Eine Rakete startet vom Weltraumbahnhof Baikonur.
Start geglückt: Die Rakete fliegt in Richtung Mars. Bild © picture-alliance/dpa

Mit dem Projekt ExoMars sucht die europäische Raumfahrtorganisation ESA nach Leben auf dem Mars. Der Start der Sonde am Montag war der erste erfolgreiche Schritt. Doch noch sind viele Aufgaben zu bewältigen.

Die Antwort auf eine der ältesten Fragen der Menschheit wird mitten im Darmstädter Europaviertel gesucht. Zwischen Firmengebäuden, Wohnblocks und einem Autobahnzubringer steht das ESOC, das Europäische Raumflugkontrollzentrum. Was in Teilen an einen in die Jahre gekommenen Mehrzweck-Bau erinnert, ist in Wirklichkeit die Schaltzentrale der europäischen Raumfahrt.

Und das Hirn hinter einem ehrgeizigen und milliardenschweren Projekt: ExoMars, der Reise und Untersuchung des Mars.

Die Aufgabe: Nicht weniger, als herauszufinden, ob wir alleine im Weltall sind. Der erste Schritt auf dieser Suche nach Leben auf dem Mars hat am Montag im Event-Room des ESOC begonnen.

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Nachbildungen des Satelliten und des Landemodells von ExoMars sollen für ein bisschen Weltraumstimmung sorgen, doch um 10.31 Uhr richten sich alle Blicke auf zwei Leinwände. Zu sehen: der russische Weltraumbahnhof in Baikonur. Dort, in beinahe 5.000 Kilometer Entfernung, startet in diesem Moment eine Proton-Rakete in Richtung Mars. Die geladenen Gäste und Journalisten in Darmstadt wissen zuerst nicht so recht, was von den verwackelten Bildern aus der kasachischen Steppe zu halten ist. 10 bis 15 Sekunden lang schweigen alle. Erst als die Moderatorin sagt, "Das sah nach einem guten Start aus", brandet Jubel auf.

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Erste Signale des Satelliten am Montagabend

Die Freude ist berechtigt. Der Start war ein nicht zu unterschätzendes Risiko, gab es in den vergangenen Jahren doch immer wieder Probleme mit russischen Trägerraketen. Trotzdem: Die Reihe weiterer möglicher Hindernisse ist lang. Gespannt warten die Forscher zunächst auf den Montagabend, wenn die Rakete ihre vierte und letzte Antriebsstufe abtrennt. Dann soll die Sonde ihre Solarmodule ausklappen und Kurs auf den roten Nachbarplaneten nehmen. Und erst dann – wenn alles klappt gegen 22.30 Uhr – erwarten die Darmstädter Kontrolleure das erste Lebenszeichen des Satelliten.

Orbiter über dem Mars
Der Orbiter hat die Aufgabe, Spurengase wie Methan in der Marsatmosphäre zu untersuchen. Seine endgültige Umlaufbahn wird er erst im Dezember 2017 erreichen. Bild © ESA ATG medialab

Funktioniert auch das, steht ein langer Flug an. Erst im Oktober wird das aus einem Forschungssatelliten und einem Testlandemodul bestehende Forschungs-"Duo" den Roten Planeten erreichen. Während der Satellit "Trace Gas Orbiter" dann in eine Umlaufbahn einschwenkt und die Mars-Atmosphäre analysieren und vor allem nach Methan durchsuchen soll, steht für das Landemodul "Schiaparelli" der schwierigste Teil bevor: die Landung auf dem Mars. Bisher ist es der ESA im Gegensatz zum US-Pendant NASA noch nicht gelungen, eine Einheit heil auf Nachbarplaneten abzusetzen. Schiaparelli – benannt nach dem berühmten italienischen Astronom und Mars-Forscher – soll nun beweisen, dass die Europäer dazu in der Lage sind.

Leben in zwei Metern Tiefe gesucht

Es wäre der erste große Erfolg des milliardenschweren Projekts. In einem zweiten Schritt, geplant ist 2018, soll ein Rover zum Mars fliegen und Bodenproben nehmen. Im Gegensatz zum NASA-Roboter Curiosity, dem dies bereits 2012 gelang, soll der EU-Roboter dabei aber bis zu zwei Meter tief bohren können. Genau dort vermuten die Forscher Leben oder zumindest Spuren früheren Lebens.

"Es gab dort früher flüssiges Wasser. Viele Wissenschaftler sind überzeugt, dass bakterielles Leben in der Vergangenheit auf dem Mars möglich war und vielleicht auch heute noch in verschiedenen Gebieten existiert", erläuterte ESA-Betriebschef Paolo Ferri im hessenschau.de-Gespräch. Wenn etwas auf dem mittlerweile kalten, verstrahlten und unwirtlichen Planeten überlebt haben könnte, dann im Boden - so lautet die Theorie. Können die Forscher in dem unauffälligen Zweckbau im Europaviertel in Darmstadt das wirklich beweisen, es würde wohl die Welt verändern.

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