Tierarzt im Stall
Veterinärmedizinische Untersuchung in einem Kuhstall Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Die Hochschulen sind voll mit angehenden Tierärzten. Doch die Praxen auf dem Land bleiben leer. Der Nachwuchs will lieber Kleintiere in der Stadt behandeln als Kühe, Schweine und Pferde.

Bei entzündeten Eutern, komplizierten Geburten oder schiefen Klauen wissen die Landwirte in der Wetterau, an wen sie sich wenden müssen: Tierarzt Gerhard Wagner ist für seine Patienten rund um die Uhr erreichbar, auch nachts und am Wochenende.

Wagner behandelt Klein- und Großtiere. Bereits sein Vater hat die Tierarztpraxis in Reichelsheim geführt. Doch wenn Wagner in einigen Jahren selbst in Rente geht, dürfte er nur schwer einen Nachfolger finden.

Studenten wollen nicht in Großtierpraxis

Bei Gesprächen mit Studenten der Tiermedizin, die in seinem Betrieb vorbeischauen, macht er immer dieselbe Erfahrung. "Wenn man während des Praktikums mit ihnen spricht, kommt immer raus, dass sie bis auf wenige Ausnahmen letztendlich nicht in die Großtierpraxis wollen", sagt Wagner.

Tierarzt Gerhard Wagner kümmert sich um große und kleine Tiere in seiner Praxis in Reichelsheim.
Tierarzt Gerhard Wagner kümmert sich um große und kleine Tiere in seiner Praxis in Reichelsheim. Bild © Christine Heinz

Für die Abneigung gegen Großtiere gebe es viele Gründe. "Die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und die körperliche Belastung ist hoch. Das schreckt viele ab", sagt der Tierarzt.

Inzwischen ist aus dieser Abneigung ein ernstes Problem geworden. Der Bundesverband praktizierender Tierärzte sieht einen deutlichen Mangel an jungen Tiermedizinern - besonders auf dem Land.

"Die Praxen im ländlichen Raum berichten uns schon seit geraumer Zeit, dass es immer schwerer wird, Tierärzte zu finden", sagt Heiko Färber, Geschäftsführer beim Bundesverband praktizierender Tierärzte in Frankfurt.

Hamster, Sittich und Co. beliebter

Dabei strömen jedes Jahr Tausende neue Studenten an die Unis, um ein Veterinärstudium zu beginnen. Rund 5.000 Abiturienten bewerben sich jedes Jahr um einen Studienplatz, 1.000 davon werden zum Studium zugelassen. Der Numerus Clausus an den Universitäten liegt bei 1,0 bis 1,2. Rund 90 Prozent der Studenten in der Tiermedizin sind Frauen.

Auch Anja Kinzelmann hat sich für das Studium der Tiermedizin entschieden. Sie macht gerade ein Praktikum in einer Frankfurter Tierklinik und ist fast am Ende ihres Studiums. Sie mag zwar alle Tiere, wie sie sagt.  Auf dem Behandlungstisch zieht die Tiermedizin-Studentin aber Hamster, Sittich und Co. Großtieren vor.

Kosten-Nutzen-Rechnung in Tierhaltung schreckt Nachwuchs

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Für Kinzelmann steht fest: Großtiere will sie später nicht behandeln. "Ich mag eher Kleintiere." Was Kinzelmann auch stört ist, dass "sich für den Landwirt schnell die Frage stellt, ob sich die Behandlung eines Tieres wirtschaftlich gesehen überhaupt lohnt.“

Mit diesen grundsätzlichen Bedenken, was die Behandlung von Nutztieren unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten angeht, ist Kinzelmann nicht allein. "Damit haben viele angehende Tierärzte ein Problem", bestätigt Färber vom Bundesverband praktizierender Tierärzte.

Natürlich sei die Bereitschaft der Landwirte, ein Tier zu behandeln, geringer als bei Kleintieren, sagt Färber. Landwirte müssten aber einen schwierigen Spagat meistern und die Kosten im Blick behalten - ein Aspekt, der angehenden Tierärzten die Arbeit auf dem Land aber offenbar nicht attraktiver macht.

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