Bahnhof Gießen
Eine Polizeiwagen steht vor dem Bahnhof in Gießen. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Der Terror-Verdacht gegen einen in Gießen festgenommenen 28-jährigen Marokkaner hat sich nicht erhärtet. Die SMS auf seinem Handy sind wohl harmloser als angenommen.

Es gebe keinerlei belastbare Hinweise darauf, dass der in Gießen festgenommene Marokkaner etwas mit den Anschlägen von Brüssel zu tun habe, sagte eine Sprecherin der Bundesanwaltschaft am Samstag.

Gegen den 28-Jährigen war am Freitag beim Amtsgericht Gießen Haftbefehl wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz und Falschbeurkundung erlassen worden. Der Mann war am Donnerstagmorgen um 1.45 Uhr am Bahnhof in Gießen in eine Polizeikontrolle geraten.

SMS offenbar mit anderer Bedeutung

Vermeintlicher Name des Attentäters ist eine andere Person #lasttweet

Der ARD-Terrorexperte Holger Schmidt erklärte am Samstag auf Twitter, die in einem Mobiltelefon des Verdächtigen gefundenen SMS hätten wohl eine andere Bedeutung als zunächst angenommen. So sei der vermeintlich genannte Name eines der Attentäter eine andere Person.

In #Giessen festgenommer Mann hat wohl keine Bezüge zu den Attentätern. Belgische Ermittlungen ergaben "fin" in lat. Buchstaben = arab. "Wo"

Belgische Ermittlungen hätten zudem ergeben, dass "fin" in lateinischen Buchstaben auf arabisch "Wo" bedeute. Zunächst war angenommen worden, die Nachricht bedeute "Ende" oder "erledigt". Sie hatte den Mann am Tag der Anschläge von Brüssel Minuten vor der letzten Explosion erreicht.

Polizeigewerkschaft sieht sich bestätigt

Noch vor der neuen Wendung in dem Fall hatte die Gewerkschaft der Polizei (GdP) in der Festnahme des Verdächtigen in Gießen einen Erfolg der umstrittenen "verdachtsunabhängigen Kontrollen" gesehen.

"Die Bundespolizei braucht schlichtweg Rechtsinstrumente, um mit Sicherheitsschleiern auf Verkehrswegen effektiv fahnden zu können", erklärte GdP-Chef Jörg Radek am Samstag.

Die Festnahme des "Terrorverdächtigen" in Gießen durch die Bundespolizei sei nur wegen der Möglichkeit der verdachtsunabhängigen Kontrollen der Bundespolizei in Zügen und auf Bahnhöfen möglich gewesen.

"Hat nichts mit Racial Profiling zu tun"

Es sei "abstrus", den Beamten in Zusammenhang mit den Kontrollen "Racial Profiling" zu unterstellen, erklärte Radek. Kritiker monieren, dass im Rahmen der verdachtsunabhängigen Kontrollen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Hautfarbe zum Ziel von Polizeimaßnahmen werden. Das Vorgehen der Polizei habe "nichts mit 'Racial Profiling', sondern mit der Sicherheit aller Bürger zu tun", teilte der GdP-Vorsitzende mit.

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