Die TU in Darmstadt
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Ein Doktorand der TU Darmstadt hatte in einem Video Propaganda für die Terrormiliz "Islamischer Staat" gemacht. Aus seiner geplanten Promotion wird nun wohl nichts. Am Dienstag zog die Hochschule erste Konsequenzen.

Videobeitrag

Video

zum Video Doktorand in Darmstadt wirbt für IS

Ende des Videobeitrags

"Warum ich den Islamischen Staat unterstütze und verteidige" – mit einem Video mit diesem Titel hat ein Doktorand der TU Darmstadt nicht nur für Aufregung gesorgt, sondern offenbar auch seine Hoffnungen auf einen Abschluss begraben. Einen Tag nachdem unter anderem hessenschau.de über den Fall berichtet hatte, zieht die Uni nun Konsequenzen.

"Aufgefordert, Schlüssel abzugeben"

Wie die TU auf ihrer Homepage mitteilte, ist eine sofortige Exmatrikulation gesetzlich nicht möglich. "Der Promotionsausschuss wird baldmöglichst entscheiden, ob das Promotionsverfahren beendet wird." Komme es dazu, werde die TU die Exmatrikulation anstreben. Bis dahin wurde bereits das Betreuungsverhältnis mit sofortiger Wirkung ausgesetzt. Zudem habe man Schritte eingeleitet, um zu verhindern, dass der IS-Unterstützer Büroräume nutzen kann. "Er ist aufgefordert, seinen Schlüssel abzugeben. Er hat aber kein Hausverbot", konkretisierte ein Sprecher auf Nachfrage.

Screenshot: MemriTV
Der Darmstädter Doktorand bei seiner Videoansprache Bild © Screenshot: MemriTV

Auch der Asta der TU zeigte sich in einer Mitteilung "schockiert". Kulturreferent Philip Krämer sagte, die Veröffentlichung sei "ein weiterer Beleg dafür, dass der islamistische Terrorismus auch in Darmstadt ein ernstzunehmendes Problem ist".

Staatsanwaltschaft prüft den Fall

Die Uni prüft nun rechtliche Schritte, man habe die Strafverfolgungsbehörden informiert, hieß es. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt kümmert sich bereits um den Fall, wie eine Sprecherin hessenschau.de bestätigte. Frankfurt ist zuständig, weil dort alle Verfahren gegen Islamisten gebündelt werden.

Derzeit werde nun geprüft, ob es einen strafrechtlich relevanten Anfangsverdacht gibt. Möglich wäre etwa die Vorbereitung einer schweren, staatsgefährdenden Gewalttat.

Weitere Informationen

Dokumentation von Islamismus und Antisemitismus

Das "Middle East Media Research Institute" (Memri)" mit Zentrale in der US-Hauptstadt Washington beobachtet den Nahen Osten und die arabische Welt, berichtet über Ereignisse und wertet Medien aus. Im Internet veröffentlicht das Institut auf "MemriTV" Fernsehausschnitte, andere Videos und Texte mit Übersetzungen vor allem ins Englische. Schwerpunkte sind Islamismus und Antisemitismus. Die Unterstützung von Reformern im arabischen Raum gehört zum erklärten Ziel. Kritiker werfen Memri zu große Nähe zur israelischen Regierung vor.

Ende der weiteren Informationen

Hintergrund des Falls ist ein Video eines Darmstädter Doktoranden, dass das in den USA ansässige "Middle East Media Research Institut" (Memri) übersetzt hatte. Der Mathematik-Student aus Syrien rechtfertigt darin das Vorgehen des seit 2014 in Deutschland verbotenen IS in Syrien.

Auch der Verfassungsschutz sprach in einer Stellungnahme gegenüber hr-iNFO von "jihadistischem Propagandamaterial". Der Promotionsstudent bestreitet das Video und seine Urheberschaft nicht. Er liebe Deutschland und wolle das Land nur warnen, nicht mit den USA gegen den IS zu kämpfen.

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