Mahnmal bei der Synagoge in Frankfurt Rödelheim
Das beschmierte und das verhüllte Mahnmal der Synagogen-Gedenkstätte in Rödelheim Bild © Protestfotografie.Frankfurt

"Juden sind Verbrecher": Kurz vor dem Jahrestag der Pogromnacht haben Antisemiten eine Synagogen-Gedenkstätte in Frankfurt beschmiert. Zahlreiche Bürger reagierten sofort.

200 Jahre ist es her, da war fast jeder dritte Einwohner des Frankfurter Stadtteils Rödelheim jüdischen Glaubens und es wurde eine neue Synagoge gebaut. In der kommenden Woche wollen sich Bürger zusammenfinden, um am Ort des im November 1938 zerstörten Gebäudes an das Ende jüdischen Lebens in der Nazizeit zu erinnern: an die Pogromnacht und an die in den Jahren danach ermordeten Rödelheimer Juden. Jetzt steht diese Gedenkstunde unter dem Eindruck aktuellen Judenhasses.

Antisemiten haben Teile der erst vor einem Jahr am Rande des Brentanoparks neu eingeweihten Synagogen-Gedenkstätte beschmiert. "Juden sind Verbrecher", schrieben sie mit weißer Farbe auf eine Stele, deren eigentlicher Text unter anderem lautet: "Wir ließen zu, dass aus unserer Mitte jüdische Bürger in Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden.“

"Ungeist zeigt sich wieder"

Außerdem gingen die Täter gegen das im vergangenen Jahr errichtete Haupt-Mahnmal vor: einen Thorastein mit der Abbildung einer Menora, des siebenarmigen Leuchters. Sie machten einen Strich durch das Symbol, das ein Zeichen der Hoffnung sein soll. "Es ist ein Schock, dass sich dieser Ungeist wieder zeigt“, sagte Armin Kroneisen vom Rödelheimer Geschichtsverein am Samstag über die Entdeckung vom Vortag.

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Der Auftakt zum Völkermord

Bei den Pogromen am 9. und 10. November 1938 kam es in ganz Deutschland zur zentral von den Nationalsozialisten gesteuerten Gewalt gegen Menschen jüdischen Glaubens. Synagogen brannten, Geschäfte wurden verwüstet, Juden drangsaliert, festgenommen, ermordet oder in den Tod getrieben. Damit wurden aus der systematischen Juden-Diskriminierung der Nazis die systematische Verfolgung und der Holocaust, dem an die sechs Millionen Menschen zum Opfer fielen.

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Von der Polizei waren zu dem Fall am Samstag noch keine Angaben zu erhalten. Der 80 Jahre alte Kroneisen hat Anzeige gegen unbekannt erstattet. Er leitet das seit 2004 bestehende Projekt "Die Synagoge sichtbar machen". Es wird von vielen Bürgern und Vereinen unterstützt, von der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde sowie der Stadtverwaltung.

Erste Attacke seit Einweihung

So hatte Rödelheim bewusst "auf breiter Basis" die neue Gedenkstätte auf dem Grundriss der Synagoge errichtet, wie Kroneisen betont. Dazu gehört neben der Stele und dem Thorastein, die beschmiert wurden, eine Bronzetafel mit den Namen von 40 ermordeten Rödelheimer Juden. In dem Jahr seit der Einweihung war die Anlage von antisemitischen Angriffen verschont geblieben.

"Das ist entsetzlich und nichts, was man als Ungehörigkeit durchgehen lassen kann“, sagt Ernst-Detlef Flos zu der Attacke. Nach Auffassung des evangelischen Pfarrers, der zu den maßgeblichen Unterstützern des Rödelheimer Gedenkstätten-Projekts zählt, ist nun nicht nur die Polizei gefordert: "Wir müssen dem offensiv entgegen treten.“

Das soll bei der geplanten Gedenkstunde am 13. November zum Ausdruck kommen. An die 40 Menschen wurden schon am Freitagabend spontan aktiv: Sie trafen sich an der geschändeten Gedenkstätte, verhüllten den beschmierten Thorastein mit einem Tuch und stellten Kerzen vor ihm auf. Auf das Tuch schrieb jemand: "Wehret den Anfängen. Nie wieder Faschismus."

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