Oberurseler Kita-Leiterin Ute Halberstadt
Oberurseler Kita-Leiterin Ute Halberstadt. Bild © Katharina Wilhelm (hr)

Weil sie nur standesamtlich und nicht kirchlich geheiratet hat, droht der Leiterin einer katholischen Kita in Oberursel der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Dabei wollen alle direkt Beteiligten, dass die beliebte Erzieherin bleibt. Nun soll der Papst helfen.

Ute Halberstadt ist eine junge Frau, an diesem warmen Augusttag trägt sie ein orange-rotes Ringelshirt, eine Kurzhaarfrisur und einen kleinen Nasenring. Sie bezeichnet sich selbst als sehr gläubigen Menschen: "Der Glaube spielt eine große Rolle in meinem Leben." Als Leiterin des katholischen Kindergartens und Horts St. Ursula in Oberursel (Hochtaunus) scheint sie da genau an der richtigen Stelle. Aber so einfach ist es nicht.

Die 39-Jährige sagt, natürlich vermittelten sie und ihr Team in der Kindertagesstätte christliche Grundwerte wie Nächstenliebe. Zu den katholischen Werten gehört allerdings auch, dass Paare, die zusammenleben, heiraten sollen - und zwar kirchlich. Nur dann wird die Ehe in der Kirche als vollwertig anerkannt. Genau deswegen gibt es seit Jahren Differenzen zwischen dem Bistum Limburg, der Gemeinde und der Kita-Leiterin: Ute Halberstadt ist zwar seit 2011 getraut, aber nur standesamtlich.

Frist für kirchliche Trauung bis zum Jahresende

Aus diesem Grund wurde ihr Vertrag als Leiterin befristet, wie Gemeindepfarrer Andreas Unfried erklärt. Man habe Halberstadt eine Frist von zwei Jahren eingeräumt, eine Art Bedenkzeit, um das "Hindernis" nicht-kirchlicher Eheschließung aus dem Weg zu räumen. Die katholische Kirche darf als Arbeitgeber diese Bedingung stellen, denn als sogenannter Tendenzbetrieb genießt sie Sonderrechte. So darf sie ihre Mitarbeiter verpflichten, sich der christlichen Lehre gegenüber loyal zu verhalten.

Bis zum Jahresende hätte Ute Halberstadt noch Zeit, vor den Traualtar zu treten - für sie ist das aber trotz des Bekenntnisses zu christlichen Werten keine Option. "Mein Mann will das zum einen nicht, und für mich ist es nicht notwendig. Ich würde es nur tun, um meinen Job zu behalten. Aber das kann es doch nicht sein", empört sie sich.

Elternbeirat zeigt sich erschüttert

Die Konsequenz: Halberstadts Vertrag läuft aus. Sie würde zwar Erzieherin bleiben, aber ihren Leitungsposten verlieren. In dem Fall will sie sich aber lieber einen neuen Job suchen. Das dürfte so schwierig nicht sein, gerade Führungspersonal für Kitas ist gefragt. Doch die Kindertagesstätte St. Ursula hätte ein Problem, wenn Ute Halberstadt geht. Denn sie ist dort sehr beliebt.

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Bei den Eltern der Kinder brodelt es. Elternbeirätin Bianca Cioce ist zutiefst erschüttert über die Regelung der Kirche, wie sie sagt: "Wir sind alle empört, weil Ute Halberstadt allen am Herzen liegt, den Kindern am Herzen liegt und wir von ihrer Arbeit überzeugt sind!" Der Wunsch der Eltern: "Wir würden sie gerne behalten." Die Eltern wollen nun einen Brief mit ihrer Bitte an die Gemeinde, ans Bistum und sogar an den Papst schicken.

Weitere Gespräche mit dem Bistum

Auch in der Gemeinde und in der Kindertagesstätte selbst hofft man, dass die Leiterin bleibt. Pfarrer Unfried berichtet, man habe gehofft, dass das zum 1. August gelockerte kirchliche Arbeitsrecht das Problem behebe. Seitdem sollen beispielsweise geschiedene Angestellte nicht mehr kündbar sein.

Doch es gibt Ausnahmen. Und die gelten offenbar auch für Ute Halberstadt. Denn Führungspersonal, erklärt der Pfarrer, sei von der Lockerung ausgenommen. Unfried fände den Abschied der Kita-Leiterin bedauerlich, sie sei als Fachkraft geschätzt. Noch liefen Gespräche auch mit dem Bistum über den Verbleib von Ute Halberstadt in der Kita St. Ursula.

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