Adam Szymczyk, Marta Minujin
documenta-Chef Adam Szymczyk und Künstlerin Marta Minujin sammeln verbotene Bücher auf der Buchmesse ein. Bild © picture-alliance/dpa

Bücher sind gefährlich - zumindest für manche Herrschenden, die sie verbieten. Darauf macht die documenta-Künstlerin Marta Minujin aufmerksam. Für ihr Werk sammelt sie 100.000 Bücher ein - und wo könnte sie damit besser beginnen als auf der Frankfurter Buchmesse.

Den Anfang machte documenta-Chef Adam Szymczyk. Er legte am Donnerstag auf der Buchmesse in Frankfurt die Tagebücher von Witold Gombrowicz in die Sammelbox. Der Schriftsteller war bis zur Wende in Polen verboten. Buchmessen-Direktor Juergen Boos steuerte ein Buch von Milan Kundera bei, sein Kollege Holger Volland eines von Klaus Mann. Die drei Bücher haben eines gemeinsam: sie waren einmal verboten.

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Die argentinische Künstlerin Marta Minujin

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Und das macht sie für die argentinische Künstlerin Marta Minujin interessant, die auf der kommenden Weltkunstausstellung documenta 14 mit insgesamt 100.000 verbotenen Büchern in Kassel einen griechischen Parthenon-Tempel nachbauen will. Auf der Buchmesse fing sie mit dem Sammeln an.

"Die traurige Nachricht: Es gibt tatsächlich 100.000 Bücher, die verboten waren oder sind", sagte Buchmessen-Direktor Boos dazu. "Die gute Nachricht: In Deutschland sind sie alle erhältlich."

Am Samstag geht es in Kassel los

Minujin will für ihr Werk Bücher aus aller Welt einsammeln, Bücher, die entweder früher verboten waren und heute wieder gedruckt werden, oder die in manchen Ländern verboten und in anderen zugänglich sind.

Der symbolische Grundstein für "The Parthenon of Books" soll am Samstag auf dem Friedrichsplatz in Kassel gelegt werden. Die Universität Kassel arbeitet an einer Liste verbotener Bücher, die laut documenta aktuell 60.000 Titel umfasst. Spender können Bücher noch bis Sonntag auf der Buchmesse und später in Kassel abgeben oder per Post einschicken.

Marta Minujin: "Bücher sind ein Indikator für Demokratie"

Ihre Aktion setze ein Zeichen gegen das Verbot von Texten und die Verfolgung ihrer Verfasser, sagte die Künstlerin. "Bücher sind ein Indikator für Demokratie." Marta Minujin hatte in Argentinien nach dem Ende der Militärdiktatur schon einmal eine ähnliche Aktion gemacht. Wie damals soll auch der Bücher-Tempel in Kassel zum Ende der documenta zerstört werden. Die Bücher sollen mitgenommen und gelesen werden.

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