Fotografiert von Annie Leibovitz (r.): US-Ballett-Tänzerin Misty Copeland
Fotografiert von Annie Leibovitz (r.): US-Ballett-Tänzerin Misty Copeland Bild © Annie Leibovitz

Ihre Fotos haben zahlreiche Magazin-Titelseiten geschmückt, die Porträts von Annie Leibovitz sind weltberühmt. Nun hat die US-Starfotografin in Frankfurt ihre jüngsten Werke vorgestellt. Von Freitag an sind sie unter einer Brücke zu sehen.

Als Annie Leibovitz die Bogenhalle unter der Honsellbrücke im Frankfurter Ostend, dem Sitz des Kunstvereins Familie Montez, betritt, ist es fast so, als würde die Zeit für einen Moment stehen bleiben: Etliche Fotoapparate, Handys und Fernsehkameras sind auf sie gerichtet. Journalisten und Fotografen versuchen, den magischen Augenblick einzufangen.

Annie Leibovitz im Kunstverein Familie Montez in Frankfurt
Annie Leibovitz erscheint zur Ausstellungseröffnung mit UBS-Vorstandschef Thomas Rodermann. Bild © Meliha Verderber/hessenschau.de

Die New Yorker Starfotografin wirkt überrascht von dem Rummel um sie und beruhigt die Anwesenden: "Seien Sie entspannt, ich bin noch eine Weile hier. Lassen Sie uns erst mal anfangen."

39 Portraits besonderer Frauen

Leibovitz, die als Chef-Fotografin von "Rolling Stone" und "Vanity Fair" weltweit berühmt wurde, nimmt sich dann tatsächlich rund 40 Minuten Zeit, um die Ausstellung ihrer Fotos selbst zu eröffnen. Die Wanderausstellung macht weltweit in zehn Großstädten Station und ist vom 14. Oktober an für rund drei Wochen in Frankfurt zu sehen, der einzigen Station in Deutschland.

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Gezeigt werden 39 Porträts von Frauen aus der Serie "Women: New Portraits", die in den vergangenen sechs Jahren im Auftrag der Schweizer Großbank UBS entstanden sind. "Diese Frauen haben alle etwas Herausragendes erreicht. Und mich interessiert nicht, wie sie aussehen, sondern was sie machen und bewirken", erklärt Leibovitz.

Adele, Williams-Schwestern, Aung San Suu Kyi

Zu den von ihr abgelichteten Frauen zählen Berühmtheiten wie die britische Sängerin Adele, die Außenministerin von Myanmar und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die US-amerikanischen Tennisschwestern Serena und Venus Williams.

Aber auch weniger bekannte Persönlichkeiten standen vor ihrer Kamera, etwa die New Yorker Balletttänzerin Misty Copeland, die im vergangenen Jahr am American Ballet Theatre als erste Afroamerikanerin in dessen 75-jähriger Geschichte zur Primaballerina ernannt wurde.

Portrait von US-Ballet-Tänzerin Misty Copeland
Aus der Fotoserie "Women: New Portraits": Die US-Ballett-Tänzerin Misty Copeland von Annie Leibovitz in Szene gesetzt. Bild © Annie Leibovitz

Die Porträts sind zum Teil aufwendig inszeniert, manche wie ein Renaissance-Gemälde arrangiert. Im Kontrast dazu: die unspektakuläre Art der Präsentation. Die Hochglanzabzüge sind hinter Glas nebeneinander an die Wand gepinnt. Die Aufnahmen sind Teil eines Projekts, das Leibovitz vor über 15 Jahren angefangen hat. Sie setzen den 1999 von ihr veröffentlichten Fotobildband "Women" fort.

"Ich möchte Angela Merkel fotografieren"

Aus diesem Bildband sind ebenfalls 22 Fotos ausgestellt, darunter ein Porträt der US-amerikanischen Schauspielerin Meryl Streep, ein Foto von John Lennon und Yoko Ono sowie Porträts von Leibovitz' Mutter und Großmutter, Marilyn und Rachel Leibovitz. Für den Bildband hat sie auch unbekannte Menschen fotografiert.

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Annie Leibovitz

Ihren ersten Job als Profifotografin hat Annie Leibovitz 1970 nach ihrem Studium der Malerei und Fotografie beim "Rolling Stone" angefangen. Drei Jahre später wurde sie dort im Alter von 24 Jahren Cheffotografin. Anfang der 80er-Jahre wechselte zum US-Magazin "Vanity Fair", das sie mitgegründet hatte. Zu ihren bekanntesten Fotos zählt eine Aktaufnahme von der schwangeren Schauspielerin Demi Moore. Dieses und das Foto von John Lennon mit Yoko Ono wurden im Jahr 2005 von US-amerikanischen Verlegern und Artdirektoren zu den beiden besten Titelbildern gewählt.

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"Die Frauen heute haben ein starkes Selbstvertrauen, was so 1999 nicht vorhanden war. Dieses Selbstvertrauen der Frauen und die Art, wie sie sich selbst präsentieren, das ist für mich neu. Das möchte ich zeigen", sagt Leibovitz. Dann verrät sie, dass sie gerne Bundeskanzlerin Angela Merkel fotografieren möchte. "But she is very busy", sagt Leibovitz. Die Hoffnung gebe sie aber nicht auf, fügt Leibovitz hinzu.

"Habe immer für meine Arbeit gelebt"

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In der Ausstellung werden auch bislang nicht veröffentlichte Werke gezeigt. Eine Auswahl davon und weitere Porträt-Bilder werden auf einer Wand aus vier Bildschirmen als digitale Diashow abgespielt. "Da sind alle Fotos zu sehen, die ich seit 1999 von Frauen gemacht habe", erklärt Leibovitz. Insgesamt rund 400 Porträts. Eine weitere Wand aus vier Bildschirmen ist ausschließlich dem Bild von Queen Elizabeth II. gewidmet, die Leibovitz nach eigenen Worten mehrfach fotografiert hat.

Starke Frauen will sie auch in Zukunft fotografisch in Szene setzen. Die Porträtserie sei nicht abgeschlossen. Es gebe viele Menschen, die danach strebten, das Richtige zu tun und die Welt zu verbessern. "Und ich habe immer für meine Arbeit gelebt", verrät die 67-Jährige am Ende. Genau das spürt man, wenn man vor einem ihrer Porträts steht und eintaucht in einen magischen Augenblick.

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"WOMEN: New Portraits" von Annie Leibovitz

14. Oktober bis 6. November im Kunstverein Familie Montez,
Honsellbrücke am Hafenpark, Honsellstraße 7, 60314 Frankfurt.

Öffnungszeiten: Mo. bis So. 10 bis 18 Uhr, Fr. 10 bis 20 Uhr.
Der Eintritt ist frei.

Begleitend zur Ausstellung werden an den Wochenenden in Zusammenarbeit mit dem Museum für Moderne Kunst Frankfurt kostenlose Workshops für Familien angeboten, für die man sich online anmelden muss.

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