Sklavenhandel, das Tian’anmen-Massaker, die Flüchtlingsmisere: Eine Schau des Frankfurter Museums Angewandte Kunst thematisiert vergangene und aktuelle Krisen. Der Ausstellungsort gewinnt dabei eine ganz eigene Bedeutung.

Ausstellung "Wider das Vergessen"
Szene aus dem Video "Bare Life Study #1", Blick auf die Ausstellungscontainer Bild © Associacao Cultural Videobrasil/Sonja Fouraté (hr)

Es braucht nicht viel, um das Leid von Flüchtlingen erlebbar zu machen. Im Film "Mapping Journey #1" berichtet ein Algerier, wie er in der Küstenstadt Annaba an Bord eines Bootes geht, nach abenteuerlicher Fahrt in Sizilien landet und sich in Italien und Frankreich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt. Während er erzählt, zeichnet er mit einem schwarzen Filzstift seine Reiseroute nach. So persönlich die Geschichte, so anonym bleibt der Flüchtling: Sein Gesicht wird nicht gezeigt, nur eine große Karte mit Europa und der zu überwindenden Barriere, dem Mittelmeer.

Grenzenlos zugänglich

Wider das Vergessen
Blick auf die Arbeit "Mapping Journey #1" Bild © Sonja Fouraté (hr)

Zu sehen ist der Film vor dem Frankfurter Museum Angewandte Kunst - in einer Ausstellung, die die Kuratoren in zehn Container in den Garten ausgelagert haben. Eine Umgebung, die nicht zufällig an die beengten Behelfsunterkünfte von Flüchtlingen erinnert. "Wir wollen, dass die Schau für jeden zugänglich ist", erklärt Kurator Klaus Günther. Deswegen ist der Eintritt frei, und auch den Ausstellungskatalog gibt es umsonst.

Machtkampf um Deutung der Vergangenheit

Wider das Vergessen
Die Ausstellungscontainer Bild © Sonja Fouraté (hr)

"Sense of Doubt. Wider das Vergessen", so heißt die Ausstellung mit Videoarbeiten, die sich mit vergangenen und aktuellen globalen Konflikten befassen – und mit deren Interpretation. "Um die Deutung der Vergangenheit entbrennen ja häufig Machtkämpfe", sagt Klaus Günther. "Kunst aber sperrt sich gegen Vereinnahmung von irgendeiner Seite. Sie eröffnet neue Perspektiven."

Weitere Informationen

Sense of Doubt. Wider das Vergessen.

Die Ausstellung zeigt Arbeiten von 18 Künstlern aus Ländern wie Zimbabwe, Brasilien, China oder Marokko. Zu sehen ist sie bis zum 11. Oktober 2015.

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Wider das Vergessen
Szene aus dem Video "Unforgettable Memory" von Liu Wei Bild © Associacao Cultural Videobrasil

In seinem Kurzfilm "The Unforgettable Memory" befasst sich der chinesische Künstler Liu Wei mit dem Tian’anmen-Massaker. Am 3.und 4. Juni 1989 schlug das chinesische Militär in Peking gewaltsam Proteste der Demokratie-Bewegung nieder. Die chinesische Regierung verharmlost das Massaker, dem möglicherweise mehr als 2.000 Menschen zum Opfer fielen, als "Zwischenfall vom 4. Juni". Und sie verhindert jedes Jahr aufs Neue, dass der Opfer gedacht wird. In seinem Video hält Liu Wei ein Foto vor den leeren Tian’anmen-Platz. Das Foto ist zu einem Symbol für den Aufstand geworden: Ein Mann mit zwei Einkaufstüten versucht, einen Panzer-Konvoi am Vorrücken zu hindern.

Teil des B3-Parcours

"Sense of Doubt. Wider das Vergessen" ist Teil des Ausstellungs-Parcours der B3 Biennale des bewegten Bildes, die vom 7. bis 11. Oktober in Frankfurt stattfindet. Die Biennale ist ein interdisziplinäres Medien-Festival, zu der Gäste aus über 20 Nationen kommen, darunter Stars wie Simpsons-Drehbuchautor Mike Reiss oder "Hobbit"-Darsteller Dean O’Gorman. Das Themenspektrum ist breit gefächert: Das Festival befasst sich mit neuen Entwicklungen in Kino und Fernsehen, in der Kunst, dazu neue Virtual Reality-Techniken und Games. Länderschwerpunkte sind die USA, China, Israel und Brasilien. Zum Biennale-Programm gehören Vorträge, Workshops und Filmvorführungen.

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