Flüchtlinge
Flüchtlinge im Oktober 2015 bei Schwarzenborn in einem Zeltlager. Bild © picture-alliance/dpa

Mehr als zwei Drittel der Hessen befürworten eine Obergrenze für die Aufnahme von Flüchtlingen. Dies ergab eine Hessentrend-Umfrage des hr. Auch auf die Frage, ob Deutschland es schafft, gab es eine klare Antwort.

Die Hessen beurteilen die Flüchtlingsfrage skeptisch. An den Satz "Wir schaffen das" von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) glaubt nur eine Minderheit. In einem am Donnerstag veröffentlichten hr-Hessentrend stimmten 44 Prozent der Befragten Merkel zu, eine Mehrheit von 53 Prozent aber antwortete auf die Frage, ob es Deutschland schaffe: "Nein, glaube ich nicht."

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Noch deutlicher fiel das Meinungsbild bei der Frage nach einer Obergrenze für Flüchtlinge aus. 68 Prozent der von infratest dimap befragten Hessen sagten, die Festlegung einer Obergrenze durch die Politik wäre gut.

Ausgewogener ist die Stimmungslage, wenn es um die Frage geht, ob Hessen überhaupt weitere Flüchtlinge aufnehmen soll. Hier stimmten 47 Prozent der Befragten zu, 46 Prozent forderten dagegen einen Aufnahmestopp.

Mehrheit der CDU-Anhänger in Hessen für Obergrenze

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte zuletzt ebenfalls eine deutliche Reduzierung der Zahl der Flüchtlinge gefordert, eine fixe Obergrenze aber ebenso klar abgelehnt wie die Bundeskanzlerin.

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Die Anhänger der CDU in Hessen sehen das anders: 69 Prozent sprachen sich beim Hessentrend für eine Obergrenze aus. Auch die Wähler von SPD (60 Prozent) und AfD (96) sind für eine Obergrenze, während sich die Anhänger von Grünen, Linkspartei und FDP mehrheitlich dagegen wandten.

Zuversicht steigt mit Bildungsgrad und Einkommen

Deutliche Unterschiede beim Blick auf die Flüchtlingssituation ergeben sich, wenn man die Befragten nach Alter oder Bildungsgrad unterscheidet. Den Merkel-Satz "Wir schaffen das" lehnen demnach die über 30-Jährigen ab, während die 18- bis 29-Jährigen der Kanzlerin zu 62 Prozent zustimmen.

Ein Ja bekommt Merkel in Hessen auch mehrheitlich von Menschen mit Hochschulreife und hohen Einkommen, während Menschen mit kleineren Einkommen und ohne Hochschulreife nicht ans Gelingen glauben.

Im Land hatte sich die schwarz-grüne Koalition mit der SPD auf ein Paket zur Flüchtlingshilfe geeinigt. Die Bürger aber stellen Regierung und Verwaltung dennoch mehrheitlich ein schlechtes Zeugnis aus: 52 Prozent sagen, dass Land habe die Flüchtlingssituation weniger gut oder gar nicht im Griff.

Flüchtlingsthemen lösen überwiegend Sorgen aus

In der bereits am Mittwoch veröffentlichten Sonntagsfrage des Hessentrends hätte Schwarz-Grün die Mehrheit verloren, wäre jetzt Landtagswahl. Die AfD kam in der Umfrage schlagartig auf 12 Prozent. 70 Prozent der Wähler nannten Flüchtlinge als das für sie wichtigste Thema der Landespolitik. Das hatte eine Vielzahl von Reaktionen auf den Hessentrend ausgelöst.

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Porträt Christopher Plass

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Der nun veröffentliche Teil des Hessentrends belegt, dass die Menschen mit dem Flüchtlingsthema überwiegend Sorgen verbinden. Eine große Mehrheit fürchtet mehr Staatsschulden (68 Prozent), mehr Konkurrenz auf dem Wohnungsmarkt (67) oder wachsenden Einfluss des Islam (57). Auch glaubt eine Mehrheit (54), dass Flüchtlinge den Arbeitsmarkt belasten.

Mehrheit fühlt sich auf Straßen und Plätzen sicher

Beim Thema Kriminalität zeichnet die Umfrage ein diffuses Bild: Zwar glauben zwei Drittel der Befragten, die Zahl der Straftaten werde durch die Flüchtlinge zunehmen, zugleich sagen aber 70 Prozent, sie fühlten sich auf öffentlichen Straßen und Plätzen sicher oder eher sicher. Ausnahme sind hier die Anhänger der AfD, die zu 70 Prozent erklärten, sie fühlten sich unsicher.

Widersprüchlich erscheint auch, dass trotz der vielen Sorgen und Befürchtungen eine Mehrheit von 58 Prozent feststellt, sie stimme der Aussage nicht zu, Flüchtlinge machten ihnen Angst. Je gleichauf gespalten zeigten sich die Umfrageteilnehmer bei der Frage, ob Flüchtlinge das Leben in Deutschland bereicherten und sich der Lebensweise hier anpassten.

Wenig Vertrauen in Informationen von Medien und Behörden

Die Befragten fühlten sich sich zudem nicht angemessen über das Flüchtlingsthema informiert. Weder Medien noch Verwaltung, Polizei oder die Regierungen in Bund und Land gelten bei einer Mehrheit der Befragten als Quelle angemessener Informationen.

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Hessentrend

Für den repräsentativen Hessentrend hat infratest dimap im Auftrag des hr im Zeitraum vom 12. bis 16. Januar 2016 1.000 wahlberechtigte Hessen telefonisch befragt. Die Fehlertoleranz beträgt 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte.

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