Bildkombo Flaggen mit Herz, Jessica Dreyer
Hilft der Liebe auf die Sprünge: Jessica Dreyer Bild © dpa/lhe, privat - Montage: hessenschau.de

Wie Donald Trump und Angela Merkel miteinander harmonieren, kann noch niemand genau sagen. Um die deutsch-amerikanischen Beziehungen im privaten Bereich kümmert sich eine Spezialagentur in Wiesbaden.

Partnerbörsen und Kontaktinstitute gibt es wie Sand am Meer, aber wohl keine wie die von Jessica Dreyer aus Wiesbaden. Die 40-Jährige bringt gezielt hier lebende US-Amerikaner mit Einheimischen zusammen. Viele der rund 20.000 US-Soldaten oder Regierungsangestellten im Rhein-Main-Gebiet wünschen sich eine Partnerschaft mit einem "Local", weil sie die deutsche oder europäische Kultur und Lebensart mögen.

Aus privaten Anfragen ein Business gemacht

Umgekehrt träumen viele deutsche Frauen von der Beziehung mit einem Amerikaner. "Die Amerikaner sind meistens sehr lockere, unkomplizierte Leute", weiß Dreyer. Manche ihrer Kundinnen hätten auch schon amerikanische Partner gehabt oder in den USA gelebt. Dazu komme das Army-Umfeld, das als aufregend gilt. Nicht zuletzt seien die Staatsdiener beruflich gut gestellt: "All das zieht nach wie vor viele Frauen an."

Und da sitzt Dreyer direkt an der Quelle. Seit fast drei Jahren arbeitet sie in Wiesbaden für die US-Regierung. Immer wieder wurde sie von ihren amerikanischen Kollegen gefragt, ob sie nicht eine nette Single-Freundin habe. Gleichzeitig erkundigten sich ihre weiblichen Bekannten nach der Möglichkeit, einen feschen Amerikaner kennenzulernen. Daraus entwickelte die Übersetzerin schließlich ihr Geschäftsmodell.

Schutz vor den Augen der Öffentlichkeit

Seit einem halben Jahr betreibt sie ihre Agentur "US Love Wiesbaden" nebenberuflich. Persönlicher Service ist ihr wichtig. "Ich bin keine Online-Singlebörse", betont sie. Jeden Kandidaten, egal ob männlich oder weiblich, lernt sie selbst kennen. Das wissen vor allem die Amerikaner zu schätzen. Denn als Mitarbeiter der US-Regierung scheuen sie die Öffentlichkeit des Internets. Dreyer garantiert Diskretion. Und ihre Kunden wissen, dass sie keinen Fakes aufsitzen.

Aus Fragebögen und persönlichen Eindrücken erstellt die Vermittlerin ein anonymisiertes Profil. Glaubt sie, ein "Match" gefunden zu haben, werden den Kandidaten die Vorschläge unterbreitet. Bei gegenseitigem Gefallen werden die Kontaktdaten herausgerückt. Erst jetzt fällt für die Klienten ein Honorar an.

Der Liebe mit anderem Frauenbild auf die Sprünge helfen

Mit ihrer Agentur glaubt Dreyer in eine Marktlücke gestoßen zu sein, denn die Zeiten von "Hello Frollein" sind Jahrzehnte vorbei. Die heutigen Bürger der einstigen Besatzungsmacht tun sich schwer, mal eben im schönen Wiesbaden eine deutsche Frau kennenzulernen, die zu ihnen passt. "Viele wollen der Liebe ein bisschen auf die Sprünge helfen", meint Dreyer.

Deutsche Frauen stehen auch deshalb bei US-Bürgern hoch im Kurs, weil sie als aufgeschlossen und ruhiger gelten als ihre Geschlechtsgenossinnen aus Übersee. "Viele Amerikanerinnen sind ja immer so aufgeregt, in ihrer Art zu sprechen mit dieser hohen, piepsigen Stimmlage", berichtet Dreyer. "Das mögen viele amerikanische Männer nicht." Deutsche Frauen gäben sich auch weiblicher und trügen eher mal Kleid oder Rock statt immer nur Jeans und Turnschuhe.

Die Kartei von US Love Wiesbaden hat nach den Worten der Partnervermittlerin schon eine ordentliche Größe erreicht. Nicht immer ist die US-Seite der männliche Part. Es gebe auch amerikanische Frauen, die einen deutschen Mann suchten und umgekehrt. Das seien aber eher Einzelfälle. Auch Anfragen nach gleichgeschlechtlichen Partnern habe es schon gegeben.

Trump ist gut fürs Geschäft - aber auch schlecht

Die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sieht Dreyer aus geschäftlicher Sicht mit gemischten Gefühlen. Einerseits seien bei den Deutschen die Ressentiments gegenüber Amerikanern gewachsen. Andererseits liebäugelten jetzt mehr US-Bürger mit einer Zukunft in Europa - an der Seite eines europäischen Partners.

Erfolge kann Dreyer nach eigenen Angaben durchaus vorweisen. Schon einige Pärchen hätten dank ihrer Vermittlung zusammengefunden. Einladungen zur Hochzeit habe sie noch keine erhalten, "aber das wird kommen" , ist sie überzeugt.

Kennenlern-Partys geplant

Ihr Business will die Mutter eines neunjährigen Sohns deshalb bald ausbauen. In Kaiserslautern im Nachbarland Rheinland-Pfalz seien etwa 10.000 Amerikaner ansässig. Auch dieses Potenzial möchte sich die Unternehmerin erschließen. Zudem plant sie, bald deutsch-amerikanische Kennenlern-Partys zu veranstalten. Vielleicht lautet das Motto dann ja doch "Hello Frollein!".

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