Einheitsfeier am Samstag
Zwischen Demonstranten und Polizisten kam es zu Rangeleien. Bild © picture-alliance/dpa

Guerilla-Taktik statt Großkundgebung: Demonstranten haben am Samstag immer wieder die Einheitsfeier in Frankfurt gestört. Nach Buttersäure-Attacken ermittelt die Polizei wegen gefährlicher Körperverletzung. Bei Rangeleien wurden Aktivisten vorübergehend festgenommen - auch ein dpa-Reporter wurde abgeführt.

Proteste gegen die zentrale Feier zu 25 Jahren "Zwangsvereinigung" in Frankfurt hatten linke und linksradikale Aktivisten lange vor diesem Wochenende angekündigt. Am Samstag erlebten Ehrengäste, Polizisten und Besucher auf der Einheitsfeier, welche Taktik die Fest-Gegner für den Tag der deutschen Einheit gewählt hatten.

Am Freitagabend zum Auftakt der Feierlichkeiten war eine Demonstration mit rund 1.000 Teilnehmern durch die Innenstadt ohne Zwischenfälle geblieben.

Buttersäure-Attacken mit Verletzten

Während am Samstag zehntausende Menschen friedlich und unbeschwert feierten, tauchten immer wieder kleinere Gruppen in der Stadt auf, um zu demonstrieren oder die Feiern zu stören. Es kam zu Gerangel. Mehrere Aktivisten wurden abgeführt, ihre Personalien wurden aufgenommen. Zu diesem Zweck hielt die Polizei kurze Zeit auch einen Reporter der Deutschen Presse-Agentur (dpa) fest. Zwei Beamte wurden laut Polizei durch Buttersäure verletzt.

Am Nachmittag berichtete die Polizei, man habe vier Polizei-Stände auf dem Fest wegen Attacken mit stinkender Flüssigkeit vorerst sperren müssen. Menschen seien durch die Flüssigkeit verletzt worden. "Wir ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung", hieß es auf Twitter. Beamte bewachten am Abend die Zelte auf der sogenannten Blaulichtmeile, um weitere Attacken mit Buttersäure zu verhindern.

An vier Ständen der Polizei wurde eine stinkende Flüssigkeit ausgebracht #tdde15 Wir mussten diese vorerst sperren

Auch an weiteren Orten kam es zu Protesten und Störungen:

  • Zelt des Bundesrats

Etwa 40 Demonstranten stürmten das Zelt des Bundesrats am Roßmarkt und verzögerten so die symbolische Schlüsselübergabe der Bundesratspräsidentschaft von Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an dessen sächsischen Amtskollegen Stanislaw Tillich (CDU).

Die Polizei drängte die Protestierer nach draußen, die ein Bleiberecht für alle Flüchtlingen gefordert und ein Transparent mit der Aufschrift "Nationalismus raus aus den Köpfen" dabei hatten. Bouffier und Tillich waren laut Polizei zu dem Zeitpunkt nicht im Zelt.

Zu den Menschen, die vor dem Zelt eingekesselt wurden, gehörte auch ein dpa-Reporter. Laut der Nachrichtenagentur war er in den Kessel geraten und wurde von der Polizei festgehalten und durchsucht, obwohl er einen Presseausweis vorlegte.

Nach der Aufnahme der Personalien durfte er gehen. Die Beamten hätten den Mann als Teil der Gruppe wahrgenommen, sagte ein Polizeisprecher. "Wir mussten auch feststellen, ob der Presseausweis tatsächlich zu der Person gehört."

  • Blaulichtmeile

Dort wo sich Polizei, Feuerwehren und andere Einsatzkräfte dem Publikum präsentieren, tauchten am frühen Samstagnachmittag rund 30 Demonstranten auf. Plötzlich machte sich vor einem Präventionsmobil fauler Gestank von Buttersäure breit. Die Polizei sperrte die Meile und räumte sie. Dann hielt sie die Protestierer fest, um deren Personalien aufzunehmen.

Polizeikritiker sprachen von "Einkesselung". Die Polizei bestritt das und berichtete, zwei Beamte hätten über Übelkeit und Augenreizungen geklagt und im Krankenhaus medizinisch behandelt werden müssen.

  • Zelt der Bundesregierung

Auch im Zelt der Bundesregierung wurde laut Polizei eine stinkende Flüssigkeit verschüttet, die von der Feuerwehr beseitigt werden musste. Das Zelt wurde vorübergehend geschlossen. Ob es sich dabei auch um Buttersäure handelt, werde derzeit geklärt. Verletzt wurde laut Polizei niemand. Eine Aktivistin voller Kunstblut lief ins Zelt.

  • Alte Oper

Während des offiziellen Festakts am Mittag mit 1.500 Gästen riefen vor der Alten Oper Demonstranten "Gauck muss raus". Andere hielten Transparente gegen das Transatlantische Freihandelsabkommen TTIP hoch.

"Mauerbau war schlau" und "Wo bleibt das Bier?"

Die linken Einheitsgegner hatten zu den Protesten unter dem Motto „Grenzen abschaffen – Deutschland überwinden“ aufgerufen. Die zahlenmäßig größte Kundgebung am Samstag brachte "Die Partei" auf die Beine.

Laut Polizei waren dem Aufruf der Politsatire-Organisation rund 250 Menschen gefolgt. Hier lautete das Motto: "Für den Wiederaufbau der Mauer und die Neueinrichtung einer Sonderwirtschaftszone".

Die "Partei"-Demo zog von der Innenstadt zum Börneplatz. Teilnehmer hatten Transparente dabei, auf denen von "25 Jahren Zweiheit" die Rede war. Eine andere Forderung lautete "Den Osten zurück in den Osten“. In Sprechchören riefen sie: "Mauerbau, das war schlau", aber auch "Wo bleibt das Bier?"

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