Labormaus wird für Tierversuch vorbereitet.
Eine Maus wird im Labor für einen Versuch vorbereitet. Bild © picture-alliance/dpa

Hessen will weniger Tierversuche. Dazu unterstützt das Land zwei Lehrstühle für Tierschutz, die Alternativen zu den Versuchen erforschen sollen. Die Regierung macht dafür zwei Millionen Euro in den kommenden Jahren locker. Ein Ende der Versuche ist aber trotzdem nicht in Sicht.

Die beiden neuen Professuren an den Universitäten in Frankfurt und Gießen sollen sich ab dem Jahr 2016 dem Tierschutz widmen. Insgesamt kommt vom Land eine Anschubfinanzierung in Höhe von zwei Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren, wie Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) am Donnerstag in Wiesbaden ankündigte. Zusätzliches Geld geben die Hochschulen und Stiftungen.

Ziel der Professuren ist es, zu erforschen, wie das Leid von Versuchstieren vermindert werden kann. Zudem sollen alternative Testverfahren zu Tierversuchen entwickelt werden. Wissenschaftsminister Rhein sagte, in vielen Fällen sei es sogar möglich, Studien an Tieren zu ersetzen. So will die Goethe-Universität Alternativen zu Tierversuchen entwickeln, etwa mithilfe von künstlichen Zellkulturen.

In Gießen soll der Forschungs-Schwerpunkt darauf liegen, das Leid der Tiere zu reduzieren, die unabdingbar in Versuchen eingesetzt werden müssen, zum Beispiel bei der Entwicklung von Arzneimitteln. Dort werden die Fördergelder auf zwei Professuren in der Tier- und Humanmedizin verteilt. In Gießen gibt es seit längerem eine Professur für Tierschutz, die derzeit aber unbesetzt ist. Auch die Uni Marburg kooperiert bei den Forschungen zur "Optimierung" von Tierversuchen.

Verringern, verbessern, vermeiden

Im Koalitionsvertrag haben sich CDU und Grüne eine Reduzierung von Tierversuchen zum Ziel gesetzt. Außerdem sollen die Versuche langfristig durch alternative Verfahren ersetzt werden.

An Hessens Hochschulen ist die Zahl der Tierversuche von 676 (2010) auf 526 (2013) gesunken. Die Zahl der verbrauchten Tiere ging von knapp 61.000 auf 48.000 zurück, wie die Regierung zuletzt im Frühjahr auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Ursula Hammann berichtete. Die meisten Versuchstiere sind Mäuse, Ratten, Kaninchen oder Fische. Aber auch Katzen, Hunde, Schweine oder Affen sind darunter.

Auf dem Weg zu weniger Tierversuchen ist Hessen auch der EU-Tierschutzrichtlinie von 2010 verpflichtet, die bei Versuchen das Prinzip "Verringern, Verbessern, Vermeiden" verlangt. "Nicht jeder Tierversuch ist per se grausam", gab die Frankfurter Unipräsidentin Birgitta Wolff zu bedenken. Sie verwies auf moderne bildgebende Verfahren in der Wissenschaft. Ihr Gießener Kollege Joybrato Mukherjee meinte, dass es zumindest in der Arzneimittelforschung auch langfristig nicht ohne Tierversuche gehen werde.

Linke sieht Schritt in richtige Richtung

Die Linken-Fraktion im Landtag begrüßte die Schaffung der Professuren ausdrücklich, zweifelte aber daran, dass zwei Millionen Euro als Fördermittel tatsächlich ausreichen könnten. "Wir brauchen ein verbindliches Gesamtkonzept zum zeitnahen Ausstieg aus den Tierversuchen", sagte die tierpolitische Sprecherin Barbara Cárdenas.

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