Freimaurer Frankfurt
Can Demiroglu ist Mitglied der "Freimaurerloge zur Einigkeit" im Frankfurter Bahnhofsviertel. Bild © hessenschau.de

Alles geheim? Von wegen. Der 35 Jahre alte Can Demiroglu öffnet für hessenschau.de die Tür zu den Freimaurern im Frankfurter Bahnhofsviertel. Neben einem Tempel nutzen die Mitglieder hier eine Kegelbahn.

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Can Demiroglu öffnet das stählerne Tor zum Hinterhof der Hausnummer 37 in der Frankfurter Kaiserstraße. Durch einen Torbogen geht es zwischen einem Kosmetikstudio und einem noch geschlossenen Restaurant hindurch. Hier, mitten im Bahnhofsviertel, residiert die "Freimaurerloge zur Einigkeit".

Dieses Jahr feiert die Loge 275. Jubiläum, damit ist sie eine der ältesten Deutschlands. Demiroglu ist seit fünf Jahren dabei. Der 35-Jährige kam über seine Familie zur Freimaurerei. "Sie hat mir den Weg geebnet", sagt er.

Zusammenschluss "Suchender"

Demiroglu ist in Istanbul geboren und hat dort die deutsche Schule besucht, anschließend in Berlin studiert. Seit 2013 lebt der Ingenieur in Frankfurt. Sein Großonkel in der Türkei und dessen Kinder sind ebenfalls Freimaurer.

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Weltweite Bewegung

Die Freimaurer sind weltweit organisiert. In den USA zählen sie über eine Millionen Mitglieder. Die "Freimaurerloge zur Einigkeit" ist nach der "Fischer- und Schifferzunft" der zweitälteste noch bestehende Verein Frankfurts. In ihr sind Ärzte, Ingenieure aber auch Handwerker organisiert.

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Die Freimaurer sind ein Zusammenschluss "Suchender", wie Demiroglu es nennt. Etwa 15.000 Freimaurer soll es deutschlandweit geben. Ihr Ziel ist es, an der eigenen Person zu arbeiten und dadurch ein besserer Mensch zu werden. Als ihre Grundpfeiler nennen sie: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. "Zentrale Werte für ein friedliches gesellschaftliches Miteinander", sagt Demiroglu.

Mythen und Verschwörungstheorien

Bis heute gelten die Freimaurer als verschwiegen. Was in den Logen hinter verschlossenen Türen besprochen wird, bleibt vertraulich. Das bietet Anlass für Mythen und Verschwörungstheorien. Kritiker werfen ihnen Okkultismus vor, andere Geheimnistuerei. Die katholischen Kirche hält die Freimaurerei als unvereinbar mit ihrer Lehre. Demiroglu praktiziert keine Religion.

Den öffentlichen Vorwurf möglicher geschäftlicher Beziehungen untereinander weist der Freimaurer zurück: "Wir sind ein Gesprächszirkel zur Sinnsuche und nicht zur Karrieresuche." Es gebe intern klare Anweisungen, "Geschäftsmaurerei" zu unterlassen.

Logenhaus in der Kaiserstraße

Der 35-Jährige führt bereitwillig durch die Räume im Bahnhofsviertel. Er erzählt über die Historie des Vereins, der 1742 gegründet wurde. Prominente Alt-Mitglieder sind Struwwelpeter-Autor Heinrich Hofmann, der Bierbrauer Conrad Binding oder der Komponist Franz Liszt.

Freimaurerloge Tempel
Der sogenannte "Tempel" in der Freimaurerloge zur Einigkeit. Bild © hessenschau.de

Diese Historie spürt man bei einem Gang durch das mehr als 100 Jahre alte Gebäude: Der Festsaal ist stilistisch an den Neo-Rokoko angelehnt; im sogenannten Tempel, in dem die Freimaurer ihre Versammlungen abhalten, erinnern zwei weiße Säulen an die Bauweise antiker Gebetshallen; im Archiv liegt ein Brief Johann Wolfgang von Goethes.

Doch auch für Geselligkeit ist gesorgt: Im Keller steht eine Kegelbahn; etwas in die Jahre gekommen, aber funktionstüchtig. Demiroglu möchte die Werte der Loge an künftige Generationen weitergeben. Über mangelnden Zulauf könnten sich er und seine Brüder nicht beschweren.

Vertrauen entscheidet über Aufnahme

Etwa hundert Anfragen von interessierten Männern hätten sie derzeit, meint Demiroglu. In der Regel würden sich zwei Brüder zu einem Erstgespräch mit den Interessenten treffen. Sie fragen nach der Motivation der "Suchenden".

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Brüder und Logen

Die Mitglieder der Freimaurer bezeichnen sich gegenseitig als "Brüder". Das Wort Loge leitet sich aus dem Englischen "lodge" ab, übersetzt "Laube" oder "Hütte". Gemeint ist damit sowohl die Vereinigung als auch das Gebäude, in dem sich Freimaurer treffen.

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Dabei komme es nicht auf Glaube, Konfession oder politische Haltung an. "Es muss die Loge zum Mensch passen und der Mensch muss zur Loge passen", meint Demiroglu. Vertrauen sei entscheidend.

Dazu gehöre auch, dass die jungen Männer bereits die wichtigsten Weichen in ihrem Leben gestellt hätten. Gemeint sind vor allem: Arbeit und Studium. "Diese Sorgen muss man geklärt haben, damit man sich für andere Bedürfnisse interessieren kann", erklärt Demiroglu.

Gesellschaft alter Herren

Überzeugt der Interessent die Brüder, laden sie ihn zu einem der monatlichen Gästeabende ein. Dort müssen die Anwärter ein Jahr lang teilnehmen. Später entscheiden die 150 Mitglieder der Loge gemeinschaftlich über die Aufnahme. Jährlich treten etwa fünf bis zehn Männer ein.

Ungefähr 30 davon seien 35 Jahre oder jünger, schätzt Demiroglu. Das derzeit jüngste Mitglied sei 25 Jahre alt. Trotzdem räumt Demiroglu ein: Das Image der Freimaurer sei eher das einer "Gesellschaft alter Herrschaften". Demiroglu möchte das ändern. Er will den Freimaurern in Deutschland ein jüngeres Gesicht geben.

Frauen sind tabu

Frauen gibt es in der Loge zur Einigkeit nicht. Demiroglu wirkt zwiegespalten: Einerseits befürwortet er gemischte oder rein weibliche Logen; andererseits fühlt er sich in der "vertrauten Atmosphäre eines Männerbundes" durchaus wohl. So oder so prophezeit er der Freimaurerei mehr Frauen als aktuell.

Die Mitgliederzahlen der Logen in Deutschland seien über die vergangenen Jahre konstant, sagt Demiroglu. Aktiv um Interessenten werben die Freimaurer nicht: "Die Menschen, die Freimaurer werden wollen, müssen zu uns kommen."

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