Kistenweise Hilfsgüter: Die Halle mit Spenden von Bürgern für Flüchtlinge in Darmstadt
Kistenweise Hilfsgüter: Die Halle mit Spenden von Bürgern für Flüchtlinge in Darmstadt Bild © Reinhard Völker

Ob Willkommensgrüße oder Sachspenden: Viele Menschen in Hessen legen sich für Flüchtlinge ins Zeug - auch in Darmstadt. Dort machte der Oberbürgermeister die Flüchtlingshilfe zur Chefsache.

Am Zaun neben dem verschlossenen Tor weht ein Transparent im Wind: "Welcome our friends", steht darauf. Im August entstand hier über Nacht die Erstaufnahmeeinrichtung Darmstadt. Zelte wurden aufgeschlagen und zwei Verwaltungsgebäude der Bundeswehr, in denen früher das Kreiswehrersatzamt arbeitete, für 600 Flüchtlinge hergerichtet.

Inzwischen sind 800 Menschen hier untergebracht, darunter viele Frauen und Kinder. Bei der Aufgabe, die Menschen zu versorgen, konnten sich die vom Ansturm überraschten Kommunalpolitiker auf ihre Bürger verlassen. In Darmstadt hat eine Welle der Hilfsbereitschaft eingesetzt.

Gekommen, um zu bleiben

Sichtbar wird das in einer Halle im Stadtteil Bessungen. Früher standen hier städtische Fahrzeuge. Jetzt füllen gespendete Kleider, Spielsachen, Kinderstühlchen, Windeln, Buggys und Rutschautos, aber auch Taschen und Koffer die 1.000 Quadratmeter. Viele Bürger bleiben, wenn sie Sachen vorbeigebracht haben, und packen auch mit an beim Sortieren und Verteilen. So wie Daniela Ulrich. Warum sie hilft? "Die Frage ist ja, wie man nicht helfen könnte, wenn man mitbekommt, was da los ist", entgegnet die Darmstädterin.

Täglich werden Flüchtlinge im Bus zur Halle gebracht, um sich hier das Nötigste auszusuchen. "Wer hier ist, hat einen Anspruch auf Hilfe, die geben wir auch," sagt Ulrich. Manche Flüchtlinge kommen mit nichts als den Kleidern auf dem Leib nach Darmstadt. Die Stadtverwaltung hatte prompt reagiert, als das Land um Hilfe bat: Oberbürgermeister Joachim Partsch (Grüne) machte die Hilfe zur Chefsache und ernannte einen Mitarbeiter zum Beauftragten für Flüchtlingsfragen. Über ihre Facebook-Seite organisiert die Stadt die Spendensammlung. Dort hieß es am Sonntag: "Liebe Bürgerinnen und Bürger, es ist geschafft!" Alle Spenden waren sortiert - in 2.500 Kisten.

Winter bringt neue Probleme

Mittlerweile betreibt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) im Auftrag des Landes die Erstaufnahme - und bereitet den langfristigen Einsatz der Helfer vor. Denn klar ist: Es werden weitere Flüchtlinge kommen, es wird weiter Hilfe benötigt. "Besonders wichtig ist, dass wir für jeden die passende Winterausstattung finden," betont Miriam Seel vom DRK Darmstadt. Sie richtet gerade im Internet eine Anlaufstelle für ehrenamtliche Fachkräfte ein.

Gesucht werden vor allem Fachleute zur Betreuung der vielen Kinder, die in den vergangenen Tagen in Darmstadt gelandet sind. Denn ob Spielen, Basteln oder Deutschlernen: "Das Personal der Erstaufnahmeeinrichtung kann das gar nicht alles leisten", sagt Sozialdezernentin Barbara Akdeniz (Grüne).

Zeichen gegen Rechts


Zu denen, die ehrenamtlich anpacken, gehört auch Betina Guerazem vom DRK. Die zweifache Mutter ist froh, dass in Darmstadt Hilfsbereitschaft überwiegt, während in anderen Städten Rechtsradikale zu Protesten aufrufen. Wie viele andere Helfer in Darmstadt versteht sie ihren Einsatz auch als politisches Signal gegen Fremdenfeindlichkeit: "Ich möchte etwas dagegensetzen."

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Sie wollen Flüchtlingen helfen? Auf einer interaktiven Karten können Sie sehen, wo gerade was gebraucht wird. Eine Aktion von hr3 und YOU FM.

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