Frank Witzel Buchpreis
Der Offenbacher Autor Frank Witzel Bild © picture-alliance/dpa

Die wichtigste Literaturauszeichnung des deutschsprachigen Raums geht an Frank Witzel. Der Offenbacher Schriftsteller erhielt am Montagabend in Frankfurt für seinen Roman "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" den Deutschen Buchpreis 2015.

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"Frank Witzels Werk ist ein im besten Sinne maßloses Romankonstrukt", begründete die Jury den Preis. In seiner Mischung aus "Wahn und Witz, formalem Wagemut und zeitgeschichtlicher Panoramatik" sei der Roman einzigartig in der deutschsprachigen Literatur. "Mit dem Deutschen Buchpreis wird ein genialisches Sprachkunstwerk ausgezeichnet, das ein großer Steinbruch ist, ein hybrides Kompendium aus Pop, Politik und Paranoia."

Witzel schaut in seinem Buch "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" (erschienen im Verlag Matthes & Seitz Berlin) zurück auf die alte Bundesrepublik, die 68er, die RAF und den Deutschen Herbst - aber aus der Perspektive eines 13-Jährigen, der im Wiesbadener Ortsteil Biebrich sich darauf seinen ganz eigenen Reim macht.

Musiker, Essayist und Moderator, Romancier und Illustrator

Frank Witzel ist in vielen Disziplinen heimisch. 1955 wurde er in Wiesbaden geboren. Nach der Schule machte er eine musikalische Ausbildung am Wiesbadener Konservatorium. Mit 22 veröffentlichte er dann seinen ersten Gedichtband. 2001 erschien sein Roman "Bluemoon Baby", zwei Jahre später "Revolution und Heimarbeit". Die Geschichte der Bundesrepublik dient Witzel in seinen Büchern als Spielwiese für oft groteske Einfälle und literarische Verschwörungstheorien.

2005 und 2009 legte er zusammen mit zwei Co-Autoren Gesprächsbücher über Popkultur und die deutsche Geschichte vor. Auf ähnliche Weise wie seine früheren Romane ist auch sein neuestes Werk gestrickt. Schon 2012 erhielt Witzel für das rund 1000 Seiten umfassende Romanprojekt mit dem barocken Titel "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969" den Robert-Gernhardt-Preis. Witzel lebt in Offenbach.

Die Bücher der anderen fünf Nominierten

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Autorin Monique Schwitter

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Witzel setzte sich im Finale gegen die Romane von fünf anderen Autoren durch:

  • In "Das bessere Leben" (S. Fischer, Juli 2015) setzt sich Ulrich Peltzer mit den Utopien des 20. Jahrhunderts auseinander und fragt, was davon in unserer radikal kapitalistischen Welt übrig geblieben ist.
  • Jenny Erpenbecks Roman "Gehen, ging, gegangen" (Knaus, August 2015) handelt von afrikanischen Flüchtlingen auf dem Berliner Oranienplatz.
  • Rolf Lappert hat mit "Über den Winter" (Carl Hanser, August 2015) einen melancholischen Roman geschrieben über einen Künstler, der sich seine Familiengeschichte neu aneignen muss, nachdem seine Schwester gestorben ist.
  • Die Geschichte von Inger-Maria Mahlkes Buch "Wie ihr wollt" (Berlin Verlag, März 2015) ist auf den ersten Blick ein historischer Roman über Intrigen und Frauenschicksale am Hof von Elisabeth I. im 16. Jahrhundert. Aber das lässt sehr viel Durchblick auf die Gegenwart zu.
  • Monique Schwitters "Eins im Andern" (Droschl, August 2015) ist ein Roman über eine Frau, die nach einem Schicksalsschlag die Liebhaber ihres Lebens, also ihre Liebesbiographie erzählerisch durchgeht.

Buchpreis ist mit 25.000 Euro dotiert

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Frankfurter Buchmesse 2015

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Der Deutsche Buchpreis, 2005 erstmals vergeben, gilt als wichtigste Auszeichnung der Branche. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zeichnet damit "den besten Roman in deutscher Sprache" aus. Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz dürfen Titel einreichen. Eine siebenköpfige Jury, deren Besetzung jährlich wechselt, wählt zunächst 20 Titel für die Longlist aus. Später wird die Auswahl auf eine Shortlist von sechs Titeln verkürzt.

Der Preis wird traditionell am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben und zugleich überreicht. Dem Sieger winkt neben 25.000 Euro in der Regel auch ein Platz auf der Bestsellerliste. An die anderen fünf Finalisten gehen jeweils 2.500 Euro.

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Die bisherigen Buchpreis-Gewinner

  • 2014: Lutz Seiler für "Kruso"
  • 2013: Terézia Mora für "Das Ungeheuer"
  • 2012: Ursula Krechel für "Landgericht"
  • 2011: Eugen Ruge für "In Zeiten des abnehmenden Lichts"
  • 2010: Melinda Nadj Abonji für "Tauben fliegen auf"
  • 2009: Kathrin Schmidt für "Du stirbst nicht"
  • 2008: Uwe Tellkamp für "Der Turm"
  • 2007: Julia Franck für "Die Mittagsfrau"
  • 2006: Katharina Hacker für "Die Habenichtse"
  • 2005: Arno Geiger für "Es geht uns gut"
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