Islamist Promovent TU Darmstadt
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Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den am Dienstag in Darmstadt festgenommenen Doktoranden Malik F. aufgenommen. Nach der Durchsuchung seiner Wohnung werden sein Handy und Speichermedien ausgewertet.

Weil er in einem Video für die in Deutschland verbotene Terrororganisation Islamischer Staat (IS) geworben hat, wird gegen den syrischen Promotionsstudenten der Technischen Universität Darmstadt Malik F. wegen des Verstoßes gegen das Vereinsgesetz ermittelt, teilte eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Das Bundesinnenministerium hatte den IS 2014 verboten, wobei es sich auf die entsprechenden Regeln des Vereinsgesetzes berief. Seitdem ist jegliche Form der Werbung und Unterstützung für den IS hierzulande verboten.

Dem Mann wird ferner vorgeworfen, in seinem öffentlichen Profil in einem großen sozialen Netzwerk eine Flagge des IS gezeigt zu haben. Auch das ist nicht erlaubt.

Handy und Speichermedien beschlagnahmt

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Verdächtigen im Kreis Darmstadt-Dieburg seien ein Mobiltelefon und diverse Speichermedien sichergestellt worden, so die Sprecherin. Diese würden nun ausgewertet. Dabei werde auch geprüft, ob es Hinweise auf die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat gebe.

Videobeitrag

Video

zum Video Islamistischer Doktorand verhaftet

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Der Verdächtige Malik F. werde vernommen, aber möglicherweise im Laufe des Tages wieder freigelassen. Malik F. war am Dienstagabend in Darmstadt von der Polizei festgenommen worden.

Politischer Sinneswandel bei Malik F.?

Malik F. soll nach Angaben einer Studentengruppe zuvor in der "Syrischen Hochschulgruppe" des Aktionsbündnisses "Freies Syrien" aktiv gewesen sein, die die Demokratie in Syrien zum Erfolg führen will. "Wir haben uns sehr gewundert, als wir von der Sache gehört haben", sagte ein Sprecher der Hochschulgruppe am Mittwoch zu hessenschau.de.

Der IS-Sympathisant Malik F. in seinem Progaganda-Video
Malik F. warb in diesem Video für den IS. Bild © picture-alliance/dpa

Schließlich habe sich Malik F. bei ihnen sehr aktiv für Menschenrechte und demokratische Werte eingesetzt. Malik F. habe in den Jahren 2011 bis 2013 immer wieder an Veranstaltungen und Demonstrationen der Gruppe teilgenommen. "Dann ist er irgendwann nicht mehr gekommen."

Die "Syrische Hochschulgruppe" verurteile die Aussagen des Promotionsstudenten in einer Stellungnahme aufs Schärfste. "Um einer solchen Radikalisierung, wie im Falle des Promotionsstudierenden, präventiv entgegenzuwirken, bedarf es dringend entsprechender Beratungs- und Betreuungsangebote, die es leider in Darmstadt nicht gibt“, schrieb die Gruppe in einer offiziellen Stellungnahme.

Uni tauscht Büroschloss aus

Nach Angaben der TU Darmstadt wurden unterdessen die Schlösser zu Malik F.s Büro im Universitätsgebäude ausgetauscht. "Eine Kontaktaufnahme zu dem Promotionsstudenten in Form einer Mail oder eines Anrufs hat es nicht gegeben", sagte Jörg Feuck, Sprecher der TU Darmstadt am Mittwoch. Dass die Universität rechtliche Schritte gegen Malik F. prüft und dessen Exmatrikulation anstrebt, habe dieser über die öffentliche Mitteilung auf der Website der TU Darmstadt erfahren können.

Der Promotionsausschuss des Fachbereichs Mathematik werde in den nächsten Tagen wegen des IS-Sympathisanten zusammenkommen. Dann soll darüber beraten werden, ob das Promotionsverhältnis beendet wird, weil keine ernsthaften wissenschaftlichen Fortschritte zu erkennen sind. Der Student arbeitet seit 18 Semestern an seiner Doktorarbeit.

AStA geht gegen Hetzkommentare vor

Die Studierendenvertretung der Universität distanziert sich unterdessen sowohl von islamistischen als auch rechtsextremen Äußerungen an der Universität: "Wir sind schockiert über das Video, aber auch über Äußerungen in Kommentarfunktionen der Online-Medien zu dem Thema“, sagte  Philip Krämer, AStA-Kulturreferent der TU Darmstadt.

Am Dienstag habe der AStA bereits gegen einer dieser Autoren Anzeige wegen Volksverhetzung erstattet. "Wir lehnen verfassungsfeindliche Positionen generell ab."

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