Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung in Calden stehen vor einem Fahrzeug an
Einige Flüchtlinge in Calden ließen sich am Montag zum Röntgen fahren Bild © picture-alliance/dpa

Nach einer Massenschlägerei unter Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung Calden wollen Sozialministerium und Regierungspräsidium das Sicherheitskonzept überprüfen. Die Gewerkschaft der Polizei sieht den Personalmangel durch die Flüchtlingssituation weiter verschärft.

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Mit dem Einsatz der Sicherheitskräfte bei der Massenschlägerei am Sonntag in Calden ist Harald Merz zufrieden. "Wir haben die Lage in angemessener Zeit deeskaliert", stellte der stellvertretende Pressesprecher des Regierungspräsidiums Kassel am Montag gegenüber hessenschau.de fest. Es sei "gut gelungen", genügend Polizeikräfte rasch zu mobilisieren.

Auch die eigenen Sicherheitsleute privater Firmen seien ausreichend gewesen, so der Sprecher. Jetzt gehe es an die Aufarbeitung des Vorfalls. Alles sei in der Prüfung. "Wir werden unser Sicherheitskonzept gegebenenfalls anpassen", erklärte Merz. Allein wie ließ der Sprecher offen. Einzelheiten könne man noch nicht nennen.

Getrennte Essensausgabe?

Konkreter wurde da die Sprecherin des Hessischen Sozialministeriums, Esther Walther. Möglich sei etwa, die Essensausgabe gruppenweise vorzunehmen, sagte sie dem Pressedienst epd. Auch auf eine nach Herkunft getrennte Unterbringung werde geachtet. Dies sei angesichts steigender Flüchtlingszahlen allerdings eine Herausforderung.

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Rund 370 Flüchtlinge hatten sich nach Polizeiangaben am Sonntag in dem Zeltlager in Calden geprügelt. In erster Linie seien Albaner und Pakistaner beteiligt gewesen. Zunächst hatte es eine Rangelei bei der Essensausgabe gegeben. Der Streit flammte später erneut auf und eskalierte am Abend. Bilanz: 14 Verletzte, darunter mehrere Polizeibeamte.

Spannungen, wenn Gruppen aufeinander treffen

"Wo viele Menschen zusammenleben, kommt es immer wieder zu Streitigkeiten", erklärte RP-Sprecher Merz. Man versuche bereits, Asylsuchende bei der Belegung der einzelnen Zelte nach Nationalitäten zu trennen. Dies geschehe auch auf Wunsch der Bewohner selbst.

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In bestimmten Situationen träfen die Menschen dann aber doch aufeinander. Da könne es zu Spannungen kommen. "Aber wir lernen daraus und versuchen, die Möglichkeiten, die es noch gibt, auszuschöpfen."

Polizeigewerkschaft beklagt zu knappe Personaldecke

Die Polizei stellt Einsätze in den Flüchtlingsheimen verstärkt vor Probleme. "Wir sind über dem Limit", sagte Stefan Rüppel von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hessen. Seit Jahren weise die GdP darauf hin, dass der Regeldienst mit dem vorhandenen Personal kaum noch zu schaffen sei. Beamte, die zu Einsätzen in den Erstaufnahmeeinrichtungen gerufen würden, fehlten zusätzlich an anderer Stelle, etwa bei Verkehrskontrollen oder der Drogenbekämpfung.

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Das macht dem Gewerkschafter auch im Hinblick auf die bevorstehenden Feiern zur Deutschen Einheit am kommenden Wochenende in Frankfurt Sorgen. Dann würden viele Kollegen aus Nordhessen an den Main kommen. "Wenn dann in Calden wieder sowas passiert, weiß ich nicht mehr, wer das noch machen soll."

Eine Möglichkeit, gewalttätigen Auseinandersetzungen in Flüchtlingslagern zu begegnen, sieht Rüppel in kleineren Gruppen. Von einer Aufstockung privater Sicherheitskräfte hält die Gewerkschaft dagegen wenig. "Es wäre sicher ein schlechter Weg, polizeiliche Aufgaben auf private Firmen outzusourcen."

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