Frühgeborenes (Archivbild)
Frühgeborenes (Archivbild) Bild © picture-alliance/dpa

In den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken ist bei neun Frühgeborenen der multiresistente Erreger MRSA nachgewiesen worden. Arbeitnehmervertreter und Gesundheitsamt bestätigten Hygiene-Mängel, über die zuvor TV-Reporter berichtet hatten.

Bei neun Frühchen in den Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) in Wiesbaden ist auf der Station für Frühgeborene und kranke Neugeborene (Neonatologie) der multiresistente Keim MRSA nachgewiesen worden. Wie die HSK am Mittwoch mitteilten, zeigten die Kinder keine Symptome einer Erkrankung. Sie seien innerhalb der Station isoliert worden.

Festgestellt worden sei die Keim-Belastung bei einer vorsorglichen Kontrolle. Woher der MRSA-Keim komme, sei derzeit noch unklar. Die Eltern der Kinder und das Personal der Station würden umfassend anhand von Mund-Rachen-Abstrichen untersucht. Auch medizinische Geräte würden kontrolliert. "Erste Ergebnisse werden in den nächsten Tagen vorliegen."

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MRSA

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ist ein Erreger, der gegen die meisten Antibiotika resistent und somit schwer behandelbar ist. Er tritt häufig in Kliniken infolge von Hygiene-Mängeln auf. Meist kommt es zu keiner Erkrankung, in ungünstigen Fällen wie bei einem geschwächten Immunsystem kann MRSA aber zu einer gefährlichen Sepsis führen. Antworten auf zentrale Fragen hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hier veröffentlicht.

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Säuglinge gehören wie ältere Menschen nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu den Patienten, die durch multiresistente Keime besonders gefährdet sind. Bei ihnen könne eine Infektion schwer verlaufen. Mögliche Symptome sind unter anderem Entzündungen einzelner Organe wie Lungenentzündung sowie Blutvergiftung. Für gesunde Menschen sei das Risiko einer Infektion eher gering.

Fünf weitere Kinder nicht betroffen

Auf der betroffenen Station befinden sich laut der Klinik fünf weitere Kinder, die nicht betroffen sind. Sie sind separat untergebracht und werden von gesondertem Personal versorgt. Die Pflegekräfte auf der Station tragen Schutzkleidung, um Übertragungen zu vermeiden.

Das Gesundheitsamt habe sich vor Ort über die Schutzmaßnahmen informiert, hieß es weiter. Die Klinik nimmt bis auf weiteres keine weiteren Frühgeborenen mehr auf. Die Versorgung von Neugeborenen im Kreißsaal und auf allen anderen Station sei gesichert.

Gesundheitsamt "nicht überrascht"

Das Wiesbadener Gesundheitsamt hatte erst am Dienstag angekündigt, die Hygiene an den HSK zu überprüfen. Hintergrund war eine Fernsehreportage des Senders RTL. In der Sendung "Team Wallraff - Reporter undercover" hatten Journalisten über eklatanten Personalmangel und katastrophale hygienische Zustände an dem Klinikum berichtet.

"Der RTL-Bericht überrascht uns nicht", sagte der kommissarische Leiter des Amts, Michael Forßbohm. Die Behörde habe das Klinikum im vergangenen Jahr acht Mal kontrolliert. Die Hygiene-Mängel "ziehen sich durchs ganze Haus", sagte Forßbohm. Sie seien vor allem auf den Personalmangel zurückzuführen.

Gewerkschafter: schlechte Personalsituation als Ursache

Auch die Vertrauensleute der Gewerkschaft Verdi an den HSK beklagten die schlechte Personalsituation an dem Klinikum, das zu 49,9 Prozent der privaten Helios Kliniken GmbH gehört. Die festgestellten Hygiene-Mängel beruhten vor allem auf deutlich verschlechterten Arbeitsbedingungen im Reinigungsbereich, erklärten die Gewerkschafter am Mittwoch in einer Mitteilung. So habe sich die zu reinigende Fläche für das Personal verdoppelt.

Stadtpolitikern wie Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) warfen die Vertrauensleute Scheinheiligkeit vor. Die Entwicklung sei der Stadt im Detail bekannt gewesen. Gerich hatte am Dienstag erklärt, die in dem Fernsehbericht dargestellten Mängel seien nicht akzeptabel und hatte Konsequenzen angekündigt.

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