Mörfelden-Walldorf gehört zu den fahrradfreundlichsten Kommunen.
Mörfelden-Walldorf gehört zu den fahrradfreundlichsten Kommunen. Bild © Imago

Baunatal top, Offenbach im Kommen und Wiesbaden mal wieder Schlusslicht. In welchen Kommunen Radfahrer gerne und nicht so gerne unterwegs sind, hat der ADFC in einer bundesweiten Umfrage ermittelt. Die wichtigsten Ergebnisse für Hessen im Überblick.

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In Baunatal im Kreis Kassel ist Radverkehr Chefsache. Bürgermeister Manfred Schaub (SPD) ist selbst begeisterter Freizeitradler. Ein Radverkehrsbeauftragter, eine Projektgruppe Radwege mit Bürgerbeteiligung und Fahrradkampagnen gehören zu den Eckpfeilern der städtischen Verkehrspolitik. Das Engagement der Gemeinde aus dem Kreis Kassel wurde jetzt mit Platz eins im Ranking der fahrradfreundlichsten Kommunen in Hessen belohnt.

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Was ist der Fahrradklima-Test?

Der Fahrradklima-Test ist laut ADFC die weltweit größte Befragung zum Radfahrklima. Die Umfrage wurde im Herbst 2016 zum siebten Mal durchgeführt. Radfahrer bewerteten folgenden Kategorien: Fahrrad- und Verkehrsklima, Stellenwert des Radverkehrs, Sicherheit sowie Komfort beim Radfahren, Infrastruktur und Radverkehrsnetz. Dabei wurden Noten von 1 bis 6 vergeben. Hier geht's zu den Ergebnissen.

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Die aktuellen Zahlen präsentierte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) am Freitag in Frankfurt. Für den Fahrradklima-Test 2016 sind im vergangenen Herbst insgesamt mehr als 120.000 Menschen bundesweit befragt worden. Dabei wurden 539 Städte und Gemeinden in verschiedenen Größenklassen bewertet, 61 davon in Hessen.

Kriftel klettert auf Rang drei

Baunatal löste in der Rangliste der hessischen Städte bis 50.000 Einwohner Mörfelden-Walldorf ab. Die zweitgrößte Stadt im Kreis Groß-Gerau hatte beim letzten Test 2014 noch das Klassement angeführt. Auf Platz drei liegt diesmal Kriftel (Main-Taunus) nach dem achten Rang acht vor zwei Jahren.

Im bundesweiten Vergleich der 50.000-Einwohner-Städte machten Baunatal und Mörfelden-Walldorf einen Sprung. Die nordhessische Kommune kletterte gleich um 21 Ränge auf Position sieben, Mörfelden-Walldorf von 21 auf Platz 14.

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In Baunatal wurde von den Befragten etwa die verbesserte Situation bei Abstellanlagen und Wegweisungen gelobt. "Baunatal hat den Radverkehr sehr gut auf dem Schirm und bemüht sich permanent um Verbesserungen", würdigte Jürgen Vöckel, stellvertretender Kreisvorsitzender des ADFC Kassel, den Einsatz der Kommune.

Radfahrer auf breitem Radweg in Baunatal
Radweg in Baunatal Bild © hessenschau.de

Frust indes bei den Kollegen des ADFC im Limburg: Die Domstadt rutschte im Hessen-Ranking an das Tabellenende. 2014 war Limburg noch ein Stück vom letzten Platz entfernt. "Dabei hat die Stadt in den vergangenen fünf Jahren sehr viel gemacht, etwa bei der Aufstellung von Abstellanlagen. Leider schlägt sich das noch nicht in den Ergebnissen nieder", sagte die Vorsitzende Christine Rhodes vom Fahrrad-Club Limburg hessenschau.de.

Daumen hoch für Marburg und Hanau

Bei den hessischen Städten bis 100.000 Einwohnern konnte Rüsselsheim seine Spitzenposition vor Hanau und Marburg behaupten. Auf den weiteren Plätzen folgen Gießen, Wetzlar, Fulda und die Kurstadt Bad Homburg als Tabellenletzter. Beim letzten 2014 stand Gießen noch an zweiter Stelle.

Im bundesweiten Ranking eroberte Marburg sogar Platz eins in der Kategorie "beste Entwicklung" der Städte über 50.000 Einwohner. Gefolgt von der Brüder-Grimm-Stadt Hanau, die in den vergangenen Jahren ebenfalls viel für die Verbesserung des Radverkehrs getan hat.

Offenbach holt stark auf

Bei den Städten bis 200.000 Einwohner grüßt die Wissenschaftsstadt Darmstadt von der Spitze. Dahinter reiht sich Offenbach ein und verdrängte Kassel auf den dritten und letzten Platz. Alle drei Metropolen liegen im Deutschland-Ranking übrigens unter den besten 20 Städten.

Radweg in Offenbach
Parallel zur Berliner Straße in Offenbach gibt es einen Radweg. Bild © hr

Vor allem ein Blick nach Offenbach lohnt. Ähnlich wie in Baunatal hat das Radfahren dort einen Fürsprecher in Person des Stadtoberhaupts. Unter dem radelnden Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) öffneten sich beispielsweise die Einbahnstraßen. Dass Offenbach im bundesweiten Vergleich Rang drei bei den "Aufholern" der Städte bis 200.000 Einwohner belegt, begeistert den OB. "Das ist eine tolle Bestätigung für die Zukunftsfähigkeit der Stadt und freut mich sehr", sagte Schneider.

Fahrradklima-Test
Frankfurt flog im bundesweiten Ranking aus den Top Ten. Bild © hr

Doch die "Überflieger"-Städte wie Offenbach sind nicht typisch für hessische Kommunen. Sie bekommen wie vor zwei Jahren lediglich die Durchschnittsnote 3,7. Damit liegt Hessen bundesweit nur im Mittelfeld. Auch die beiden einzigen Großstädte hierzulande, Frankfurt und Wiesbaden, konnten sich nicht verbessern. Im Gegenteil.

Frankfurt rutscht aus Top Ten

Frankfurt ist schlechter bewertet worden und aus den Top Ten der deutschen Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern herausgefallen (von Platz acht auf zwölf). "Obwohl die Fahrrad-Infrastruktur insgesamt nicht schlecht beurteilt wurde, fühlen sich die Radler in Frankfurt nicht sicher", sagt Bertram Giebeler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC Frankfurt. Seine wichtigste Forderung: Angesichts der großen Pendlerströme müsse man dem Radverkehr mehr Platz einräumen.

An der Bushaltestelle hört der Radweg auf
Und plötzlich ist der Radweg weg - Negativbeispiel aus Wiesbaden Bild © hessenschau.de

Trauriges Schlusslicht bleibt jedoch Wiesbaden. Die Landeshauptstadt belegt wie schon 2014 und 2012 den letzten Platz unter den 39 deutschen Großstädten. Der Wiesbadener ADFC-Sprecher Gunnar Langer kritisiert: "In Wiesbaden wird einfach nicht an den Radverkehr gedacht. Es fehlt an allem: An durchgängigen Radverbindungen, ausreichend breiten Radwegen und praktischen Abstellmöglichkeiten für Fahrräder." Wiesbaden hat also mit Blick auf den nächsten Fahrradklima-Test noch jede Menge zu tun.

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13 Kommentare

  • Ich empfinde Hessen ohnehin als Radfahrer unfreundliches Land, besonders abseits der größeren Städte. Radwege fast allerorten absolute Fehlanzeige. Versuchen Sie beispielsweise einmal, westlich an Idstein mit dem Rad vorbei zu fahren. Entweder, sie befahren die B275 (Autobahnzubringer), was fast immer lebensgefährlich ist, oder weichen auf die wenigen, halbwegs befahrbaren Wald / Feldwege aus, welche aber auch an der Autobahnauffahrt enden, um dann die vielbefahrene L3274 & K707 benutzen zu müssen. Sie können jedoch durch die anliegenden Wohnviertel fahren, um dann ab der K709 (Wiebadener Straße) Kreisverkehr - Bahnhof erneut an sehr stark befahrenen Straßen entlang radeln zu müssen. Zu verkehrsarmen Zeiten (spätabends - nachts - frühmorgens) geht das noch halbwegs gut, außerhalb jedoch, gerade zum Berufsverkehr, wird man hier zum "erduldeten Gast" des motorisierten Verkehrs, was immer wieder gefährliche Situationen provoziert. Wie schön ist da Radeln in Schleswig-Holstein.

  • Ich habe mich über die schlechte Note für Bad Vilbel gewundert, wo ich doch quasi täglich mit dem Rad durch die Gegend fahre. Dann habe ich das PDF gelesen.
    fahren alle Fahrrad - egal, ob alt oder jung.
    vs.
    fahren eher nur bestimmte Gruppen Fahrrad (z. B. Kinder, Radsportler).
    Wer solche Fragen stellt und Noten vergibt - ähm ja. Das Verteilungsmuster der Antworten fast ne Glockenkurve. Wer ein paar Gesetze der Stochastik kennt, weiß, was DAS bedeutet... Und das sind noch mehr solcher Käsefragen. Werbung fürs Radfahren. Wie viel mehr Werbung als gescheite Radwege und eine Menge Radfahrer braucht der Mensch!? Mich hätte eher interessiert, WARUM sich so viele beim Radfahren unsicher fühlen. An der fehlenden Unfallzahl kann es ja nicht liegen. ;)

  • Zu Wiesbaden:
    Eine Stadt mit dieser Topographie ist eben nicht besonders für Fahrräder geeignet - und da ist es möglicherweise besser, etwas für den ÖPNV als für Fahrräder zu tun, nicht umsonst erfand man in Wiesbaden die Busspur und auch die Busschleusen. Ansonsten hat man durchaus schon einiges getan, teilweise - siehe Adolfsallee - eher schon des Guten zu viel, was vermeidbare Gefahren schafft, aber die Akzeptanz der Radfahrer ist eher mau - womit wir wieder beim Eingangssatz wären.
    Zu Mainz:
    Eine doch ganz andere Topographie, ein viel höherer Anteil junger (und damit sportlich leistungsfähigerer) Menschen, aber sooo viel mehr (außer MVGMeinRad) hat man da auch nicht getan. Nebenbei: Schon auffällig, wie gerne Radler vom Hauptbahnhof zur Uni (für Ortsunkundige: da geht es mal stärker bergauf) ihr Rad in den Bus laden ...
    @ HR:
    Warum übernimmt man solche Berichte immer so unkritisch? Wird auch mal über die Fußgängerprobleme berichtet? Immer Fahrrad - ausgewogen geht anders.

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