Tobias Sammet
Tobias Sammet, Sänger und Kopf der Heavy-Metal-Bands Edguy und Avantasia. Bild © Promo

Nötig hätte er es nicht: Mit seinen Bands Edguy und Avantasia feiert Tobias Sammet weltweit Erfolge. Trotzdem zieht es den Heavy-Metal-Star aus Fulda zum ESC-Vorentscheid. Im Interview verrät Sammet, warum er sich nicht zweimal bitten ließ.

Mit melodischem Heavy Metal hat sich Tobias Sammet aus Fulda über die Jahre Millionen von Fans erspielt. Soeben veröffentlichte er mit seiner Band Avantasia das Album "Ghostlights", das an die 80er-Jahre-Band Helloween und den 90er-Jahre-Schmachtrocker Meat Loaf erinnert. Seine erste Band Edguy, von Sammet als Teenager gegründet, begann als Coverband.

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zum Video Avantasia: Mit einer Power-Metal-Oper nach Stockholm?

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Die Absatzzahlen der Alben von Edguy, seiner früheren Schülerband, und Avantasia sind beachtlich, Tourneen führen sie in alle Welt und in ausverkaufte Hallen. Beim Wacken Open Air sind sie Stammgäste. Nun steht für Sammet eine Premiere an: Er nimmt am deutschen Vorentscheid für den European Song Contest (ESC) am 25. Februar in Köln teil (20.15 Uhr, im Ersten).

Was der 38-Jährige sich davon verspricht, berichtete er bereits Anfang Februar im Interview mit hessenschau.de.

hessenschau.de: Wie kommt's, dass Avantasia beim ESC-Vorentscheid mitmachen, Herr Sammet?

Tobias Sammet: Irgendwann kam die Anfrage, ob ich mir vorstellen könnte, bei so etwas mitzumachen. Und obwohl unser Hauptaugenmerk seit vielen Jahren auf Tourneen und Alben liegt, habe ich zugesagt. Auf der Welttournee spielen wir in drei Monaten vor ein paar hunderttausend Leuten, hier in drei Minuten vor ein paar Millionen. Da lass' ich mich nicht zweimal bitten.

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„In Deutschland wurden sogar die Scorpions lange links liegen gelassen.“ Zitat von Tobias Sammet
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hessenschau.de: Sind Sie ein ESC-Fan?

Tobias Sammet: Die Plattenfirma hat gefragt, und ich hatte offen gestanden bislang kaum Berührungspunkte mit dem ESC. Ich habe vor ein paar Jahren mal Auszüge im Fernsehen gesehen, mehr nicht. Aber ich stehe der ganzen Sache recht entspannt gegenüber.

hessenschau.de: Mit welchem Lied wollen Sie antreten?

Tobias Sammet: Das Stück heißt "Mystery Of A Blood Red Rose" und ist das Eröffnungsstück unseres gerade erschienenen neuen Albums.  Eigentlich hatte ich das Stück für ein Duett mit Meat Loaf komponiert, aber der hatte andere Pläne, somit habe ich es alleine eingesungen.

hessenschau.de: Nun gab es schon häufiger Metal beim ESC, aber nicht aus Deutschland - rechnen Sie sich ernsthafte Chancen auf den Sieg aus? In Castingshows und im Radio sind ja ganz andere Sachen angesagt. 

Tobias Sammet: Diese Art von Musik ist in Deutschland aus den großen Medien komischerweise komplett verschwunden, was ich schade finde. In anderen Ländern ist das anders. Wir touren weltweit und haben eine große Fanbasis in ganz Europa.

In Schweden, Tschechien oder Brasilien läuft das ganz normal im Radio, man wird in TV-Shows eingeladen, und niemand wundert sich dabei. In Deutschland ist das anders. Das war schon mit den Scorpions so: Überall beneidet man uns Deutsche um die Scorpions, nur in Deutschland wurden sie lange links liegen gelassen.

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„Die Qualität unserer Konzerte und Alben ist mir heilig, der Rest ist Klappern und gehört zum Handwerk.“ Zitat von Tobias Sammet
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Sollten wir tatsächlich nach Stockholm fliegen, sind die Chancen nicht schlecht, weil wir eben in ganz Europa viele Fans haben, aber ob wir es in Deutschland schaffen, kann ich überhaupt nicht einschätzen. Da sind bestimmt viele erfolgreiche Künstler dabei, die öfter im Fernsehen sind als wir. Von daher erwarte ich einfach mal gar nichts und schaue, was herauskommt.

hessenschau.de: Mit Edguy haben Sie sich eine Fanbasis erarbeitet, bevor jeder Internet hatte, vor den Sozialen Medien, vor den Castingshows. Auch mit Avantasia läuft's gut. Haben Sie die ESC-Teilnahme überhaupt nötig?

Tobias Sammet: Ich denke nicht, dass diese Sache irgendeinen nachhaltigen Einfluss auf meine Karriere hat, egal wie's ausgeht. Ich mache das jetzt seit 25 Jahren, obwohl ich so aussehe wie Anfang 20, haha! Und egal ob Frühstücksfernsehen oder MTV-Spielchen in Südamerika - wir haben schon viel gemacht, aber nie das Wichtigste angepasst: die Musik!

Die Qualität unserer Konzerte und Alben ist mir heilig, der Rest ist Klappern und gehört zum Handwerk. Grenzen gibt es auch da, aber meine Musik vor Millionen im TV spielen? Warum nicht?

hessenschau.de: Steht zu befürchten, dass Ihre Fans Ihnen den Auftritt übel nehmen? Metalfans sind ja auf ihre Art konservativ.

Tobias Sammet: Ich denke nicht. Gerade im Ausland waren die Reaktionen überwältigend, und wir haben unzählige Zuschriften gekriegt, dass wir das Ding dann nach Deutschland holen. Die meisten Fans sind stolz, dass handgemachter Hard Rock bei sowas dabei ist. Und mal Hand aufs Herz: Unsere Fans kommen ab Anfang März zu einer unserer Shows, die Welttour läuft vielerorts in Richtung ausverkauft, die Wahrheit liegt also auf dem Platz und da kriegen die Leute, was sie erwarten. Live, an der Stelle, wo handgemachte Musik gefragt ist.

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