Das Messgerät steckt in Fahrradanhänger:  Tobias Riedl (links) von Greenpeace zeichnete Stickoxid-Belastung in Frankfurt auf
Unterwegs mit dem Messgerät: Tobias Riedl (li.) von Greenpeace hat die Stickoxid-Belastung in Frankfurt gemessen. Bild © Frank Angermund

Das Messgerät steckt im Fahrradanhänger: Greenpeace lässt derzeit in Großstädten die Belastung durch schädliches Stickoxid messen. In der Frankfurter Innenstadt sind die Werte zum Teil sehr hoch.

Tobias Riedl von Greenpeace kommt am Dienstag auf einem Fahrrad mit Kinderanhänger zum Hessischen Rundfunk. In dem Anhänger befinden sich ein Messgerät für Stickoxide und ein Laptop. Über einen Schlauch am Lenker wird die Luft des Frankfurter Straßenverkehrs eingesaugt und zum Messgerät geleitet. Der Computer zeichnet die Daten auf.

Greenpeace will beim Test in elf deutschen Großstädten zeigen, wie hoch die Belastung durch das Reizgas in den Innenstädten ist. Und zwar dort, wo die Menschen unterwegs sind. "Das NO2 geht vor allem auf die Atemwege. Aber man bekommt auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und es kann zu vorzeitigen Todesfällen führen", erklärt der Verkehrsexperte der Umweltorganisation. Als NO2 bezeichnet man das giftige Gas Stickstoffdioxid.

Grenzwerte werden überschritten

Riedl steigt auf sein Rad und fährt vom hr zunächst Richtung Frankfurter Börse. Dabei werden ständig Messungen durchgeführt. An der Alten Oper wartet Denis Pöhler vom Institut für Umweltphysik der Uni Heidelberg auf ihn. Er kann anhand der Daten eine erste Analyse der Stickoxidbelastung in der Frankfurter Innenstadt liefern. Ein Blick auf den Laptop und er stellt fest, dass die Grundbelastung in Frankfurt bereits so hoch ist wie der Jahresgrenzwert. Der beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft.

"Während der Fahrt gab es noch extrem höhere Werte, bis zu 230 Mikrogramm", erklärt Pöhler. Der Stundengrenzwert liegt bei 200 Mikrogramm. Der darf im Jahr nur 18 Mal überschritten werden. Das passiert in Hessen laut Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie nur an der Hügelstraße in Darmstadt. 

Kamera zeigt nicht nur Lkw mit hohem Ausstoß

Am Lenker von Riedls Rad steckt eine kleine Kamera. Die zeichnet die Fahrt auf. Dadurch kann beim Datenabgleich genau gesehen werden, welche Fahrzeuge einen besonders hohen NO2-Ausstoß haben. Hauptverursacher von Stickoxiden sind Dieselmotoren. Pöhler fällt auf, dass nicht nur Lkw für hohe Werte verantwortlich sind, sondern auch moderne Diesel-Pkw.  "Wenn wir die Leistung eines kleinen Dieselfahrzeugs im Verhältnis zu einem Lkw betrachten, sind wir doch öfters erstaunt, dass ein Pkw oft in derselben Größenordnung ausstößt", sagt der Mitarbeiter der Uni Heidelberg. Moderne Lastwagen hätten bessere Abgasanlagen als die meisten Autos.

Um zu zeigen, dass das Messgerät im Fahrradanhänger genaue Daten liefert, geht es von der Alten Oper zur Friedberger Landstraße. Dort steht eine Messstation des Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Um einen Vergleichswert zu den Daten der Radtour zu bekommen, wird dort eine Stunde lang im Stand gemessen.

Stefan Jacobi vom Landesamt wartet bereits an der Messstation. Auch seine Station misst regelmäßig hohe Werte. Am Dienstagvormittag liegt die Konzentration bei rund 60 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft - also über dem zulässigen Jahresdurchschnittswert. "Ich bin davon überzeugt, man wird da handeln müssen. Unser Problem ist, dass entsprechende Maßnahme nicht kurzfristig zu erwarten sind." Neue Emissionsstandards für Dieselmotoren müssen zum Beispiel EU-weit festgelegt werden. Und selbst wenn die Hersteller ihre Fahrzeuge aufrüsten, würden immer noch viele alte Dieselmotoren über die Straßen fahren. 

Erstes Fazit: Großstädte haben NO2-Problem

Greenpeace-Mitarbeiter Riedl wird zusammen mit dem Team der Uni Heidelberg die Daten aus Frankfurt und den anderen Großstädten auswerten und im Laufe des Jahres veröffentlichen. Sein vorläufiges Fazit lautet: Frankfurt hat wie andere Städte ein NO2-Problem. Zu viele Autos seien auf den Straßen unterwegs. Die Verkehrspolitik müsse mehr auf den öffentlichen Nahverkehr, Radfahrer und Fußgänger setzen.

Dann steigt er wieder auf sein Rad und fährt Richtung Frankfurter Hauptbahnhof. Auf seiner Tour wird er noch in Wiesbaden und Mainz Messungen durchführen. Er erwartet dort ähnlich hohe Stickoxid-Belastungen wie in Frankfurt. "Jeder, der auf das Rad steigt, tut seinen Mitmenschen einen Gefallen", sagt er.

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