Ortsschild von Werschau
Dieses Ortsschild sorgt in Werschau für Unruhe. Bild © Lisa Will

Mehr Sicherheit in der Ortsdurchfahrt wollen die Bürger von Brechen-Werschau erreichen. Doch ihr Wunsch, dafür das Ortsschild zu versetzen, erweist sich als kontraproduktiv: Ein Lehrstück darüber, was passieren kann, wenn eine Verwaltung die Bestimmungen alllzu wörtlich auslegt.

"Das ist ein Schildbürgerstreich ohnegleichen!", ruft Stefan Göbel wütend durch ein Megaphon. Die rund 200 Werschauer, die am Samstagvormittag zur Demonstration an der Ortsdurchfahrt gekommen sind, klatschen Beifall und heben ihre Transparente in die Höhe.

"Tempo 50", fordern sie, "Mehr Sicherheit für unsere Schulkinder". Stefan Göbel hat die Demo initiiert – nachdem er bei der Kreisverwaltung schlafende Hunde geweckt hat.

Schwere Unfälle

Im Sommer 2015 hatten einige Werschauer Gemeindevertreter die Gemeinde und den Landkreis gebeten, das Ortseingangsschild weiter vor das Dorf zu setzen, um Autofahrer früher abzubremsen. Denn kaum ist man in Werschau, ist man auch schon wieder draußen. Die Ortsdurchfahrt ist nur rund 200 Meter lang. Auf Tempo 50 abbremsen fällt vielen Autofahrern da offenbar schwer.

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Das berichten nicht nur Schulkinder, die an der Landesstraße täglich auf den Bus warten – auch schwere Unfälle wegen überhöhter Geschwindigkeit und Risse in den anliegenden Hauswänden zeugen davon. Zuletzt war ein Autofahrer so schnell unterwegs, dass er die Kurve nicht bekommen hat. Er raste durch die Bushaltestelle und knallte in die Mauer einer Gaststätte. Ein Betonmischer steht nun an dieser Stelle, die Arbeiten zum Wiederaufbau der kleinen Mauer laufen. Laut Polizei aber handelt es sich nicht um einen Unfallschwerpunkt. "Reines Glück, dass da kein Kind auf den Bus wartete", sagt Stefan Göbel.

Posse um Ortsschild

Lange mussten sich die Werschauer gedulden, bis eine Antwort vom Straßenverkehrsamt des Landkreises kam. Vor drei Wochen war sie endlich da – doch nicht so wie erhofft: Das Ortsschild wird versetzt - aber um einige Meter ins Dorf hinein. Die Werschauer hielten das zunächst für einen schlechten Scherz.

Einwohner in Werschau fordern auf Plakaten mehr Sicherheit für Fußgänger
Die Werschauer wollen sich wehren. Bild © Lisa Will

Die Entscheidung folgt geltendem Recht, auf Nachfrage erklärt die Kreisverwaltung sinngemäß: Die Frage, wo eine Ortstafel aufzustellen ist, richtet sich nach der Bebauung - und danach, ob die anliegenden Grundstücke von der Durchgangsstraße aus erschlossen werden. In Werschau aber sind die ersten Häuser am Ortsrand nicht über die Landesstraße, sondern über eine Seitenstraße befahrbar – rein rechtlich gehören sie noch nicht zum Dorf. Trotzdem steht das Ortsschild dort, im Grünen.

Bürgern fehlt Verständnis

Wird nun das Ortsschild verschoben, so könnte sich die Ortsdurchfahrt um mindestens 50 Meter verkürzen, wenn nicht sogar halbieren, befürchtet Stefan Göbel. "Ein Ortsschild, das seit vielen Jahrzehnten dort steht und damals mit Sinn und Verstand und nach der damaligen Rechtslage aufgestellt wurde, einfach in den Ort reinzustellen und damit die Kinder gefährden – das ist nicht nachvollziehbar", sagt er und schüttelt verständnislos den Kopf.

Aus einem Kampf für ein Ortsschild außerhalb des Ortes ist nun ein Kampf darum geworden, das Ortsschild wenigstens dort zu belassen, wo es ist. "Wir werden diese Entscheidung so nicht hinnehmen", ruft Göbel durchs Megaphon. Die Werschauer recken die Transparente noch einmal in die Höhe.

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