Alexandra Günther
In ihrem feuerroten Auto: Alexandra Günther Bild © Alexandra Günther

Mit 17 Jahren erhielt Alexandra Günther aus Seligenstadt die Diagnose Multiple Sklerose. Seit zehn Jahren schränkt die Krankheit ihr Leben ein. Etwa 8.000 Menschen in Hessen leiden an der unheilbaren Krankheit. Die hr-Weihnachts-Spendenaktion will ihnen helfen.

Ihr Auto hat sie "Millenium Falcon" getauft. Wie das Raumschiff aus dem Film "Star Wars".  Blinker, Scheibenwischer, Hupe und Licht steuert Alexandra Günther über einen großen Knopf am Lenkrad. Geschaltet wird mit einem Hebel. Darüber lässt sich auch die Geschwindigkeit des Wagens regeln. Die Beine braucht sie dafür nicht. Das ist gut so. Denn Alexandra Günther aus Seligenstadt hat Multiple Sklerose - kurz MS. Da ist es besser, mit den Händen alles im Griff zu haben. Denn die Krankheit greift bei ihr vor allem die Beine an.

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hr-Weihnachts-Spendenaktion: Multiple Sklerose

Die hr-Weihnachts-Spendenaktion 2016 unterstützt die Deutsche Multiple Sklerlose Gesellschaft (DMSG). Mit den Spenden will der hessische Landesverband einen neuen behindertengerechten Transporter kaufen. Hier finden Sie die Bankverbindung und weitere wichtige Infos zur Aktion.

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Ihr feuerrotes Auto erlaubt ihr ein fast normales Leben. Mit dem Wagen kann die 28-Jährige zu ihrer Arbeit in einem Offenbacher Architektenbüro fahren, sie kann den Supermarkt erreichen und ins Kino gehen, wann immer sie möchte. Unabhängig von Freunden oder ihrer Familie.

Als sie 13 Jahre alt war, deuteten erste Anzeichen darauf hin, dass sie an MS, dieser chronischen entzündlichen Erkrankung des Nervensystems erkrankt war. Mit 14 entzündeten sich ihre Sehnerven. "Das war so, als würde ich alles durch Milchglas sehen. Ich habe da nur verschwommen gesehen", erinnert sie sich. Hell. Dunkel. "Da bekommt man schon Angst."

Mit 17 dann die endgültige Diagnose: MS. Ein Schock für sie und für die Familie, erzählt ihre Mutter Cornelia Hildebrandt: "Im ersten Moment, wenn man über diese Krankheit nichts weiß, dann ist das wie ein Todesurteil. Wenn es dann auch noch das eigene Kind ist, bricht alles zusammen."

Irgendwann geht nichts mehr ohne Rollstuhl

Ein Todesurteil, das ist MS nicht. Aber eine Erkrankung, die sie mit der Zeit immer mehr einschränken wird, das weiß Alexandra Günther. Auch dass sie irgendwann dauerhaft im Rollstuhl sitzen wird: "In einer hoffentlich fernen Zukunft."

Einen Rollstuhl hat die 28-Jährige bereits. Den braucht sie, wenn sie auf Feste will oder wie demnächst zu einem Konzert. Dazu hat der Chef ihrer Abteilung eingeladen. "Ich bekomme dann ein Rollstuhlticket. Denn so lange stehen, das kann ich einfach nicht", sagt sie. Aber zu Hause bleiben, auf das Konzert verzichten, das will sie auf gar keinen Fall.

Die Krankheit zwingt Alexandra Günther manchmal in den Rollstuhl
Die Krankheit zwingt Alexandra Günther manchmal in den Rollstuhl Bild © Alexandra Günther

Alexandra Günther hat nicht die klassische MS, bei der die Entzündungsherde im Gehirn liegen. Bei ihr sind das Rückenmark und die Brustwirbelsäule betroffen. Jeder Schub, wie die Entzündungen bei MS genannt werden, betrifft damit ihre Beine. Nach dem letzten Schub konnte sie kaum noch laufen. Seit einiger Zeit kann sie die Füße nicht mehr gut heben, sie schlurft: "Das Kopfsteinpflaster in meiner Heimatstadt Seligenstadt ist da ein Graus", sagt sie. Beinschienen sollen helfen, den Fuß zu heben. Ihren bunten Gehstock hat sie immer dabei.

Der Traum von der eigenen Familie

"Den habe ich von Freundinnen bekommen", sagt sie, "ich mag das Blumenmuster auf dem Stock." Vollzeit arbeitet sie nicht mehr, aber fünf Stunden am Tag, das geht. Danach ist sie in ihrer Wohnnung, liest, trifft sich mit Freundinnen oder löst Kreuzworträtsel. "Das kann ich stundenlang machen", sagt sie. Ihr Tag ist ausgefüllt. Sie besucht auch eine Selbsthilfegruppe für junge MS-Kranke, kurz "HaMster" genannt. Einmal im Monat treffen sie sich. "Dann reden wir über alles mögliche und manchmal auch über unsere Krankheit."

Früher hat Alexandra Günther Volleyball gespielt, getanzt. Hatte einen Freund. Der verließ sie, weil er mit ihrer Krankheit nicht klar kam, erzählt sie. Ihr Traum: eine eigene Familie. Und ja auch das: eine wirksame Heilmethode gegen MS.  Sie lässt sich nicht unterkriegen: "Die MS hat es nicht leicht mit mir", steht es auf ihrem Armband. Alexandra Günther kämpft um ein normales, ein selbstbestimmtes  Leben.  

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