Ursache Zugunglück Mittelrheintal
Ein Güterzug rollt durch Rüdesheim (Archivbild). Auf der Strecke waren im Juni 2013 mehrere Waggons eines Autotransporters entgleist. Bild © picture-alliance/dpa

Wasserschäden am Gleisbett sind die Ursache für ein Zugunglück im Rheingau vor vier Jahren. Das zeigt der offizielle Untersuchungsbericht. Abgeschlossen ist der Fall damit nicht - er beschäftigt jetzt auch die Staatsanwaltschaft.

Das Zugunglück ereignete sich am frühen Morgen des 9. Juni 2013 auf der Bahnstrecke zwischen Lorch und Rüdesheim - und legte eine der wichtigsten europäischen Trassen im Güterverkehr tagelang lahm: Die hinteren Waggons eines leeren Autotransporters waren kurz hinter dem Bahnhof von Lorch entgleist.

Bevor der Zug im Bahnhof Rüdesheim gestoppt wurde, hatte er die entgleisten Wagen elf Kilometer hinter sich her geschleift. Dabei war ein Schaden von zehn Millionen Euro an Gleisbett, Oberleitungen und Signalen entstanden.

Staatsanwaltschaft ermittelt - waren Bauschäden bekannt?

Knapp vier Jahre später steht fest: Die Ursache war Wasser im Gleisbett. Wegen mangelhafter Entwässerung des Schotterbetts hatten sich auf der Strecke Schlammstellen gebildet. Die Folge: An mehreren Stellen hintereinander lagen die Gleise nicht mehr richtig, dadurch konnten die Räder der hinteren Waggons des Güterzuges abheben. Zu dem Schluss kommt der jetzt vorgelegte über 100 Seiten starke Bericht der Eisenbahnuntersuchungsstelle des Bundes.

Abgeschlossen ist der Fall damit aber nicht. Nun wird sich die Staatsanwaltschaft mit dem Untersuchungsbericht beschäftigten. Vor einem Jahr stellte die "Bürgerinitiative (BI) im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn" Strafanzeige gegen Unbekannt. Die Bürgerinitiative hegt den Verdacht, dass die Streckenmängel bekannt waren, aber nicht behoben wurden.  

Damit sieht sich die BI in ihrer Auffassung bestätigt, dass die Strecke durch das Mittelrheintal in keiner Weise die Anforderungen einer Europatransversale für den Güterverkehr erfüllt. Sie fordern seit Jahren eine Ersatzstrecke.

Lärmschutz für 63 Millionen Euro

Im Dezember vergangenen Jahres hatten Vertreter der Länder Hessen und Rheinland-Pfalz sowie des Bundesverkehrsministeriums eine Absichtserklärung für Lärmschutzmaßnahmen in Höhe von fast 63 Millionen Euro für die Anwohner des Mittelrheintals unterzeichnet.

Während der Personenverkehr linksrheinisch auf der Strecke Mainz-Bonn durch das Tal läuft, fahren auf der rechten Rheinseite rund 400 Güterzüge täglich. Damit zählt das Mittelrheintal zu Europas meistbefahrenen Güterzugstrecken. Die Trasse gehört seit der Eröffnung des Gotthard-Basistunnels am 1. Juni 2016 zum europäischen Transportkorridor von Genua in Italien nach Rotterdam in den Niederlanden.

Sendung: hr-iNFO Nachrichten, 8.3.2017, 12 Uhr

Das könnte Sie auch interessieren