Die Flüchtlingsunterkunft in Hofheim
Ein syrischer Flüchtling hinter dem Fenster der Hofheimer Unterkunft. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge ist vergangenes Jahr in Hessen sprunghaft gestiegen. Einer der Täter schoss mehrmals auf eine Unterkunft in Hofheim - und fand nun gnädige Richter.

Mit einer Gaspistole hatte ein 21-Jähriger im April des vergangenen Jahres zehn Schüsse auf eine Asylunterkunft in Hofheim (Main-Taunus) abgegeben - und die Bewohner in Angst versetzt. Dafür erhielt er vom Amtsgericht Frankfurt am Mittwoch eine Verwarnung.

Der Mann muss den am Fenster des Wohncontainers entstandenen Schaden von 650 Euro begleichen. Außerdem soll er 140 gemeinnützige Arbeitsstunden zu verrichten und sich in Therapie begeben.

"Dämliche Idee"

Der 21-Jährige hatte vor Gericht die Tat eingeräumt und gesagt, dass er sich schäme. Nach einem durchzechten Abend mit etlichen Bier und Wodka seien er und seine Kumpel auf die "dämliche Idee" gekommen, mit der Gaspistole zunächst auf Verkehrsschilder und dann auf den Container zu schießen. Politische Motive lägen aber nicht zugrunde.

Allerdings hatte die Staatsanwaltschaft bei der Anklageerhebung wegen Sachbeschädigung berichtet, in der Wohnung des jungen Mannes seien CDs mit rechtsradikaler Musik gefunden worden, NPD-Aufkleber und eine Broschüre mit dem Titel "Wollen Sie in unmittelbarer Nähe einer Asylbewerberunterkunft wohnen?".

Acht Vorstrafen, immer wieder im Zusammenhang mit Alkohol

Der Staatsanwalt hatte für den Angeklagten eine Bewährungszeit von zwei Jahren gefordert, nach deren Ablauf über eine Verurteilung entschieden werden solle. Er erinnerte an die "schwierige Situation der aus Kriegsgebieten stammenden Bewohner, wenn plötzlich Schüsse fallen und Löcher am Fensterrahmen zu sehen sind".

Vor Gericht wurden die acht Vorstrafen des 21-Jährigen erörtert, der immer wieder im Zusammenhang mit Alkohol straffällig geworden war. Gleichwohl verneinten Jugendhilfe und Gericht "schädliche Neigungen" und damit eine Jugendstrafe.

Innenminister alarmiert

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Insgesamt hat es in Hessen im vergangenen Jahr 67 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Nach registrierten sieben Vorfällen 2014 stieg die Zahl damit 2015 um fast das Zehnfache, wie Hessens Innenministerium Peter Beuth am Mittwoch mitteilte. Er und Vertreter der Landtagsfraktionen sprachen von einem alarmierenden Signal.

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