacke auf die Gedenkstätte für mehr als 10.000 ermordete Frankfurter Juden: An der EZB ist eine Mauer mit einem rechtsextremen Symbol beschmiert worden. Oberbürgermeister Feldmann reagierte empört.

Der Kreis mit dem griechischen Buchstaben Lambda im Inneren ist das Symbol der rechtsextremen "Identitären Bewegung". Seit Wochen taucht es vermehrt auf Unterführungsmauern oder Brückenpfeilern nahe dem Mainufer im Frankfurter Ostend auf.

Lambda-Kreis und "IB"-Kürzel

Nun haben Unbekannte damit an der Europäischen Zentralbank (EZB) das Mahnmal zum Gedenken an mehr als 10.000 deportierte und ermordete Juden beschmiert.

Der oder die Täter hinterließen außer dem Kreis mit dem Lambda, das für den Kampf der Spartaner gegen die Perser steht, auch die Abkürzung "IB". Sie sprühten die Botschaft auf eine Betonwand des öffentlich zugänglichen Teils der Gedenkstätte.

Politiker verurteilen Schmiererei

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) verurteilten die Schmiererei. " Dieser Ort hat die Aufgabe, sichtbar zu machen, wie gefährdet unsere demokratische Gesellschaft sein kann", erklärten sie. "Wir werden ihn verteidigen gegen Ignoranz, rechte Verunglimpfung und Vandalismus."

Ein Foto, das die Hinterlassenschaft der Sprayer dokumentiert, hat der Frankfurter Stadtverordnete Martin Kliehm (Linke) via Twitter veröffentlicht. "So etwas an einem Shoa-Denkmal ist schon eine ziemliche Provokation", sagte er hessenschau.de.

Die Stadt teilte auf Twitter mit, die EZB wolle die Schmierereien entfernen lassen. Dies sei wegen der Beschaffenheit des Untergrunds aber schwierig.

Zusammengetrieben, deportiert, ermordet

Das erst vor fünf Monaten eröffnete Mahnmal erinnert an die Opfer der Deportationen, die in Frankfurt 1941 begannen. Die Menschen waren zunächst im zum Sammellager umfunktionierten Keller der damaligen Großmarkthalle zusammengepfercht worden, der heute Teil des EZB-Gebäudes ist.

Aus dem Keller trieben Gestapo-Leute die Juden zurück in Züge, die zu den Gettos und Vernichtungslagern fuhren. Kaum jemand unter den Deportierten überlebte.

Hohe Sicherheit innerhalb der Gedenkstätte

Anti-rassistisches Saubermachen: Ein Mann entfernt die Schmiererei an der Deportations-Gedenkstätte.
Anti-rassistisches Saubermachen: Ein Mann versucht, die Schmiererei an der Deportations-Gedenkstätte zu entfernen. Bild © Gaby Beck/hr

Besprüht wurde nun die Wand vor einer hohen Sicherheitsglasscheibe, die den Zugang vom öffentlichen Weg auf das EZB-Gelände mit dem Großmarktkeller als Kernstück der Gedenkstätte abriegelt. Besuche dort sind nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen und vorheriger Anmeldung möglich.

Die Schmiererei beschäftigt auf Kliehms Initiative hin auch die Polizei. Die Aussicht, die Schuldigen zu finden, ist nicht groß. "Da muss man die Täter in der Regel auf frischer Tat ertappen", sagte ein Polizeisprecher zu hessenschau.de. In der Gegend rund um die EZB, am Mainufer und in einem Skaterpark wimmele es nur so von Graffiti jedweder Art. "Die Rechten treiben auch ihr Unwesen."

Sie tun es offenbar immer mehr. Das zeigen neuere Sprühbotschaften wie "No Islam" oder "Wer Deutschland nicht liebt, ist ein Hurensohn", die seit Wochen häufiger in der Gegend zu sehen sind. Nun ist das antisemitische Signal hinzugekommen.

Völkisch, islamfeindlich

Die "Identitäre Bewegung Hessen" hat sich auf ihrer Facebookseite von der Tat distanziert. Symbole zu sprühen gehöre "nicht zu unseren Protestformen". Zudem lehne man Antisemitismus grundsätzlich ab.

Die "Identitäre Bewegung" ist Teil der sogenannten "neuen Rechten" und kein rein deutsches Phänomen. Sie hat ihren Ursprung in Frankreich. Die Bewegung ist über Facebook-Gruppen organisiert.

Wie Pegida sieht sie die "Identität" der Nation in der modernen Welt gefährdet - durch das Fremde im allgemeinen und den Islam im besonderen. Verlässliche Zahlen über Mitglieder und Sympathisanten gibt es nicht. Die Zahl der Anhänger in Frankfurt hält Linken-Politiker Kliehm noch für überschaubar.

@Polizei_Ffm @Stadt_FFM Ich habe gestern auch im 5. Pol. angerufen. IB in Frankfurt sind anscheinend nur wenige, aber ihre Tags nerven.

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