Bücherstapel
Bild © Imago

Viele Titel, die es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft haben, erscheinen erst in den kommenden Wochen. Zu einigen Titeln haben wir aber bereits Buchbesprechungen und Autoren-Interviews.

Bodo Kirchhoff "Widerfahrnis"

Audiobeitrag
Cover Bodo Kirchhoff Widerfahrnis

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bodo Kirchhoff "Widerfahrnis"

Ende des Audiobeitrags

"Dem ehemaligen Verleger Julius Reither ist die Lust am Büchermachen abhanden gekommen, denn niemand will seine Bücher lesen. Er zieht sich zurück in eine Altenwohnanlage in einem entlegenen Alpental, doch dort kommt es zu einer unerwarteten, späten Liebeserschütterung, die ihn bis nach Sizilien führt." - "Kirchhoff beherrscht seine Instrumente, er erzählt meisterhaft und raffiniert." - "Am Ende steht ein Knalleffekt, der allerdings fast nicht hörbar ist - das wirft ein ganz neues Licht auf die Widerfahrnis." - "Es bleibt eine Berührung am Sehnsuchtszentrum, die einem als Leserin das Herz zerreißen kann."

Michael Kumpfmüller "Die Erziehung des Mannes"

Audiobeitrag
Buchmesse - Buchcover - Michael Kumpfmüller „Die Erziehung des Mannes“

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Michael Kumpfmüller "Die Erziehung des Mannes"

Ende des Audiobeitrags

"Ein Entwicklungsroman – in einem kühlen und klaren Ton erzählt." - "Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind menschlich verständlich, literarisch aber problematisch." - "Es fehlt an innerer Spannung."

Katja Lange-Müller "Drehtür"

Audiobeitrag
Cover Katja Lange-Müller Drehtür

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Katja Lange-Müller "Drehtür"

Ende des Audiobeitrags

Die 65-jährige Asta sitzt kettenrauchend an einer Drehtür am Münchner Flughafen. Sie ist nicht ganz freiwillig dort gelandet – ihre Kollegen aus der Krankenstation in Nicaragua, in der Asta 22 Jahre für eine Hilfsorganisation gearbeitet hat, haben ihr zum Geburtstag ein One-Way-Ticket geschenkt. Verbunden mit der unmissverständlichen Ansage, bloß nicht wiederzukommen.

Rauchend sinniert sie über das Leben – was war und was vielleicht noch kommen könnte. Einzelne Personen, die in ihr Blickfeld geraten, sorgen für rasante Gedankenreisen in die Vergangenheit. Berlin, Kalkutta, Tunesien – Lange-Müller nimmt uns mit auf eine Weltreise in Episoden. So wie die Gedankenblitze Astas Erinnerungen von einem Ort zum nächsten hetzen lassen, reiht Lange-Müller kunstvoll Wortkaskaden aneinander und legt in ihren Erzählungen ein ordentliches Tempo vor.

Dabei hält sie regelmäßig inne, um über Besonderheiten der deutschen Sprache zu reflektieren. Urlaub beispielsweise – was hat ein Waldboden voller fossiler Blätter denn bitteschön mit Ferien zu tun? Streng genommen ist "Drehtür" kein Roman, sondern eine Sammlung von Erzählungen, die allesamt um das Thema Helfen kreisen. Da sitzt sie nun, die stets hilfreiche Asta – hilf- und haltlos. Die Tücke der Drehtür – wer den Ausstieg verpasst, landet am Ausgangspunkt und wer sie zu beschleunigen versucht, bleibt womöglich stecken. (cawo)

Sibylle Lewitscharoff "Das Pfingswunder"

Audiobeitrag
Cover Sibylle Lewitscharoff Das Pfingswunder

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Sibylle Lewitscharoff "Das Pfingstwunder"

Ende des Audiobeitrags

"In Rom, an einem Pfingstwochenende unserer Gegenwart." - "33 der 34 Kongressmitglieder werden von Dante so entflammt, dass sie auf einmal - Pfingsten - fremdeste Sprachen verstehen und sprechen können und noch dazu durchs offene Fenster davonfliegen. Himmelaufwärts." - "Wir tauchen da ganz tief ein in die Hölle- und Fegefeuer-Welt Dantes." - "Wie immer ist hier eine virtuose Sprachkünstlerin am Werk." - "Das Buch leidet leider an mehreren grundsätzlichen Schwächen." - "Ich hätte lieber aus einem Essay von Sibylle Lewitscharoff gelernt, als aus einem angeblichen Roman. Diese Genrebezeichnung verdient dieses Buch eigentlich nicht." - "Weil es nicht erzählt, sondern sich ans Referieren verliert."

Thomas Melle "Die Welt im Rücken"

Cover Thomas Melle Die Welt im Rücken
Bild © Rowohlt

Manisch-Depressiv, Bipolare Störung Typ 1. Das ist die Diagnose mit der Thomas Melle lebt und über die er in "Die Welt im Rücken" schreibt. Mit aller Offenheit und mit all seinen skurrilen, verzweifelten, erschöpfenden Erlebnissen, die der Krankheit beim Lesen jede Verklärung Stück für Stück nimmt.

Melle erzählt aus vergangenen Jahren seines Lebens: Melle rennt durch Berlin, Melle torkelt durch heikle Abendveranstaltungen des Literaturbetriebs, er verschwendet sich, Melle schwitzt in Hamburg, wirr, Melle säuft sich durch seine eigenen Theaterpremieren, verliert seinen Verlag, Melle in der Psychiatrie, Melle voll mit Psychopharmaka. Melle als Arschloch, Melle am Arsch, Melles soziales Umfeld auch.

Die Welt der Dinge wird in seinen Manien zur Welt der Botschaften: Leuchtreklame, Fahrradfahrer, die Lieder von Björk, Literatur, London: Er selbst ist der Fluchtpunkt seiner Umwelt. "Alle Botschaften meinten am Ende auch immer mich." In manchen Besprechungen seines Buches ist das als narzisstische Charaktereigenschaft missverstanden worden, aber Melle schreibt nicht über seinen Charakter, sondern über seine Krankheit und all ihre Facetten.

Es wirkt manchmal, als schreibe er aus tiefer Not, um gehört zu werden. Melle sagt, er würde alles geben, um Manien und Depressionen los zu sein, es ist nicht diese heroische Vorstellung von Wahn/Genie/Künstler, es ist nur viel: Verlust, Zerstörung, Leid. Und deren Wiederholung in jedem neuen Schub. Der Autor entblößt sich, um sich "freizuschreiben", wie er es nennt.

Seine Leistung ist es, mit seinem Mut dem Wahn eine Sprache zu geben. Dass er gute Bücher schreiben kann, hat er in der Vergangenheit bereits bewiesen. Und dieses Buch, "Die Welt im Rücken", hat es auf die Longlist und anschließend auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft, mit einer fast schmerzhaften, autobiographischen Ehrlichkeit. Es bleibt zu hoffen, dass Melle, der Autor, der Mensch, einmal freigeschrieben, nicht alleine gelassen wird. (süss)

Joachim Meyerhoff "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"

Audiobeitrag
Cover Joachim Meyerhoff Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Joachim Meyerhoff "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Alle Toten fliegen hoch."

Ende des Audiobeitrags

"Der Ich-Erzähler - Joachim Meyerhoff - der da noch nicht so recht weiß, was er im Leben eigentlich werden will: Arzt wie sein Vater oder doch lieber Schauspieler wie die Großmutter. Ganz überraschend wird er an der Münchener Schauspielschule, der berühmten Falckenberg Schule angenommen, und da bei den Großeltern im edlen Stadtteil Nymphenburg noch ein Zimmer frei ist, zieht er da ein." - "Die Welt dieser Großeltern ist streng ritualisiert." - "Er ist ständig kurz davor zu kapitulieren, weil er immer wieder gesagt bekommt, dass sein Spiel nicht das eines Schauspielers ist, sondern eigentlich mehr das eines Sportlers." - "Die Lehrer verzweifeln an ihm, aber er an sich auch. Da ist die Welt dieser Großeltern mit ihren festgefügten Ritualen etwas, das ihm Halt und Struktur gibt." - "Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und bei dem ich auch mit großer Anteilnahme das Schicksal dieser Figuren verfolgt habe."

Peter Stamm "Weit über das Land"

Audiobeitrag
Cover Peter Stamm Weit über das Land

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Peter Stamm "Weit über das Land"

Ende des Audiobeitrags

"Sich auf den Weg machen, abtauchen - Thomas geht und verlässt seine Familie. Und seine Frau? Die beruhigt die Kinder und hält erst einmal den Betrieb am Laufen." - "Auch wenn Stamm die Erzählperspektiven wechselt, bleibt der ruhige, genaue Erzählton erhalten." - "Viele Beobachtungen, sparsame Dialoge - in dieser Geschichte ruhen enorme Nachdenklichkeit und Tiefe." - "Wer hat nicht schon einmal den Gedanken gehabt, alles hinter sich zu lassen?"

Thomas von Steinaecker "Die Verteidigung des Paradieses"

Audiobeitrag
Cover Thomas von Steinaecker Die Verteidigung des Paradieses

Sie können das Audio zur privaten Nutzung hier herunterladen oder im Systemplayer öffnen.

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Thomas von Steinaecker "Die Verteidigung des Paradieses"

Ende des Audiobeitrags

Thomas von Steinaecker gehört zu den Schriftstellern in Deutschland, die viel experimentieren und die mit am stärksten über ihren Beruf nachdenken. Im Kulturgespräch von hr2-kultur spricht er über Empathie, politisches Engagement und natürlich sein aktuelles Buch.

Das könnte Sie auch interessieren