Publikum beim Stoffel Frankfurt
Publikum beim Stoffel Frankfurt Bild © Bernd Kammerer

Im Frankfurter Günthersburgpark ist das beliebte "Stoffel"-Festival gestartet. Wegen einer Klageandrohung stand es auf der Kippe. Mit einem abgespeckten Programm wagen die Organisatoren nun ein Experiment.

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Im Frankfurter Günthersburgpark liefen am Freitagnachmittag die letzten Vorbereitungen für das "Stoffel" (Stalburg Theater Offen Luft) auf Hochtouren. Unter schattenspendenden Segeltüchern wurden die letzten Handgriffe gemacht.

Seit dem Abend ist die obere Wiese des Parks im Stadtteil Nordend wieder eine Festivalbühne - für 30 Tage. Bei dem gut besuchten Open-Air-Kulturfestival geben sich Künstler statt der Klinke das Mikro in die Hand, und das seit 14 Jahren schon.

Auf dem Programm stehen auch in diesem Jahr Konzerte von Folk bis Jazz, Lesungen und Kabarett. Und wie in jedem Jahr gibt es wieder Kindertheater beim "Stoffelchen". Das alles wie üblich zum freien Eintritt.

Weitere Informationen

Stoffel 2017

Wann: 14. Juli bis 12. August
Was: Kleinkunst unter freiem Himmel
Wo: Nördlicher Teil des Güthersburgparks, Wetteraustraße 7, 60389 Frankfurt
Infos: Programm
Eintritt ist frei, Spenden sind erwünscht.

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Doch anders als in den Jahren zuvor werden diesmal nur an 18 Tagen Musik oder Kleinkunst über die Lautsprecher hallen. An den übrigen zwölf Tagen steht die neue Reihe "Stoffel ausgestöpselt" auf dem Programm, und das ist wörtlich gemeint: Die Verstärker bleiben dann aus. Das gilt auch für die Wochenenden am 22. und 23. Juli sowie am 5. und 6. August.

Anwohnerin drohte mit Klage

Hintergrund der massiven Programmänderungen sind Beschwerden von Nachbarn, die sich durch die Vorstellungen am späten Abend gestört fühlten. Die beiden Organisatoren Michael Herl und Petra Gismann vom Stalburg Theater hatten deshalb schon in den vergangenen beiden Jahren montags einen Ruhetag eingeführt: Ab 19.30 Uhr wurden die Verstärker ausgeschaltet, nur bis 21 Uhr wurden Würstchen und Bier verkauft.

In diesem Jahr stand die Festival-Planung allerdings noch stärker unter Druck. Weil eine einzelne Anwohnerin des Parks mit einer Klage gedroht hatte, bestand die Gefahr, dass das Verwaltungsgericht Frankfurt das Festival komplett untersagt. "Die Angst davor war groß", erzählt Mitorganisatorin Gismann.

Yoga und Kampfkunst statt Musik

Juristisch sei vor allem die vierwöchige Dauer des "Stoffels" und nicht unbedingt die Lautstärke einzelner Veranstaltungen problematisch. "Aber Gott sei Dank haben wir gemeinsam mit dem Ordnungsamt der Stadt eine Lösung gefunden", so Gismann.

Eine Verordnung der Stadt schreibe vor, dass nur an zwei Wochenenden in Folge und nur an 18 Tagen im Jahr bis 22 Uhr an einem öffentlichen Ort Veranstaltungen wie das "Stoffel" oder die Sommerwerft am Main stattfinden dürften, erklärt die Mitorganisatorin.

Die Lösung: An 18 Tagen wird nun das gewohnte "Stoffel"-Programm geboten. An den "ausgestöpselten" Tagen soll es dafür leiser zugehen, mit angeleiteten kollektiven Kampfkunst- oder Yoga-Übungen, Werkschauen von bildenden Künstlern oder einem Präsentationstag von Selbsthilfegruppen.

"Ohne Stalburg Theater kein Stoffel"

Die Festivaldauer ausschließlich auf 18 Tage zu reduzieren, sei nicht in Frage gekommen, sagt Gismann. "Das Risiko, dass das Wetter die Veranstaltungen verhagelt und somit das Publikum ausbleibt, war uns einfach zu groß." Und auf ein spendenwilliges Publikum kommt es in diesem Jahr besonders an. Denn das "Stoffel" wird hauptsächlich aus Spenden finanziert, die nach und während der Shows mit roten Eimern gesammelt werden.

Sollten die Spenden aufgrund des veränderten Programms massiv zurückgehen, hätte das auch Folgen für das Stalburg Theater, das aus den "Stoffel"-Einnahmen mitfinanziert wird und schon lange in einer finanziellen Schieflage ist. Immerhin hat die Stadt das Festival mit 40.000 Euro bezuschusst. Doch das deckt laut Gismann nicht mal die Hälfte der Kosten. "Wenn wir Einbußen machen, können wir das Theater nicht mehr finanzieren. Und ohne das Theater wird es auch kein Stoffel geben."

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