Namensliste einer Schulklasse
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Das Baby ist unterwegs, die Freude ist groß - jetzt muss nur noch der richtige Name gefunden werden. Für manche Eltern ist das eine schwierige Entscheidung. Ein neues Kursangebot in Wiesbaden bietet Hilfe.

Geburtsvorbereitung, Schwangeren-Yoga, Wickelkurs - die Liste der möglichen Vorbereitungsseminare für werdende Eltern ist lang. Doch ein Angebot hat offenbar noch gefehlt. Eine Lücke, die die Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden (GfdS) füllen will. Dort kann man ab dieser Woche einen Kurs mit dem Titel "Der schönste Name für mein Kind" buchen. Kostenpunkt: 25 Euro.

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"Der schönste Name für mein Kind"

Der Kurs findet donnerstags, 10 bis 11.30 Uhr, bei der Gesellschaft für deutsche Sprache, Spiegelgasse 7, in Wiesbaden statt. Kosten: 25 Euro, Anmeldung unter 0611/999550 oder per Mail sekr@gfds.de.

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Gibt es diesen Bedarf tatsächlich und wer besucht solch einen Kurs? Andrea-Eva Ewels, Geschäftsführerin der GfdS, hatte die Idee zu dem Angebot, nachdem sich die telefonischen Einzelberatungen häuften. Die Namensvergabe sei schließlich etwas enorm Wichtiges, bei dem man allerdings auch eine Menge falsch machen könne, wie sie im Gespräch mit hessenschau.de berichtet.

"Viele Eltern wollen etwas Ausgefallenes, aber es soll auch schön sein und zum Nachnamen passen", fasst Ewels die häufigsten Wünsche zusammen. Zur Kurspremiere trafen sich am Donnerstag acht Teilnehmerinnen. Und was erfährt man in den 90 Minuten? "Erst einmal Grundsätzliches über die Vornamengebung in Deutschland und die rechtlichte Situation, welche Namen beispielsweise vergeben werden dürfen."

Kursergebnis: Perfekter Vorname

Die Kursteilnehmer können aber auch Datenbankabfragen starten und schauen, auf welchem Rang ihr aktueller Wunschname liegt. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass in der kreativen Gruppenatmosphäre ein einzigartiger Name entworfen werde, schwärmt Ewels. Denn tatsächlich darf man auch Namen erfinden. Man muss sich allerdings an einige Regeln halten.

Der Name sollte erkennbar geschlechtsspezifisch sein und einen eindeutigen Vornamencharakter haben. Wenn er dann noch das wichtige Kriterium erfüllt, nicht gegen Kindeswohl zu verstoßen, steht einer Anerkennung als neuer Vorname eigentlich nichts mehr im Wege. So habe beispielsweise die erst kürzlich eingereichte Neukreation "Cantorca" durchaus eine Chance auf Anerkennung.

Zicke, Pfefferminza oder Kuchen gehen gar nicht

Pfefferminza, Zicke oder Zecke hingegen können einpacken. "Aber mal ehrlich, wer will schon Zicke Müller heißen?", schüttelt Ewels über die Ideen mancher Eltern den Kopf. Auch den Vorschlag, ein Kind "Kuchen" zu nennen, lehnte die GfdS ab. "Gegenstände gehen gar nicht", so Ewels. In der Regel schieben die örtlichen Standesämter solchen Einreichungen einen Riegel vor, doch wenn die Behörden sich unsicher sind, suchen sie Rat bei der Gesellschaft für deutsche Sprache.

Die Standesämter sind es auch, die einmal im Jahr alle registrierten Namen an die GfdS melden und diese erstellt aus den Daten die Liste der beliebtesten Vornamen des abgelaufenen Jahres. Für die Auflistung ist es gleichgültig, ob die Namen als Erst-, Zweit- oder Drittnamen vergeben wurden. So kommt es auch, dass Marie und Maria seit Jahren in den Top 10 rangieren, obwohl er als Rufname nicht oft vergeben wird.

Kein Revival für Renate und Helmut in Sicht

Insgesamt ist die Namens-Top-10 meist für zehn bis 15 Jahre recht stabil. Ein Wandel finde, wenn überhaupt, nur allmählich statt. Während alte Namen wie Carl und Friedrich eine kleine Renaissance feiern, wartet man auf ein Revival von Renate, Gisela und Helmut bislang vergeblich.

Diese Namen hätten wieder eine Chance wenn junge Eltern an der Tradition festhielten, den Namen der Großeltern zumindest als Zweitnamen zu vergeben. Doch eine von der GfdS in Auftrag gegebene Umfrage hat ergeben, dass Paare sich immer seltener an Traditionen halten. "Ihnen geht es vielmehr um die Schönheit der Namen", so Ewels Fazit.

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