Bei seiner Eröffnung im Jahr 1982 galt das Frankfurter Rebstockbad als Juwel der Bäderlandschaft - inzwischen ist die "Schwimmoper" so in die Jahre gekommen, dass die Stadt über Abriss und Neubau nachdenkt. Was sind die Probleme? hessenschau.de schaut hinter die Kulissen.

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Allein die Eröffnung des Rebstockbades vor 35 Jahren war eine Sensation: Sie wurde im "Aktuellen Sportstudio" übertragen, Schwimmstar Michael Groß war Ehrengast. Wegen seiner mit 2.800 Quadratmetern besonders großen Wasserfläche und der kathedralenartigen geschwungenen Holzdecke, die dem Schwimmbad etwas Opernhaftes verlieh, galt das Erlebnisbad als eines der schönsten im ganzen Land. Sein Spitzname: "Schwimmoper".

900.000 Besucher jährlich strömten anfangs in das Rebstockbad. Zeitweise war es damit das am besten besuchte Schwimmbad Deutschlands. In den letzten Jahren kamen immer weniger Badegäste: 2016 waren es noch rund 600.000. Seit drei Jahren ist nicht zu übersehen, dass das Schwimmbad stark in die Jahre gekommen ist: Die Fensterfront ist hinter Gerüsten verschwunden. Das Dach muss gestützt werden, Statiker haben Sorge um seine Tragfähigkeit.

Warum denkt die Stadt überhaupt über einen Abriss nach?

"Der Zustand des Rebstockbades hat sich seit 2011 so verschlechtert, dass Handlungsbedarf besteht. Wir prüfen mehrere Optionen, von Sanierung bis Abriss und Neubau", sagt Frank Müller, Geschäftsführer der Bäderbetriebe Frankfurt (BBF). Sorge bereiten Experten vor allem: 

  • Das geschwungene Holzdach gilt seit 2014 als marode und wird seitdem mit einem 200 Meter langen Gerüst im Außenbereich gestützt. Damals hatten sich Verkleidungselemente am Rand des Daches gelöst. Mit dem Gerüst sei die Sicherheit für Gäste und Mitarbeiter aber für bis zu fünf weitere Jahre gewährleistet.
  • Auch im Inneren sind die Fensterflächen seit Januar eingerüstet. Statiker und Holzfachleute prüfen auch hier die Tragfähigkeit des Daches - und die Kosten einer grundlegenden Sanierung.
  • Chlor und Feuchtigkeit haben den Betonbauteilen schwer zugesetzt, an mehreren undichten Stellen ist Feuchtigkeit in die Boden-Stahlbetonplatte eingedrungen.
  • Die Schwimmbadtechnik wie Filter- und Pumpenanlagen sind veraltet. "Für die Lüftungsanlage haben wir sogar Probleme, Ersatzteile zu bekommen", sagt ein Mitarbeiter der BBF. 
  • Die 2.100 Quadratmeter große Glasfassade des Hauptgebäudes und die Glasfläche an der Südseite mit rund 1.500 Quadratmetern gelten als "Energiefresser".
  • Der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank (CDU) sorgt sich um die Konkurrenzfähigkeit des Rebstockbades. Das "Opernartige"- bei dem Schwimmschüler, Sportvereine, Familien und entspannungssuchende Badegäste unter einem Dach untergebracht sind - gilt als nicht mehr zeitgemäß.

Wie konnte es so weit kommen?

"22 Millionen Besucher in 35 Jahren hinterlassen ihre Spuren", erläutert Bäderbetriebe-Chef Müller. Das Bad habe seine "Lebenszeit erreicht" - obwohl regelmäßig in den Erhalt des Rebstockbades investiert worden sei.

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Zwischen 2003 und 2016 seien "für Instandhaltung, Investitionen in das Gebäude, Attraktivierungen" Kosten in Höhe von 21 bis 22 Millionen Euro entstanden, teilten die Bäderbetriebe auf Nachfrage von hessenschau.de mit.

In den vergangenen zehn Jahren war das Bad wegen Sanierungs- und Reparaturarbeiten vier Mal mehrere Wochen lang geschlossen. Im Jahr 2003 wurde der Saunabereich aufwendig saniert, inklusive neuer Saunakabinen, einer Schneekammer, neuen Ruheräumen und einer Erneuerung des Außenbereichs.

Welche Varianten sind im Gespräch - und was würden sie kosten?

Derzeit prüfen die Bäderbetriebe mit einer Machbarkeitsstudie, was eine grundlegende Sanierung kosten würde - oder ob nicht ein Neubau an der gleichen Stelle langfristig wirtschaftlicher und lukrativer wäre. Diskutiert werden zehn verschiedene Varianten mit Kosten von bis zu 80 Millionen Euro.

Bei den Planspielen bekommen die Bereiche Erlebnisbad, Wellness und Schwimmen unterschiedlich viel Platz eingeräumt. Eine Option sieht vor, die Büros der Bäderbetriebe in einem angegliederten Neubau vom Frankfurter Hauptbahnhof auf das Rebstockgelände zu verlagern.

Zu der größten Neubau-Variante würden auch ein Gesundheitszentrum und ein Hotel angegliedert, betrieben von privaten Investoren.

Außerdem könnte bei einem Neubau der Saunabereich in Richtung Südwesten verlagert werden, mit Blick auf den angrenzenden Rebstockweiher. "Vielleicht könnte auch der Weiher selber in die Nutzung einbezogen werden", überlegt Bäderbetriebe-Chef Müller.

Gibt es schon einen Favoriten - und wie sieht der Zeitplan aus?

Er rechnet damit, dass im April "belastbare Zahlen als Grundlage" für die Entscheidung des Aufsichtsrates vorliegen. Möglichst bis Mitte 2017 soll eine Entscheidung her.

Falls es zu Abriss und Neubau kommt, veranschlagen die Bäderbetriebe weitere anderthalb Jahre Planungszeit und etwa drei Jahre Bauzeit. Das Ziel wäre dann eine Eröffnung im Jahr 2022.

Zu einem Favoriten hat sich Sportdezernent Frank bislang nicht geäußert. Allerdings gilt der Abriss und Neubau derzeit als wahrscheinlicher, als eine Sanierung. "Die Überlegungen zur Angliederung eines Medizinzentrums und eines Hotels sind interessante Lösungen", sagte Bäder-Chef Müller.

Baustellen auf dem Weg zum Schwimmbecken
Rechts Baustellenabsperrung, links die Schwimmbecken. Experten untersuchen, wie stark das Dach auch im Inneren geschädigt ist. Bild © hessenschau.de (Susanne Vollstädt)

Was sagen die Schwimmvereine?

"In Frankfurt fehlt es an Wasserfläche für Schwimmer und Leistungssportler“, sagt der Sportdirektor der Schwimmgemeinschaft Frankfurt, Michael Ulmer. So sei Frankfurt die einzige Stadt unter den 20 größten Städten Deutschlands, die keine 50-Meter-Schwimmbahn in einem Hallenbad habe. Daher sei es grundsätzlich positiv, dass die Stadt über neue Konzepte nachdenke. Es müsse aber am Ende "tatsächlich mehr Wasserfläche geben".

Außerdem müsse die Stadt Ausweichflächen währen der Bauzeit schaffen. Das werde in die Überlegungen einbezogen, versichert Bäder-Chef Müller. Möglicherweise könne ein Freibad provisorisch überdacht werden. "Wir haben das Freibad Hausen im Auge."

Auch die Wasserspringer sorgen sich um adäquate Ersatzflächen für die Übergangszeit. "Wir sind auf den Fünf-Meter-Sprungturm im Rebstockbad angewiesen, weit und breit gibt es keinen anderen indoor", sagt Alexander Kern vom Höchster Schwimmverein. Außerdem fehle für optimale Trainingsbedingungen ein Zehn-Meter-Sprungturm in der Halle.

Der sei aber, ebenso wie eine 50-Meter-Bahn, in keiner der Neubau-Varianten vorgesehen, erklären die Bäderbetriebe auf Nachfrage. Es werde stattdessen die "Zusatzoption Schwimmsportzentrum" am Standort Rebstock geprüft.

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