Parkplatzschild mit der Aufschrift "Schulleitung".
Hier könnte Ihr Wagen stehen - wenn Sie Lehrer sind und zukünftig, wenn sie die Fortbildungsmaßnahme des Landes absolviert haben. Bild © picture-alliance/dpa

Erst der Posten als Schulleiter, hinterher vielleicht die passende Fortbildung: Damit soll an hessischen Schulen bald Schluss sein. Das Kultusministerium will Lehrer mit Chef-Ambitionen auf den Job vorbereiten - und testen.

Lehrer, die in Hessen Schulleiter werden wollen, sollen in Zukunft dafür vorab qualifiziert werden. Das gab Kultusminister Alexander Lorz (CDU) am Montag in Wiesbaden bekannt. Bisher können sich die Kandidaten auf den Chefposten bewerben und nach dem Amtsantritt - wenn sie wollen - Qualifizierungsmaßnahmen in Anspruch nehmen.

Die Berufserfahrung sei bisher ein starkes Kriterium bei der Auswahl der Schulleiter, sagt ein Sprecher des Kultusuministeriums hessenschau.de, die Ausbildung erfolge mehr nach dem Motto "Learning by doing". Mit der neuen Maßnahme sollen folglich auch jüngere Kandidaten Zugang zu den Posten erhalten.

Mehr Plätze als benötigt

Bis zu 250 Lehrer können jedes Jahr die mehrtägige Fortbildung durchlaufen, müssen sich aber darauf bewerben. Rund 500 Menschen hätten bei Info-Veranstaltungen Interesse gezeigt, sagte Lorz. Etwa 150 neue Schulleiter-Posten werden jedes Jahr neu besetzt. Aber es sei ja nicht gesagt, dass alle Teilnehmer auch die Fortbildungsmaßnahme bestehen oder alle sofort Schulleiter werden wollen, ergänzte der Sprecher. An einem Pilotprojekt in Mittelhessen nahmen 32 Lehrer teil - 26 von ihnen bestanden dann auch den dreitägigen Eignungstest.

Wolfgang Greilich, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, nannte es "erstaunlich", dass es auf einmal genügend Interessenten für Schulleiterstellen geben solle. "Speziell die Berichte aus den Grundschulen, aber auch aus weiterführenden Schulen, sprechen eine ganz andere Sprache." Er warf Lorz vor, das Problem "wegzudiskutieren". CDU-Bildungsexperte Armin Schwarz nannte die Maßnahme dagegen einen "wegweisenden Schritt für die Qualitätsentwicklung an den hessischen Schulen".

Schneller und effektiver

Lehrer, die an der Maßnahme teilnehmen, sollen zunächst einen "kleinen Vorteil" bei der Bewerbung auf einen Chefposten haben, sagte der Sprecher des Kultusministeriums. In etwa vier bis fünf Jahren soll die Teilnahme aber zur verbindlichen Voraussetzung werden. "Dies ist auch ein Beitrag, um das Besetzungsverfahren zu beschleunigen und effektiver zu machen", sagte Lorz. In der Fortbildung geht es unter anderem um "Kommunikation", "Schulrecht", "Schulbudget" und um "Die ersten 100 Tage an einer neuen Schule". Sie richten sich an Lehrer aller Schulformen.

Bei der Konzeption der über ein Jahr verteilten Fortbildungsmaßnahmen hat sich das Land an ähnlichen Modellen in Nordrhein-Westfalen und Sachsen orientiert.

Sendung: hr-iNFO, 19. Juni 2017, 15 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren