Explora-Museum in Frankfurt
Das Explora-Museum am Frankfurter Glauburgplatz Bild © Wikipedia/Karsten11

Nach den flüchtlingsfeindlichen Tweets des Frankfurter Explora-Museums haben am Donnerstag 80 Menschen vor der Einrichtung demonstriert. Ihr Ziel: "Niemand besucht mehr dieses Haus!"

Demo Explora Frankfurt
Demonstranten vor dem Explora-Musuem Bild © Karsten Hufer/hr

Tweets mit Folgen: Um ihren Widerstand gegen die fremdenfeindlichen Aussagen des Explora-Leiters Gerhard Stief zu zeigen, sind am Donnerstag rund 80 Menschen dem Aufruf des Netzwerks "NoFragida" gefolgt. Sie kamen zu einer Kundgebung vor dem Museum im Frankfurter Nordend zusammen.

Stief sei ein "glasklarer Rassist", sagte "NoFragida"-Sprecherin Annette Ludwig vor den Teilnehmern. Als Ziel formulierte sie: "Niemand besucht mehr dieses Haus." Das Museum dürfe auch nicht anderweitig gefördert werden. Die Lage sei zudem derzeit leider so, "dass wir in diesem Jahr wohl ganz viele solcher Aktionen durchführen müssen".

Gelöscht

Tweet auf dem Account des Explora Museums vom 09.01.2016 ca. 16 Uhr
hessenschau.de-Redakteur Karsten Hufer machte auf die rassistischen Tweets aufmerksam. Bild © Screenshot Twitter

Ein hessenschau.de-Redakteur hatte auf Twitter auf die fremdenfeindlichen Tweets des Explora-Museums aufmerksam gemacht. Am vergangenen Samstag schrieb Stief etwa: "Zeigt denen doch erstmal, wie man richtig scheißt. Refugees out." Der Tweet wurde inzwischen wieder gelöscht. Stief twitterte allerdings munter weiter, unter anderem warf er dem hessenschau.de-Redakteur Verleumdung vor. Öffentlich äußern wollte er sich wohl erst nach seinem Urlaub.

Explora verschwindet von Familienkarte

Das Explora am Glauburgplatz ist ein privates Museum, ohne öffentliche Förderung. Die Mittel der Stadt Frankfurt, gegen den Museums-Betreiber vorzugehen, sind deshalb begrenzt. Die Empörung ist dennoch groß. "Wir distanzieren uns klar von den Äußerungen des Explora-Leiters", sagte Kirsten Grote-Bär vom Frankfurter Kulturdezernat hessenschau.de. Empfehlungen für das Explora-Museum seien von städtischen Webseiten entfernt worden.

"Das passt nicht zur Frankfurter Kulturlandschaft, hier herrscht eine Willkommenskultur", betonte die Grundsatzreferentin. Sie verwies darauf, dass die Staatsanwaltschaft über Stiefs verunglimpfenden Äußerungen gegen Flüchtlinge informiert sei.

Auf Abstand ging auch das Land Hessen. Es kündigte dem Museum inzwischen die Zusammenarbeit mit der Familienkarte Hessen auf. "Vor dem Hintergrund der bekannt gewordenen Äußerungen des Leiters des EXPLORA Science Center Frankfurt zu Flüchtlingen beendet die Familienkarte Hessen die Zusammenarbeit mit diesem Partner", teilte das Land mit.

Das Explora-Museum wendet sich mit seinem Angebot vor allem an Kinder und Jugendliche. Stief soll allerdings in der Vergangenheit laut Frankfurter Rundschau mehrfach gegen spielende Kinder auf dem benachbarten Spielplatz vorgegangen sein.

Skandal erreicht Niederlande

Auch der Energieversorger Mainova will nichts mehr mit dem Explora-Museum zu tun haben. "Es gab bereits seit längerer Zeit keine speziellen Aktionen mit dem Explora-Museum. Lediglich ein Link auf der Seite des Ignaz-Clubs hat auf das Museum hingewiesen. Diesen Link haben wir am Montag entfernt", sagte der Sprecher Sven Birgmeier hessenschau.de. Der Ignaz-Club ist ein Kinder-Club der Mainova.

Der Skandal um das Explora-Museum hat inzwischen sogar die Niederlande erreicht. Die Nachkommen des Künstlers M.C. Escher erklärten gegenüber dem Journal Frankfurt, es sei unerträglich, das Eschers Werke in einem Museum mit einem fremdenfeindlichen Leiter zu sehen seien. "Wir wollen explizit klar stellen - und ich spreche damit auch im Namen seiner Nachfahren - dass sich M. C. Escher von Politik stets ferngehalten hat - insbesondere vom rechten Flügel der Politik", zitierte das Journal Frankfurt Mark Veldhuysen, Direktor der M. C. Escher Company in Baarn bei Utrecht. Escher (1898-1972) habe Italien wegen des Aufkommens des Faschismus verlassen müssen.

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