Polizei  nimmt Flüchtling auf
Polizei nimmt Aussage eines Flüchtling auf Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

In einer Oberurseler Notunterkunft sollen christliche Flüchtlinge aus dem Iran von muslimischen Wachleuten misshandelt worden sein. Die Männer wurden inzwischen "ihrer Aufgaben entbunden". Die Grünen verlangen rasche Aufklärung.

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Schürfwunden, Prellungen und Blutergüsse - mit diesen Verletzungen waren im November 2015 zwei iranische Flüchtlinge bei der Polizei in Oberursel aufgetaucht, wie die "Welt" am Montag in einem Artikel berichtete. Sie seien getreten und geschlagen worden, sagten die Flüchtlinge. Als Täter nannten sie vier Wachleute der Sporthalle am Bleibiskopf, der Unterkunft, in der sie untergebracht waren. Die beiden erstatteten Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung. Als Grund vermutete einer der Männer, ein 31 Jahre alter Iraner, seinen christlichen Glauben. Die Wachleute selbst seien Moslems und hätten ihn bezichtigt, den Islam zu beleidigen. Auch von anderen Flüchtlingen seien er und 13 weitere Christen in der Einrichtung schon oft beschimpft worden.

Wachleute beschuldigen verletzte Iraner

Die Wachleute ihrerseits beschuldigten die beiden Iraner, sie angegriffen zu haben. "Es liegen wechselseitige Beschuldigungen vor“, so Polizeisprecher Siegfried Schlott am Dienstag zu hessenschau.de. "Die Vernehmungen laufen, wir können dazu noch nichts sagen.“ Es sei aber der erste Vorfall dieser Art mit Wachleuten in Oberursel gewesen. Der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), betonte in einer schriftlichen Mitteilung, die betreffenden Wachleute seien von der Security-Firma "umgehend von ihren Aufgaben entbunden worden“. Attacken auf christliche Asybewerber sehe man zunehmend "mit großer Sorge“.

Grüne kritisieren "Nicht-Informationspolitik"

Einen Polizeibericht zu dem Gewaltausbruch im November gibt es nicht, wie der Polizei-Sprecher bestätigt. "Wir sind ja noch mitten in den Ermittlungen.“ Scharfe Kritik an diesem Vorgehen und der Tatsache, dass die Geschichte erst Wochen später durch den Artikel in der "Welt“ publik wurde, üben die Grünen im Hochtaunuskreis. Sie fordern im Sozialausschuss am Mittwoch Aufklärung der Vorgänge und überhaupt erst einmal detaillierte Informationen. "Wir wissen ja eigentlich gar nichts“, so der Fraktionsvorsitzende Norman Dießner zu hessenschau.de. "Hätte es den Artikel in der Welt gestern nicht gegeben, wüssten wir nicht mal, dass überhaupt etwas vorgefallen ist.“

Informationen bewusst zurückgehalten?

Das könne so nicht sein, eine transparentere Informationspolitik sei in solch "sensiblen und brisanten“ Fällen dringend geboten, so Dießner. "Der Kreis, die Polizei und der Betreiber der Unterkunft als gemeinsamer Stab machen eine gute Arbeit, tun sich mit dieser Nicht-Informationspolitik aber keinen Gefallen.“ Insgesamt fordern die Grünen im Hochtaunuskreis, ein größeres Augenmerk auf die soziale Betreuung der Flüchtlinge zu legen. "Integration ist wichtiger als Bewachung, viel Gewalt könnte vermieden werden.“

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