Niederländische Soldaten im Manöver (Archivbild)
Niederländische Soldaten im Manöver (Archivbild) Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Uniformierte jagen Turbanträger: Es sah beängstigend echt aus, was niederländische Soldaten im Main-Kinzig-Kreis trieben. Der irrtümliche "Einmarsch" in Hessen hat ein Nachspiel.

Flachländer in Mittelgebirgslandschaft: Das kann zu Orientierungsproblemen führen. Zumal es Marinesoldaten sind, die zurzeit ein NATO-Training absolvieren – in Bayern. Weil diese Soldaten während einer Übung offenbar zu weit marschierten und sich unangemeldet über die Landesgrenze in den hessischen Main-Kinzig-Kreis verirrten, ist die missliche Aktion jetzt zum Politikum geworden.

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Denn das misslungene Manöver schreckte neben Anwohnern und Bürgermeistern auch Landrat Erich Pipa (SPD) auf. Der schrieb am Montagnachmittag aufgebracht einen Beschwerdebrief an Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin. "Ich dulde keine Geheimübungen ausländischer Soldaten in meinem Kreis“, sagte Pipa zur Begründung. Es könne doch nicht sein, dass er über solche Aktionen von verängstigten Menschen erfahren müsse.

Authentische Kriegsspiele

Unter anderem mit Turban gekleidete Männer, die von niederländischen Soldaten verfolgt werden – dieses offenbar authentische Kriegsspiel hatte Menschen in Bad Soden-Salmünster, Steinau-Marjoß und Sinntal-Jossa am Wochenende verängstigt. Weder Polizei noch Kommunen oder Landkreis konnten zunächst sagen, was es mit den unbekannten Soldaten im Wald und in Zeltlagern auf Feldern auf sich hatte.

Das Landeskommando der Bundeswehr in Wiesbaden räumte eine "Informationspanne" ein. Hessen sei auf das Manöver nicht aufmerksam gemacht worden. Das Landeskommando Bayern erklärte den Fehler damit, dass sich die von einer Kaserne in Unterfranken ausgerückten Soldaten offenbar keine Gedanken über die Landesgrenzen gemacht hätten.

Nur gebietsweise geheim

Geheim war die Übung nämlich nicht. Das Manöver war angemeldet und öffentlich bekanntgemacht worden – aber eben nur in Bayern. Dort hatten insgesamt 38 Soldaten ihre Übung auch gestartet, wie Major Jeroen de Vries vom niederländischen Verteidigungsministerium erklärte.

Am 12. Oktober habe der Trupp von Marinesoldaten im unterfränkischen Wildflecken in der Rhön seine NATO-Übung begonnen. "Es ist das fünfte Jahr in Folge, dass die Einheit diesen Ort nutzt", sagte de Vries. Trotz der Vorjahreserfahrungen marschierten die Soldaten aber offenbar zu weit und verirrten sich so in den Main-Kinzig-Kreis.

Dort stießen die Soldaten auf unvorbereitete Anwohner - und das womöglich nicht zum letzten Mal. Denn die Übung läuft noch bis 27. Oktober. Gefahr besteht laut Bundeswehr nicht: Es sei bei der nachgestellten Terroristenjagd nur mit harmloser Manövermunition geschossen worden.

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