Die Zahl der Angriffe auf Flüchtlinge in Hessen scheint 2016 nicht abgenommen zu haben. Bis September zählten die Staatsanwaltschaften über 60 Fälle. Wo und wann dokumentieren wir in einer interaktiven Karte.

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In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres gab es mindestens 61 Angriffe auf Flüchtlinge oder Flüchtlingsunterkünfte in Hessen: zwölf Sachbeschädigungen, 22 Fälle fremdenfeindlicher Hetze, fünf Körperverletzungen, drei Brandstiftungen, 16 Mal wurden Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet, viermal ermittelte die Polizei wegen sonstiger Straftaten. Fünf Menschen wurden dabei verletzt. Eine Übersicht bietet unsere interaktive Karte.

Die Angaben erfragte hessenschau.de bei den hessischen Staatsanwaltschaften. Zahlen für das vierte Quartal 2016 lagen noch nicht vor. Aus dieser Zeit ist nur der Angriff auf ein Flüchtlingscafé in Frankfurt bekannt. Es gab 2016 also mindestens 62 Angriffe auf Flüchtlinge. Das sind die Zahlen. Sie bedürfen einer Erläuterung.

Veränderte Berechnungsgrundlage

Für die Darstellung haben wir die Berechnungsgrundlage verändert. Für das Jahr 2015 tauchten in unserer interaktiven Karte nur die Fälle auf, in denen die Ermittler Fremdenfeindlichkeit als Motiv für erwiesen oder möglich hielten, in der Summe 33 Angriffe auf Flüchtlinge oder ihre Unterkünfte.

Für 2016 haben wir alle Angriffe auf Asylbewerber gezählt, sofern sie nicht erwiesenermaßen im privaten Bereich lagen wie bei jenem Fall im April 2016, als vier Menschen in eine Unterkunft in Lampertheim (Bergstraße) eindrangen oder bei den Schüssen auf ein Flüchtlingsheim in Dreieich (Offenbach) im Januar 2016, wo zudem eine Ortsverwechslung zugrunde lag.

Welches Motiv steckt hinter einem Angriff?

Nicht immer ist klar, ob hinter einer Hakenkreuzschmiererei ein rechtsextremer Geist steckt oder pure Provokation. Ob hinter Steinwürfen auf Fenster einer Flüchtlingsunterkunft jugendliche Unvernunft steckt oder Fremdenhass. Die meisten Verfahren stellten Staatsanwaltschaften und Polizei aus Mangel an Hinweisen auf Verdächtige ein - unmöglich, dann zweifelsfrei das Motiv zu bestimmen. Angriffe auf Flüchtlinge waren es doch.

Ein Fall wie die Brandstiftung in einem Heim in Witzenhausen (Werra-Meißner) wirft Fragen auf, auch nachdem beim Täter eine psychische Störung festgestellt worden ist: Warum legte er das Feuer in einem Haus für Asylbewerber und nicht etwa in einer Metzgerei oder in einem Kindergarten?

Innenminister Beuth: Flüchtlinge verdienen Schutz

Die veränderte Grundlage für die neue Karte deckt sich im Übrigen mit der Herangehensweise des hessischen Innenministeriums. Im Mai 2016 veröffentliche Minister Peter Beuth (CDU) eine Statistik, wonach es im vorausgegangenen Jahr 67 Angriffe auf Asylbewerber gab, ohne dass sämtliche Sachbeschädigungen, Brandstiftungen, Körperverletzungen und Volksverhetzungen als rechtsextrem motiviert feststanden.

Beuth sagte damals: "Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind und in Deutschland Schutz suchen, können zu Recht erwarten, dass sie bei uns sicher untergebracht sind." Nun sieht es so aus, als würde die Zahl der Angriffe 2016 diejenige von 2015 noch übertreffen.

Und das, obwohl der Flüchtlingsstrom nach Deutschland und Hessen deutlich abnahm. Im Jahr 2015 kamen rund 75.000 Asylbewerber nach Hessen. Im Jahr darauf machte Europa die Balkan-Route dicht, die Flüchtlingszahlen gingen stark zurück. Nach Auskunft der Landesregierung kamen noch rund 20.500 Asylbewerber nach Hessen. Die Diskussion über Flüchtlinge hielt freilich unvermindert an. Das spiegelt die Statistik der Angriffe.

Kriminalitätsstatistik 2016 wird vorgestellt

Am Donnerstag will Innenminister Beuth die Kriminalitätsstatistik für 2016 vorstellen. Dabei wird er sich vermutlich auch zu Angriffen auf Flüchtlinge sowie zu Kriminalität durch Zuwanderer äußern.

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